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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Immortals“: Ein Film über Bagdads Jugend
Kultur

„Immortals“: Ein Film über Bagdads Jugend

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 26. Mai 2026 09:52
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Bagdad 2019: Auf dem Tahrir-Platz herrscht Volksfeststimmung. Junge Menschen spielen Volleyball, Hip-Hopper und Breakdancer teilen sich die Betas, gleich daneben: ein Sitzstreik der irakischen Anwaltsgewerkschaft und das Banner einer Studentenvereinigung. Das Logo: ein Bleistift in einer Faust. Cut. Bagdad 2022: Der Tahrir-Platz ist ein Kreisverkehr – außen Autos, innen Leere.

Inhaltsübersicht
Eine Jugend in PerspektivlosigkeitEin Dokumentarfilm als Nacherzählung

Von Anfang an ist klar, dass „Immortals“ nur das kurze Aufbäumen einer Hoffnung zeigen kann, eine Art „Zeit des Erwachens“. Und doch hat sich die Schweizer Regisseurin Maja Tschumis dazu entschieden, diesen Film zu machen: Weil schon die Erinnerung an die Hoffnung neue Hoffnung in sich birgt.

Eine Jugend in Perspektivlosigkeit

Im Zentrum ihres Films stehen Milo und Khalili – zwei junge Menschen, die versuchen, in einem repressiven Alltag ihre Würde zu bewahren. Beide sind sehr verschieden, aber in einem sind sie sich einig: Eine Jugend in Bagdad fühlt sich an, als stünde man am Abgrund und könnte jeden Moment herunterstürzen. Es ist das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Milo nimmt als feministische Aktivistin an den Protesten teil.

Teil der Revolution gewesen zu sein, sei das Beste in ihrem Leben gewesen, erzählt sie. Milo ist keine Frau mit langen Haaren, feminine Kleidung ist auch nicht so ihrs … Doch die Teilnahme an den Protesten muss sie teuer büßen: Ein ganzes Jahr lang wird sie von ihrer Familie eingesperrt, ihre Bücher, Kleider und vor allem Ausweispapiere wurden verbrannt. „Sie verbrannten nicht nur Dinge, sondern meine Identität“, sagt sie im Film. Jetzt schleicht sie sich in den Sachen ihres Bruders aus dem Haus und erlebt so, wie es ist, sich als Mann durch die Welt zu bewegen.

Der zweite Protagonist ist Khalili. Nach einer schwierigen Kindheit hat er das Filmen für sich entdeckt. Ein erster Erfolg mit einem Werbevideo für Socken zeigt ihm, wie es ist, nicht übersehen zu werden, nur weil man vielleicht nicht der Stärkste ist. Er begleitet die Proteste auf dem Tahrir-Platz mit der Kamera. Seine Aufnahmen der Straßenschlachten sind heftig: Hetzjagden durch die Gassen, Schüsse und Tränengasgranaten durch die Kämpfer der Regierung, TukTuk-Fahrer, die Verwundete transportieren. Aber auch Freudentaumel und Momente der Solidarität, denn irgendwann liegt Khalili selbst getroffen am Boden.

Ein Dokumentarfilm als Nacherzählung

Das Besondere an „Immortals“ ist die hybride Form des Films. Maja Tschumi verbindet dokumentarisches Material mit nachgestellten Szenen. Wobei es nicht um kleine Szenen geht, im Grunde ist der ganze Film nachgestellt. Das ist anfangs etwas verwirrend: Man weiß, dass es ein Dokumentarfilm ist, dass es Milo und Khalili wirklich gibt, man hört ihre Stimmen, wie sie sehr persönlich und eindringlich von ihren Gefühlen erzählen. Dazu das authentische Setting: Gedreht wurde in Bagdad, kaum eine Wand, die hier nicht kugelzerklüftet wäre.

Aber man sieht das alles in Kino-Qualität: Beleuchtung, Bildkomposition, Ton – alles ist perfekt inszeniert und die Schauspielerinnen so gut, dass man immer wieder unsicher ist, was hier eigentlich echt ist und was nachgestellt wurde.

„Immortals“ hat viele Stärken: den inneren Kampf der Protagonisten mit dem repressiven Alltag in einem schwankenden Staat und umso festeren Familienstrukturen, die Emotionen der jungen Menschen, ihre Hoffnungen, ihre Belastung, ihre Angst vor einer islamistischen Regierung. All das ist alles in allem gut erfasst. Manches bleibt aber zu vage, historische und politische Fakten sind – gerade für ein jüngeres Publikum ohne Vorkenntnisse – zu spärlich gesät. Trotzdem nimmt der Film mit ins Innerste zweier junger Menschen aus dem Irak, das ist selten genug der Fall.

Drei Jahre nach den gescheiterten Protesten ist Khalili wieder unterwegs. Diesmal filmt er die islamistischen Sadristen, die im Juli 2022 das Parlament stürmen. Die politischen Machtkämpfe im Irak dauern an, aber von einer freiheitlichen Gesellschaft, in der Milo und Khalili akzeptiert würden, wie sie sind, ist das Land weit entfernt.

„Immortals – Bagdads Jugend erhebt ihre Stimme“: Ab sofort im Kino.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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