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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Wo der Westen der Osten ist: Steffen Kopetzkys „Harzreise“
Kultur

Wo der Westen der Osten ist: Steffen Kopetzkys „Harzreise“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 9. Juni 2026 09:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Heinrich Heine, Wein aus dem Zahnputzbecher, Ibu 800, Schnee im August und ein AfD-Infostand: Es ist schon erstaunlich, was Steffen Kopetzky mühelos in seiner „Harzreise“ zusammenbringt, aber der Harz hat es nun mal in sich, weiß der Autor: „Der Harz ist ein kleines Mittelgebirge, auf engstem Raum hat man dort aber so eine Art von Intensiv-Lehrpfad der deutschen Geschichte. Man hat das alte Reich, also man sieht dort die alten Burgen und die alten Silber- und Goldminen, wo die Kaiser ihr Gold und ihr Silber rausgeholt haben. Man sieht aber eben auch die ehemalige deutsche Grenze. Man stößt hier also auf die deutsche Geschichte wie en miniature.“

Inhaltsübersicht
Auf Heines SpurenDer Brocken: Vom Hexentreffpunkt zum SperrgebietWertfreie Beobachtung der Menschen

Auf Heines Spuren

200 Jahre nach Heinrich Heine folgt Steffen Kopetzky dessen Route: Von Göttingen geht er über Osterode, Clausthal, Goslar und Wernigerode bis ins Bodetal mit dem sagenumwobenen Thale. Heute reiht sich auf dieser Strecke ein touristisches Highlight ans andere: von Teufelsmauer, Rosstrappe und Hexentanzplatz über gigantische Talsperren mit einer der längsten Hängebrücken der Welt bis zu Naturwundern wie den Rübeländer Tropfsteinhöhlen.

Der Brocken: Vom Hexentreffpunkt zum Sperrgebiet

Und mittendrin: der Brocken. Mit 1142 Metern wird er im Süden gern übersehen, aber als höchster Berg Norddeutschlands ist er doch so herausragend, dass hier Orkane an der Tagesordnung und Schnee im August keine Seltenheit sind. Der Brocken ist DER Blocksberg, auf dem die Hexen tanzen, bis 1989 war er zudem absolutes Sperrgebiet, die Rote Armee hatte dort ihren westlichsten Stützpunkt.

Vom sagenumwobenen Harzer Märchenwald ist mitunter nicht mehr viel zu sehen. Trockenheit, Stürme und Borkenkäfer haben die bergbaubedingte Fichten-Monokultur vor einigen Jahren wortwörtlich zu Fall gebracht. „Es sieht teilweise aus wie auf einem anderen Planeten, wo man eben sehen kann, wie fragil unsere von den Menschen ja so stark beeinflussten Ökosysteme mittlerweile geworden sind“, erzählt der Autor. Immerhin, ein gesunder Mischwald aus Buchen, Ahorn und Ebereschen lugt aus dem Grau der abgestorbenen Monokultur schon wieder hervor.

Wertfreie Beobachtung der Menschen

Doch Steffen Kopetzkys „Harzreise“ ist keine Wegbeschreibung mit Gastrotipps und historischen Einlagen. Der Autor hat nicht nur die Route, sondern auch das Konzept Heines übernommen: Es geht ihm um die Menschen. Mit wachem Blick und offenem Herzen nähert sich der Wander-Erzähler Landschaft und Menschen, beobachtet, fragt nach und beschreibt, ohne zu werten.

Schwurbelnde Rentner, Ausländerfeindlichkeit, Politikverdrossenheit: Das sind aktuelle Probleme, wie es sie überall gibt. Gleichzeitig scheint die Zeit im Harz stehengeblieben: Es gibt tatsächlich noch Internetcafés und Hotels mit Raucherzimmern und Kegelbahnen, mit Kreditkarte zahlen kann man hingegen fast irgendwo. Doch gerade deshalb ist Kopetzkys „Harzreise“ ein sehr gegenwärtiger Text: So ist er, der Harz 2025!

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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