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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Ukraine verbietet moskautreue ukrainisch-orthodoxe Kirche
Kultur

Ukraine verbietet moskautreue ukrainisch-orthodoxe Kirche

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 23. August 2024 14:51
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Angesichts des russischen Angriffskrieges hat das ukrainische Parlament nun die ukrainisch-orthodoxe Kirche verboten, den moskautreuen Teil der orthodoxen Kirche in der Ukraine. Der Gesetzentwurf war sehr umstritten, ging nun aber in letzter Lesung mit einer deutlichen Mehrheit im Parlament durch. 265 der 322 anwesenden Abgeordneten stimmten dafür. Offiziell heißt es, das Gesetz solle die geistliche Unabhängigkeit des Staates der Ukraine gewährleisten. Präsident Wolodymyr Selenskyj muss das Gesetz noch gegenzeichnen. „Ein unabhängiges Land, ein unabhängiges Volk muss auch spirituell unabhängig sein“, schreibt Selenskyj auf X (externer Link). Mit dem Gesetz verliere Moskau „einen weiteren Einflusshebel auf die Ukraine“.

Inhaltsübersicht
Zwei verschiedene orthodoxe Kirchen in der UkraineUnabhängige orthodoxe Kirche wirbt für ÜbertrittKritiker warnen vor einer weiteren Spaltung des Landes

Zwei verschiedene orthodoxe Kirchen in der Ukraine

Begründet wird das Kirchen-Verbot mit der Unterstützung des Moskauer Patriarchats für den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Dem ukrainischen Ableger dieser orthodoxen Kirche wird vorgeworfen, die Verbrechen gegen das ukrainische Volk zu rechtfertigen und mit Russland zusammenzuarbeiten. Neun Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes sollen Gerichte auf Antrag prüfen können, ob einzelne Religionsgemeinschaften mit Russland verbunden sind und sie gegebenenfalls verbieten.

In der Ukraine gibt es zwei verschiedene orthodoxe Kirchen. Auf der einen Seite gibt es die „ukrainisch-orthodoxe Kirche“, die sich als Teil des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchats versteht. Auf der anderen Seite gibt es seit der Unabhängigkeit der Ukraine von Russland in den 90er Jahren eine unabhängige „Orthodoxe Kirche der Ukraine“. Diese wird von der Regierung in Kiew unterstützt und war vor rund fünf Jahren von Bartholomaios I., dem Patriarch von Istanbul, dem Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche anerkannt worden. Auf X bekräftigte Selenskyj, „dass unser Staat die Orthodoxie in der Ukraine weiter stärken und einen offenen Dialog zwischen den Kirchen fördern möchte“.

Während die moskautreue „ukrainisch-orthodoxe Kirche“ zahlenmäßig die meisten Gemeinden hat, vertritt die unabhängige „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ die größere Zahl an Gläubigen. Im Mai 2022 hat sie die ukrainisch-orthodoxe Kirche zwar formal von der russischen Orthodoxie getrennt – die Glaubwürdigkeit der Trennung und die Loyalität mit dem ukrainischen Staat wird jedoch angezweifelt. Nun hat das ukrainische Parlament die ukrainisch-orthodoxe Kirche verboten.

Unabhängige orthodoxe Kirche wirbt für Übertritt

Das Oberhaupt der unabhängigen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“, Metropolit Epifanij, hat die Gläubigen der verbotenen moskautreuen Orthodoxie zum Übertritt aufgerufen. „Das Gesetz ermöglicht allen religiösen Strukturen, die dies noch nicht getan haben, sich vollständig von der Kontrolle Moskaus zu befreien“, sagte Epifanij im ukrainischen Nachrichtenfernsehen.

Moskau dagegen bleibt bei der Haltung, dass die Ukraine auch kirchlich weiterhin zu Russland gehöre. „Das Ziel ist, die zutiefst kanonische, wahre Orthodoxie zu vernichten“, sagte Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums. Der ukrainische Staat verletze das Recht seiner Bürger auf Religionsfreiheit, sagte die Chefin des Ausschusses für Kirchenfragen im russischen Parlament, Olga Timofejewa.

Kritiker warnen vor einer weiteren Spaltung des Landes

Westliche Partner warnen: Ein Verbot würde die religiöse Spaltung im Land weiter vertiefen. „Es führt zu einer gesellschaftlichen Stigmatisierung dieser gesamten Kirche, obwohl es auch eine sehr starke proukrainische Stimmung innerhalb der Kirche gibt“, sagt Regina Elsner, Professorin für Ostkirchenkunde und Ökumenik an der Universität Münster.

Offiziell hat sich die ukrainisch-orthodoxe Kirche vom Moskauer Patriarchat getrennt. „Diese Trennung wird nicht wirklich ernst genommen“, sagt Elsner, räumt aber ein, dass manche Bischöfe und Priester mit Russland zusammenarbeiten. Dafür werde nun die gesamte Kirche verantwortlich gemacht. Einzelne Geistliche sind schon jetzt zu Haftstrafen verurteilt worden, weil sie unter anderem Stellungen der ukrainischen Armee an den russischen Geheimdienst verraten hatten.

Der Kirchenstreit in der Ukraine brodelt schon seit Jahren und zeigt sich besonders an den Klöstern. Der ukrainische Staat versucht etwa schon länger, den Mönchen des ukrainisch-orthodoxen Höhlenklosters Gebäude um Gebäude wegzunehmen. Solche Schritte werden durch das neue Gesetz nun erleichtert. Auch im Mariä-Entschlafens-Kloster Potschajiw in der Westukraine werden Enteignungen befürchtet.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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