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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Unsympath und Genie: Der Jazzmusiker Miles Davis würde 100
Kultur

Unsympath und Genie: Der Jazzmusiker Miles Davis würde 100

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 26. Mai 2026 09:52
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Er war ein spröder Mensch: unnahbar, divenhaft, sperrig. Die Jazzkritik nannte ihn den „Prince of Darkness“. Zugleich hat er junge Musiker, auf deren Talent er etwas gab, nachgerade rührend unter seine Fittiche genommen und gefördert, Herbie Hancock zum Beispiel oder Keith Jarrett.

Inhaltsübersicht
Sein Sound: Schön, voll und rundIn späten Jahren von Drogen gezeichnet

Sein Sound: Schön, voll und rund

Miles Davis war vieles zugleich: Unsympath und Genie, Solitär und Teamplayer, Antirassismus-Aktivist, Junkie und Egozentriker mit stacheligem Bad-Boy-Appeal. Von sich selbst hat er – zu Recht – immer eine Menge gehalten.

Miles Davis und den Klang seiner Trompete erkennt man auf Anhieb, vor allem, wenn der Meister einen seiner geliebten „Harmon-Dämpfer“ in den Schallbecher gepfropft hat. Dann klingt es erst so richtig nach ihm. Stefan Hentz nennt das den „Miles-Davis-Sound“, der so „schön, voll und rund“ sei wie bei keinem anderen Trompeter.

Der Hamburger Jazzkritiker hat bei Reclam gerade eine lesenswerte Biografie über den Jazzmusiker vorgelegt. Über die relativ privilegierte Kindheit als Ärztespross in East St. Louis, die ersten Meriten, über den 18-jährigen Miles, der sich als Bebopper in New York an der Seite von Charlie Parker und Dizzy Gillespie einen Namen macht, und natürlich auch über das halbe Dutzend Jazz-Revolutionen, die der notorische Innovator angezettelt hat – von der Erfindung des Hardbop über Cool Jazz und Funkjazz bis hin zur Fusion-Music der 60er- und 70er-Jahre.

In späten Jahren von Drogen gezeichnet

Stefan Hentz spart auch die dunkleren, destruktiveren Seiten der Miles’schen Biographie nicht aus – die mehrjährige schwere Heroinsucht zu Beginn der 1950er-Jahre zum Beispiel. „Er war offenbar ein Mensch, der es nicht so recht raus hatte, kontrolliert mit solchen Dingen umzugehen“, so Hentz im Interview. „Auf jeden Fall hat er später ziemlich viel Kokain genommen. Er hat legale Drogen genommen, Alkohol, hat, ich glaube, kann man auch sagen, Sex als eine Art von Droge genutzt.“

So kaputt Miles Davis in späteren Jahren auch war, wenn der Jazzgott zur Trompete griff, schien all das wie weggeblasen. Zu Miles‘ Bewunderern zählt auch die Saxophonistin Karolina Strassmayer. Gar nicht mal technische Perfektion zeichne ihn aus, sagt sie im Interview, sondern dass seine Klänge „aus der Tiefe eines Menschen“ schöpften. „Das ist das, was uns heute noch bewegt. Und das wird uns hoffentlich auch in 100 Jahren noch bewegen.“

Vom Bebopper der 40er zum anschmiegsamen Pop-Jazzer der späten 80er-Jahre: Miles Davis hat einen weiten Weg zurückgelegt in seinem insgesamt nur 65 Jahre währenden Leben. Heute, dreieinhalb Jahrzehnte nach seinem Tod, liegt es an einer jüngeren Generation, „Miles“ wieder neu für sich zu entdecken. Der Großmeister der Coolness klingt immer noch erfrischend jung.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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