Jahrzehntelang beschäftigte das Shamonda-Virus vor allem Tiermediziner, denn bisher war es nur bei Tieren nachgewiesen worden. 1965 wurde der Erreger erstmals aus Rinderproben in Nigeria isoliert. Später trat er vereinzelt in verschiedenen Teilen Afrikas sowie in Japan auf. Im Sommer 2026 wurde das Virus dann auch bei europäischen Nutztieren festgestellt.
Erste Shamonda-Virus-Infektion bei einem Menschen in Frankreich
Anfang Oktober starb in Frankreich erstmals ein Mensch, bei dem das Shamonda-Virus nachgewiesen worden war. Der schwer vorerkrankte Patient entwickelte zusätzliche Beschwerden, die das Gehirn betrafen und mit der Infektion in Verbindung gebracht wurden. Ob und in welchem Maß das Virus zu seinem Tod beitrug, ist jedoch unklar. Auch wie er sich infizierte, wird noch untersucht.
Warum der erste Humanfall ein Sonderfall ist
Da es sich um den bislang einzigen bekannten Humanfall handelt, sind die Erkenntnisse zur Erkrankung des Menschen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (externer Link) noch sehr begrenzt.
Bei der Bewertung des Falls spielt zudem die schwere Immunsuppression des Patienten eine wichtige Rolle. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik und Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, erklärt: „Wichtig ist, dass es sich um eine Person mit schwerer Immunsuppression gehandelt hat und damit um einen Sonderfall. Bisher gibt es keine Hinweise auf weitere klinische Infektionen bei Menschen oder eine Gesundheitsgefährdung der Allgemeinbevölkerung.“ Weitere Untersuchungen seien dennoch sinnvoll, um das Risiko besser einschätzen zu können.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) (externer Link) beobachtet die Lage und untersucht gemeinsam mit den französischen Behörden mögliche Folgen für die öffentliche Gesundheit.
Wie wird das Shamonda-Virus übertragen?
Das Virus wird wahrscheinlich durch Gnitzen der Gattung Culicoides übertragen. Die nur wenige Millimeter großen Insekten saugen Blut und können den Erreger dabei weitergeben. Welche Gnitzenarten genau beteiligt sind, wird noch untersucht. Eine direkte Ansteckung von Tier zu Tier ist bislang nicht belegt. Allerdings können infizierte Muttertiere das Virus während der Trächtigkeit auf den Fötus übertragen.
Welche Symptome verursacht das Shamonda-Virus bei Menschen und Tieren?
Ein typisches Krankheitsbild beim Menschen ist bislang nicht bekannt. Wegen des bislang einzigen dokumentierten Falls bei einem Menschen lässt sich noch nicht beurteilen, welche Symptome eine Infektion mit dem Shamonda-Virus beim Menschen auslösen kann.
Bei Tieren ist die Datenlage besser: Laut Martin Beer verlaufen Infektionen bei Schafen und Ziegen meist mild oder ohne erkennbare Symptome. Auch akut infizierte Rinder zeigen in der Regel milde bis moderate und vorübergehende Symptome wie Fieber, Durchfall und einen Rückgang der Milchleistung. Schwerwiegende Folgen wie Aborte, Fehlbildungen oder Totgeburten kann eine Infektion jedoch während der Trächtigkeit haben.
Wie gefährlich ist das Shamonda-Virus für Menschen?
Der Fall in Frankreich zeigt erstmals, dass das Virus auch Menschen infizieren kann. Unbekannt ist allerdings, wie häufig solche Infektionen auftreten und wie sie bei Menschen ohne schwere Vorerkrankung verlaufen.
Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, hält deshalb weitere Untersuchungen für notwendig. „Die entscheidende Frage lautet: Handelt es sich tatsächlich um die erste menschliche Infektion oder um die erste, die wir entdeckt haben?“
Bislang gibt es keine Hinweise auf weitere klinische Fälle oder auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch.
Gibt es das Shamonda-Virus in Deutschland und Bayern?
Das Virus wurde im Sommer 2026 bei Tieren in Deutschland nachgewiesen. Ende August waren auch aus zahlreichen Regionen Bayerns Infektionen bei Rindern und Schafen bekannt.
Bis zum 22. Oktober 2026 verzeichnete das ECDC Nachweise bei Nutztieren in Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Irland, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Spanien und der Schweiz sowie auf Jersey.
Gibt es eine Impfung oder Behandlung gegen das Shamonda-Virus?
Gegen das Shamonda-Virus gibt es derzeit weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische antivirale Behandlung. Die Erkenntnisse zur Behandlung einer Erkrankung beim Menschen sind wegen des bislang einzigen bekannten Falls sehr begrenzt.

