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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > 73 Mio. Euro pro Hitzetag: So schmilzt die bayerische Wirtschaft
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73 Mio. Euro pro Hitzetag: So schmilzt die bayerische Wirtschaft

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 14. Juli 2026 09:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Als Norbert Kees das Telefon abhebt, kommt er gerade von draußen ins Büro herein. Damit ist dem Schwitzen vorerst ein Ende gesetzt, Klimaanlage sei Dank. Aber der Geschäftsführer eines Bauunternehmens im oberbayerischen Fuchstal ist gelernter Maurer und kennt die Arbeit unter freiem Himmel gut: „Ich weiß, was es bedeutet, bis auf die Unterhose nassgeschwitzt zu sein“, erzählt er.

Inhaltsübersicht
Weniger Produktivität, dafür mehr Ausfälle und UnfälleVolkswirtin: „Es leiden alle“Das bisschen Hitze ist doch halb so wild?Was tun gegen die Hitze?

Kees hat schon alles Mögliche probiert, um seine Mitarbeiter auf den Baustellen zu schützen: UV-Shirts, Sonnencreme und regelmäßige Erinnerungen, eine Kopfbedeckung zu tragen. All das kann aber nicht verhindern, dass sich die zunehmende Hitze auch wirtschaftlich bemerkbar macht. „An heißen Tagen ist die Arbeitsleistung um zehn bis 15 Prozent reduziert“, schätzt Kees.

Weniger Produktivität, dafür mehr Ausfälle und Unfälle

Dieser Effekt ist auch im Großen messbar. Das Forschungs- und Beratungsunternehmen „Prognos“ hat im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) die Auswirkungen der Hitze auf die deutsche Wirtschaft errechnet und für BR24 auf Bayern runtergebrochen: Demnach kostet jeder Hitzetag – also jeder Tag mit Temperaturen über 30 Grad – die bayerische Wirtschaft rund 73 Millionen Euro. Das beinhaltet allerdings nur die Kosten, die durch reduzierte Produktivität, Arbeitsausfälle und Arbeitsunfälle entstehen. Erhöhte Ausgaben im Gesundheitswesen etwa oder hitzebedingte Reparaturen an Straßen und Schienen sind nicht berücksichtigt.

Volkswirtin: „Es leiden alle“

Prognos zufolge sind allen voran Berufsgruppen betroffen, die körperlich anspruchsvolle Arbeit im Freien verrichten. Doch insgesamt treffe die Hitze alle Berufsgruppen, sagt Katharina Utermöhl von Allianz Trade, „auch die Büroangestellten“. Die Volkswirtin hat gemeinsam mit Kollegen 30 Grad als Kipppunkt definiert. „Darunter haben wir sogar leichte Produktivitätsgewinne beobachtet“, so Utermöhl, „aber ab 30 Grad dreht sich diese Kurve stark ins Negative“.

Pro zusätzlichem Grad sinke die Produktivität um etwa drei Prozent, heißt es in einer Studie der Allianz Trade. Gleichzeitig stiegen die Energiekosten für die Klimatisierung. Ausgehend von den fünf heißesten Jahren der letzten Dekade haben die Forscher von Allianz Trade errechnet, dass der deutschen Wirtschaft bis 2030 Verluste von über 110 Milliarden Euro drohen. Das berücksichtige bereits, dass einige auch von den hohen Temperaturen profitierten, bestätigt Utermöhl, beispielsweise Klimaanlagenhersteller.

Das bisschen Hitze ist doch halb so wild?

Aber woran liegt es eigentlich, dass Menschen bei zunehmender Hitze weniger leistungsfähig werden oder im Extremfall gar nicht mehr arbeiten können? „Kognitive Leistungen können beeinträchtigt sein, wenn ein Mensch durch Dehydrierung etwa zwei Prozent seines Körpergewichts verliert“, sagt Katharina Lechner, die bei Helmholtz Munich zu gesundheitlichen Umweltrisiken forscht. Betroffen sein könnten beispielsweise Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit. Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit könnten zusätzlich als Symptome von Hitze oder Flüssigkeitsmangel auftreten.

Zusammen mit der unmittelbaren körperlichen Hitzebelastung könne dies die Produktivität senken und das Risiko für Arbeitsunfälle erhöhen. Auch hohe nächtliche Temperaturen spielten eine Rolle: „Wer in einer stark aufgeheizten Dachgeschosswohnung schlafen muss, kann sich schlechter erholen und ist am nächsten Tag möglicherweise weniger leistungsfähig.“

Was tun gegen die Hitze?

Eine kurzfristige Lösung wäre natürlich der Einbau neuer Klimaanlagen. Laut Allianz Trade sind in Europa derzeit nur etwa 19 Prozent der Haushalte klimatisiert. Doch das würde wiederum die Energiekosten in die Höhe treiben. Langfristig müsse man also von Ländern lernen, die besser an die Hitze akklimatisiert seien, so Utermöhl. Sie fordert aber vor allem, das Thema ernst zu nehmen: „Das ist im Grunde Standortpolitik“, sagt sie. „Wir müssen die Hitze als strukturelles Risiko begreifen, ansonsten werden die Anpassungsmaßnahmen eben immer zu klein und zu spät ausfallen.“

Bauunternehmer Norbert Kees glaubt, dass Baustellen künftig anders aussehen könnten, damit die Mitarbeiter vor Witterung geschützt sind: „Die Zukunft wird bringen, dass wir die gesamte Baustelle unter eine Zelthalle stellen“, sagt er. Das müsse zwar kompatibel sein mit den Kränen. Aber unter einem Zeltdach könnten die Bauarbeiter wenigstens unabhängig von Tageszeit und Wetter arbeiten. Bis es soweit ist, bleiben den Bauarbeitern nur die kühlen Morgenstunden, wenn der überwiegende Rest von Bayern noch schläft.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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