In einem unscheinbaren Bürogebäude am Münchner Flughafen wird die Zukunft der Robotik mitgestaltet. Das versprechen die Betreiber, die Technische Universität München (externer Link) und das schwäbische Unternehmen Neura Robotics (externer Link) . Dort stehen im „RoboGym“ (externer Link), einem großen Raum, unterteilt in 48 Kabinen, hundert Roboter: humanoide Maschinen, Service-Roboter und gelenkige Roboter-Greifarme.
Mittels KI begreift der Roboter menschliche Bewegungen
Menschen mit Daten-Handschuhen bewegen sich vor ihnen, greifen Pakete und sortieren sie in Körbe. Die Roboter von Neura Robotics beobachten die Menschen mit Hilfe von Kameras und ahmen deren Bewegungen nach. Das tun sie mal mehr, mal weniger gut. Zweck ist, Trainingsdaten zu erzeugen, mit denen die Roboter später eigenständig arbeiten können. Dabei kommt die sogenannte Computer Vision-Methode zum Einsatz, erklärt Lorenzo Masia, Professor für Intelligente Bio-Robotik-Systeme an der Technischen Universität München: „Hinter Computer Vision steckt eine Künstliche Intelligenz. Mit ihr versteht der Roboter die Körperhaltung der Person und übersetzt ihre Bewegungen in Bewegungen des Robotersystems.“
Roboter lernen durch Nachahmung vom Menschen
Diese Methode beruht vor allem auf Nachahmung. Wenn der Roboter genug Trainingsdaten und damit Wissen angesammelt hat, ist er in der Lage, dieses Wissen auch in anderen Szenarien anzuwenden. Er kann dann etwa auch Dinge in ganz anderen Situationen sortieren oder zusammenmontieren. Beispielsweise können so trainierte Industrieroboter dann nicht mehr nur Armaturenbretter in einen bestimmten Autotyp einbauen, sondern in verschiedene Autotypen. Das bedeutet, der Autoproduzent kann jederzeit die Produktionslinie umstellen, erklärt Achim Lilienthal, Professor für Wahrnehmung für intelligente Systeme an der TU München.
Roboter, die fühlen und sprechen
Bisher seien Roboter, etwa in der Autoindustrie, auf eine Aufgabe hin programmiert. Im RoboGym sollen Roboter nun so trainiert werden, dass sie flexibler einsetzbar werden, erklärt Lilienthal. Als Beispiel nennt er die Aufgabe, einen Schlüssel ins Schlüsselloch zu stecken. Es reiche nicht, den Schlüssel in eine bestimmte Position zu bringen und ihn dann nach vorn zu bewegen. Wie ein Mensch müsse ein Roboter wirklich darauf reagieren, wie sich der Schlüssel anfühlt, wenn er ins Schlüsselloch gleitet. Mit künftigen Robotern soll man zudem auch sprechen können oder sie per Prompt instruieren.
Globaler Wettlauf um großen Mengen guter Roboter-Daten
Weltweit läuft ein Wettlauf um gute Roboterdaten. Jan Peters, Professor für Intelligente Autonome Systeme an der Technischen Universität Darmstadt und nicht am RoboGym beteiligt, beschreibt ihn so: „Alle versuchen, diejenigen zu sein, die einen genügend großen Datensatz haben, und dass dann etwas Vergleichbares passiert wie bei ChatGPT. Dort war der Datensatz irgendwann so groß, dass man auf einmal einen Sprachagenten hatte, mit dem man kommunizieren konnte wie mit einem Menschen.“
Europa habe da gegenüber den USA und China sogar einen Vorteil, so Peters: Es gebe viele produktive Mittelstandsbetriebe, in denen hochwertige „Echtweltdaten“ entstanden seien. Achim Lilienthal pflichtet ihm bei: Vor allem Echtweltdaten seien entscheidend. Daher brauche man solche Trainingscentren wie das RoboGym. Lorenzo Masia ergänzt: Mit Videos könne eine Roboter zwar beispielsweise die Bewegung einer Hand beobachten und in Daten umwandeln, aber nicht lernen, wie viel Kraft zum Greifen nötig ist.
Chancen und Risiken der Roboter-Revolution
Masia sieht die Robotik als Antwort auf fehlende Arbeitskräfte in monotonen Jobs. Viele Tätigkeiten in der Industrie seien hochgradig repetitiv. Das heißt, sie wiederholen sich ständig, sind monoton und deshalb unattraktiv: „Wenn der Bediener durch ein Robotersystem ersetzt wird, wird die menschliche Präsenz immer gegeben sein, um zu überwachen, dass der Roboter auf die richtige Weise arbeitet.“
Zugleich warnen Experten aber auch vor Risiken. Jan Peters kann sich vorstellen, „dass ein ‚Bad Actor‘ unter Umständen eine ganze Fabrik lahmlegen und Roboter wilde Dinge tun lassen“ kann. Achim Lilienthal ergänzt, mit dem RoboGym habe man „einen Leuchtturm in Europa, der europäische Werte widerspiegelt“ und und mit dem man technologisch in der „ersten Liga“ mitspiele.

