SPD-Politikerin wirft Audi Wahlkampfhilfe für Trump vor
Der Auftritt Döllners im Rahmen von Trumps Wahlkampf stieß in der SPD teilweise auf scharfe Kritik. Die SPD-Verkehrsexpertin Isabel Cademartori sprach am Sonntag von einer „Schande“ und einer Wahlkampfhilfe für einen Autokraten, der einen Handelskrieg gegen Deutschland führe. Cademartori kritisierte, während Arbeitnehmer in Deutschland um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze zitterten, verkünde Audi bei Trump Milliardeninvestitionen in ein neues US-Werk „im politisch besonders umkämpften Bundesstaat Georgia, der entscheidend für die künftigen Mehrheitsverhältnisse im Senat sein wird“.
In den „Grundsätzen und Leitlinien für politische Interessenvertretung“ von Audi heißt es: „Unsere Mitarbeitenden achten außerdem auf Neutralität im Umgang mit Parteien und Interessengruppen und pflegen den Kontakt zu demokratischen Parteien. Um diesen Grundsatz zu respektieren, werden in den drei letzten Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien/Politiker und keine Sponsorings von entsprechenden Veranstaltungen mehr durchgeführt.“
Produktionsstart für Anfang der 2030er Jahre geplant
Der Konzern bestätigte, Baubeginn für das US-Werk solle im kommenden Jahr sein. Die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre aufgenommen werden. Durch den neuen Standort werden nach Angaben von Audi etwa 4.500 Arbeitsplätze geschaffen. „Die geplante Investition unterstreicht ein langfristiges Bekenntnis zu den Vereinigten Staaten“, heißt es in der Audi-Mitteilung weiter. In dem Werk sollen Premium-SUVs montiert werden, die gezielt auf die Anforderungen von nordamerikanischen Kundinnen und Kunden ausgerichtet werden – darunter die Modelle Q7, Q8 und Q9.
Die USA seien einer der wichtigsten Automärkte der Welt. „Für uns geht es darum, das Audi-Geschäft in den USA nachhaltig zu stärken – eine eigene Fertigung ist der Schlüssel dazu“, sagte Audi-Chef Döllner. Der Bau des neuen US-Werks muss noch vom Volkswagen-Aufsichtsrat gebilligt werden.
Zölle der US-Regierung dürften Entscheidung beeinflusst haben
Trump erklärte, dass in der Fabrik in Georgia jährlich 200.000 Autos vom Band rollen sollen. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters plant Audi zudem, jährlich 25.000 Fahrzeuge im benachbarten South Carolina zu bauen. Der US-Präsident fordert seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 von ausländischen Unternehmen mit der Drohung von hohen Zöllen, ihre Produktion in die USA zu verlagern. Er stellte solchen Firmen den Erlass von Zöllen, die auf den Import in die USA anfallen, in Aussicht.
Die US-Zölle belasten Audi schwer. 2025 schlugen sie bei dem Unternehmen mit Hauptsitz in Ingolstadt mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche. Der Absatz von Audi war in den USA in diesem Jahr um 16 Prozent zurückgegangen. Anders als etwa VW oder BMW hat die Marke in den USA bislang kein eigenes Werk.
IG Metall vorsichtig optimistisch, warnt aber auch
Bisher hatte Audi die Autos für den US-Markt in Europa oder Mexiko produziert. Schon länger ist deshalb über die Expansion in die Vereinigten Staaten spekuliert worden. Gleichzeitig muss der Audi-Mutterkonzern Volkswagen sparen. Bis 2030 will Europas größter Autohersteller weltweit rund 100.000 Stellen streichen, die meisten davon in Deutschland. Das Werk in Neckarsulm könnte komplett geschlossen werden.
Die Gewerkschaft IG Metall äußerte sich zu den neuen Plänen grundsätzlich positiv. „Den US-Markt durch ein neues Werk besser zu erschließen, ist richtig und notwendig“, sagte die Erste Vorsitzende Christiane Benner in einer Mitteilung. Sie mahnte jedoch auch, dass es „verbindliche Perspektiven für die Beschäftigten an allen, gerade den hiesigen Standorten“ geben müsse.
Der VW-Konzernbetriebsrat stellte heraus, zusätzliche Produktion in neuen Standorten müsse immer dazu beitragen, dass auch die bestehenden Standorte im weltweiten Produktionsverbund am Ende des Tages profitieren. „Insofern gibt es intern in unseren Gremien etliche offene Fragen zu beantworten“, teilte ein Sprecher mit.

