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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Regionale Standortpolitik in Bayern: Hier funktioniert’s
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Regionale Standortpolitik in Bayern: Hier funktioniert’s

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 21. Mai 2026 09:50
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Für Anton Kunz kam die Nachricht etwas überraschend: Der Landkreis Tirschenreuth hat im bundesweiten Standortvergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft Platz 3 erreicht – hinter dem Landkreis und der Stadt München: „Da sind wir natürlich stolz und glücklich, diese Platzierung erreicht zu haben“, sagt Kunz, der für die Wirtschaftsförderung in Tirschenreuth verantwortlich ist. Auch seiner Arbeit hat Tirschenreuth den Erfolg zu verdanken.

Inhaltsübersicht
Was Tirschenreuth erfolgreich machtStandortfaktor BildungBauvorhaben: „Geschwindigkeit ist entscheidend“Anknüpfen an regionale StärkenHightech-Agenda und KI-Lehrstühle für WürzburgEs kommt auf die Menschen an

Denn die gute Platzierung des Landkreises in der Oberpfalz ist kein Zufall, sondern auch Folge strategischer Wirtschaftsförderung, sagt Studienautorin Vanessa Hünnemeyer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft.

Was Tirschenreuth erfolgreich macht

Demnach kommen in Tirschenreuth mehrere positive Faktoren zusammen: Eine breite Basis mit Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen (unter anderem mit dem Weltmarktführer für Straßenwalzen, der Hamm AG) und eine hohe „Wertschöpfungstiefe“. Soll heißen: In der Region findet nicht mehr nur einfache Produktion statt, vielmehr haben Unternehmen hier zunehmend auch Forschungs- und Entwicklungsabteilungen angesiedelt.

Standortfaktor Bildung

Beispiel Siemens Healthineers: Die 2017 ausgegliederte Medizintechniktochter von Siemens hat ihren Standort Kemnath zum Kompetenzzentrum für Mechatronik entwickelt. Azubis aus ganz Deutschland werden im neuen „Education and Development Center“ ausgebildet. Fachkräfte sind ein entscheidender Faktor für Standortentscheidungen, bestätigt Johannes Waldhör, der Leiter des Standorts.

Und hier komme die Politik ins Spiel. Waldhör nennt beispielhaft den Bau einer neuen Realschule in Kemnath sowie die Zusammenarbeit mit der TU Deggendorf sowie der Hochschule in Amberg-Weiden für einen Campus Kemnath, in dem es um unternehmerisches Handeln geht.

Bauvorhaben: „Geschwindigkeit ist entscheidend“

Aber auch die gute Zusammenarbeit mit der kommunalen Verwaltung helfe bei Standortentscheidungen. Aktuell wird in Kemnath eine neue Produktionshalle gebaut – Geschwindigkeit sei dafür entscheidend, sagt Waldhör. Dafür seien Vertreter von Unternehmen und Kommune im ständigen Austausch.

Das entspricht auch der Philosophie von Wirtschaftsförderer Kunz. Er verweist auf eine 2024 durchgeführte Befragung von Unternehmen, aus denen der Landkreis Tirschenreuth dann ein Maßnahmenpaket entwickelt habe, das Stück für Stück abgearbeitet werde. Denn: Die eine, alles entscheidende Maßnahme, mit der Standortentscheidungen positiv beeinflusst werden könnten, gebe es nicht; vielmehr müssten immer verschiedene Puzzleteile zusammenkommen, so Kunz: von der Fachkräftesicherung über schnelle Genehmigungsverfahren bis hin zu attraktiven Gewerbesteuersätzen. Die werden freilich von anderen Kommunen schon mal kritisch gesehen, Stichwort Gewerbesteueroase.

Anknüpfen an regionale Stärken

Das eine Erfolgsrezept, das für alle gilt, gibt es nicht, bestätigt auch Wirtschafts-Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) – Standortpolitik müsse immer an regionale Stärken anknüpfen: „Wir schauen, dass wir möglichst zielgenau mit den Leuten vor Ort passende Konzepte entwickeln.“ Das habe sich als erfolgreich erwiesen – wie eben in Tirschenreuth.

Hightech-Agenda und KI-Lehrstühle für Würzburg

Doch auch andere Regionen in Bayern gehören im Standortvergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft zu den Gewinnern. Studienautorin Vanessa Hünnemeyer nennt beispielhaft die Stadt Würzburg, die im aktuellen Ranking Platz 70 erreicht und damit neben Tirschenreuth mit zu den größten Aufsteigern gehört: „Die gute Entwicklung der Stadt Würzburg in den vergangenen zehn Jahren ist nicht einfach zufällig entstanden, sondern wurde gezielt durch staatliches Handeln unterstützt, etwa durch die Hightech Agenda Bayerns und Investitionen in KI-Forschung.“

Es kommt auf die Menschen an

Erfolgreiche Regionalpolitik, so die Schlussfolgerung, funktioniere da am besten, wo gute staatliche Rahmenbedingungen wie in der Bildungspolitik auf engagierte Politiker und Verwaltungen vor Ort treffen. Hünnemeyer spricht von „people’s business“: Viel hänge einfach davon ab, ob Menschen vor Ort an ihre Region glauben, zusammenarbeiten, sich Chancen erarbeiten und diese auch aktiv nutzen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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