Das Sommerfestival Rosenheim hat sich zu einem bemerkenswerten Kulturereignis entwickelt. An die 60.000 Besucher kommen an sechs Konzertabenden nach Rosenheim, einer Stadt mit gerade einmal 65.000 Einwohnern.
Noch beeindruckender ist der Promistatus der Gäste: Ein Weltstar wie Sting, Kultbands wie Santana und ZZ Top, dazu die Scorpions, Status Quo oder Foreigner, aber auch jüngere Musiker wie Shaggy oder Anastacia – alles internationale Stars, die sich wahrlich aussuchen können, wo sie auftreten, und die offensichtlich gern in die Stadt nach Oberbayern gekommen sind.
Auch in diesem Jahr tritt mit Jason Derulo am 14. Juli ein absoluter Top-Act auf. Die Kultband Kool & the Gang („Celebration“, „Ladies‘ Night“) wird am 18. Juli in Rosenheim gar ihren einzigen Gig in diesem Jahr in Deutschland spielen. Hinzu kommen Peter Maffay und Sarah Connor, zwei der bekanntesten Deutschen im Musikgeschäft, sowie Edmund und Rian aus Österreich. Doch wie schaffen die Veranstalter das? Warum kommen die Stars ausgerechnet nach Rosenheim?
Internationale Stars in Rosenheim
„Unser Geheimnis ist eigentlich ganz einfach: Wir bieten Künstlern ein Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen, professionell arbeiten können und gleichzeitig die besondere Nähe zum Publikum spüren“, sagt Florian Englert, Geschäftsführer der Rosenheim Event GmbH. „Unsere Strukturen sind über viele Jahre gewachsen, Managements und Agenturen kennen uns – und wissen, dass wir liefern.“
Kurz gesagt: Die Künstler kommen, weil die Qualität stimmt: Das Team arbeitet professionell, das Publikum ist begeisterungsfähig, Bühne und Technik sind top.
Die Größe der Stadt ist für Künstler normalerweise irrelevant, wichtig ist allein, dass es genug Ticketkäufer gibt. Rosenheim hat zwar nur rund 65.000 Einwohner, doch das Einzugsgebiet umfasst mit Oberbayern, Tirol und dem Salzburger Land weit über eine Million Menschen. Und die Kaufkraft stimmt auch: Die Region Oberbayern – Salzburg – Tirol gehört zu den kaufkräftigsten im deutschsprachigen Raum.
Lage als großer Vorteil
Wichtig für ein Festival sind außerdem Lage und Anfahrt: Das Festivalgelände liegt im Mangfallpark Süd, nur wenige Minuten von der Altstadt entfernt. Das Gelände entstand für die Landesgartenschau 2010. Schon damals stand dort eine Konzertbühne.
Ein absolutes Plus ist die Anfahrt: Rosenheim liegt direkt an der Autobahn A8 München–Salzburg und an der A93 Richtung Kufstein/Inntal. Aber auch per Bahn ist das Gelände gut erreichbar. Vom Bahnhof Rosenheim sind es nur zehn Minuten zu Fuß. Vom Münchner Hauptbahnhof fahren Züge im Halbstundentakt, auch aus Salzburg, Kufstein und Innsbruck gibt es direkte Bahnverbindungen.
Das alles könnte man Glück nennen, doch auch beim Konzept hat das Festivalmanagement einiges richtig gemacht: In Rosenheim setzt man auf wenige, aber starke Namen. Statt 50 Acts zu buchen, konzentriert sich das Festival auf sechs Konzertabende. Dadurch kann ein größerer Teil des Budgets in einzelne Headliner fließen.
Jeder Abend ist ein eigenes Konzert
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Festivals liegt im Ticket-Management. Bei anderen großen Open-Air-Festivals wie Rock am Ring, Hurricane, Southside oder Wacken Open Air kauft man normalerweise eine Festivalkarte für mehrere Tage (wobei es auch dort manchmal Tageskarten gibt). In Rosenheim aber hat jeder Abend einen Hauptact, für den man ein Einzelticket kaufen kann. Dadurch lässt sich für einen Topact mehr Geld einspielen. Es gibt zwar auch Festivalpässe für alle Abende, trotzdem ähnelt das Sommerfestival eher einer Open-Air-Konzertreihe.
2015 wurde die Bestuhlung abgeschafft und auf reine Stehplatzkonzerte umgestellt. Dadurch konnten deutlich mehr Besucher auf das Gelände. Damit gelang der Durchbruch: Das Festival wechselte in eine neue Größenordnung – mit Acts wie Andreas Bourani und den Fantastischen Vier.
Zum Erfolgsrezept gehört aber auch eine gute Prise Ausdauer. Nicht jeder Künstler lässt sich sofort überzeugen – manchmal braucht es mehrere Anläufe, Gespräche und den richtigen Moment. Für die Künstlerauswahl ist deshalb eine eigene Bookerin zuständig. Geschäftsführer Englert: „Manchmal braucht es auch Ausdauer, um einen internationalen Star nach Rosenheim zu holen. Aber wenn sie dann hier sind, merken sie sofort, warum dieses Festival etwas Besonderes ist.“

