Es ist 9 Uhr morgens, Björn sitzt am Schreibtisch und korrigiert Fehler. Allerdings nicht als Lehrer, sondern als Flugsicherungsingenieur in München. Seine Aufgabe: Jeden Mangel, den Fluglotsen an einem neuen Update für ihr Steuersystem melden, zunächst zu notieren und anschließend zu beheben. Ein Job voller Verantwortung, mit dem Björn sicherstellt, dass im Tower alles reibungslos läuft. Denn die Systeme, an denen Björn arbeitet, sind die Grundlage der Arbeit jedes Fluglotsen.
Was passiert, wenn die Flugsicherung versagt, zeigte erst kürzlich ein Vorfall in Großbritannien, bei dem ein technischer Systemausfall bei der britischen Flugsicherung (NATS) zu mehr als 1.000 Flugausfällen und Verspätungen führte.
Nervenaufreibender AIRAC
Björn arbeitet im Schichtsystem: Alle 28 Tage begleitet er während der Spätschicht den entscheidenden AIRAC, die weltweit koordinierte Aktualisierung wichtiger Luftraumdaten. Der AIRAC findet weltweit am selben Tag statt. Während der Flugverkehr weiterläuft, werden dabei alle für Piloten und Fluglotsen relevanten Systeme auf den neuesten Datenstand gebracht. Denn Luftfahrtdaten ändern sich ständig – von Lufträumen und Routen über Navigationsanlagen bis hin zu Start- und Landebahnen. „Mein erster AIRAC war schon nervenaufreibend“, erzählt Björn.
Von Windhoek nach München
Björn hat zwar deutsche Wurzeln, wuchs aber in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia, auf. Er machte sein Abitur an einer deutschen Schule. Dort kam bei ihm der Wunsch auf, nach Deutschland zu ziehen und hier ein Studium anzufangen. „Und dann einfach gucken, wie es läuft“, erzählt Björn. Die Entscheidung hat er nicht bereut. Nach seinem Bachelor in Informatik bewarb er sich bei seiner jetzigen Arbeitsstelle. Parallel dazu machte er an der Bundeswehr-Universität in München einen berufsbegleitenden Master in Systems Engineering. Das hat ihn an der zivilen Fakultät 18.500 Euro für 2,5 Jahre Studiendauer gekostet. Die Studienkosten konnte er vor Kurzem abbezahlen.
Bedrohungslage für kritische Infrastruktur
Björns Arbeit ist ein Grundbaustein für den gesamten Flugverkehr. Linienfliegen gilt dabei als sehr sicher. So registrierte der Dachverband der Fluggesellschaften, die IATA, beispielsweise 2024 bei 40,6 Millionen Flügen lediglich sieben tödliche Unfälle.
Gleichzeitig sind Flughäfen Teil der kritischen Infrastruktur (KRITIS) und vermehrt Bedrohungen ausgesetzt. So hat die Zahl der Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen in diesem Jahr deutlich zugenommen. Aktuell werde KRITIS-Betreibern jedoch eine eigene Abwehr erschwert, kritisiert unter anderem Netzbetreiber Amprion. Und auch die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern fordert aufgrund der Bedrohungen zusätzliche Schutzmaßnahmen: einfachere Genehmigungsverfahren, eine Bündelung von Behördenzuständigkeiten und einen zentralen Ansprechpartner für Unternehmen, deren Infrastruktur besonderen Schutz benötigt.
Was verdient ein Flugsicherungsingenieur?
Björn ist bei der Deutschen Flugsicherung am Standort München angestellt. Er verdient ein Grundgehalt in Höhe von 9.353 Euro brutto. Von seinem Grundgehalt gehen 40 Euro in vermögenswirksame Leistungen. Der Arbeitgeber bezuschusst seine private Krankenversicherung. Schlussendlich bleiben Björn 8.684 Euro brutto, monatlich 5.129 Euro netto.
Im Jahr 2025 hatte er ein Jahresbrutto von 123.478 Euro. Björn hat mittlerweile gelernt, mit seiner großen Verantwortung umzugehen. Sein Gehalt findet er sehr gut – monatlich spart er 953 Euro auf einem Langzeitkonto. Damit kann er sich längere Auszeiten vom Job nehmen. Diesen Vorteil nutzt er, um in Zukunft für längere Zeit in seine Heimat Namibia zurückkehren zu können.

