Vincent Nack ist 19 Jahre alt und hat gerade seine Abiturprüfungen bestanden. Der junge Mann aus dem oberbayerischen Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat viel erlebt in den vergangenen Wochen. Denn er hat nicht nur seine Hochschulreife bestanden, sondern auch beim 61. Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ den Preis der Bundesforschungsministerin, Dorothee Bär (CSU), für die innovativste Arbeit gewonnen.
Außerdem hat ihm die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zusätzlich den Europa-Preis verliehen – zusammen mit einer Einladung, Deutschland zusammen mit anderen jungen Talenten im September beim „European Union Contest for Young Scientists“ in Kiel zu vertreten. Denn Vincent hat etwas entwickelt, das vielen Menschen helfen könnte: ein KI-System, das Telefonbetrüger am Festnetz in Echtzeit stoppen soll.
Trickbetrug richtet weltweit Milliardenschäden an
Telefonbetrug ist kein Kavaliersdelikt: 2023 haben in Bayern Trickbetrüger 24 Millionen Euro mit betrügerischen Telefonanrufen erbeutet. Allein in München beziffert sich der Schaden 2025 auf über sechs Millionen Euro. Weltweit sind es Milliarden, sagte Vincent Nack dem BR.
Besonders ältere Menschen werden Opfer von Schockanrufen, etwa dem sogenannten Enkeltrick, bei dem sich Betrüger als Familienmitglieder ausgeben oder sogar als falsche Polzisten oder Bankmitarbeiter. Sensibilisiert wurde Vincent für das Thema, weil seine Großeltern schon mehrfach von Trickbetrügern angerufen wurden. Zum Glück, ohne Schaden anzurichten.
Minicomputer soll helfen, Trickbetrüger zu stoppen
Sein Minicomputer soll jetzt helfen, Trickbetrüger zu stoppen. Vincent Nack hat einen Minirechner entwickelt, den man zu Hause an den Router anschließen kann. Der Rechner zeichnet die Gespräche auf, wandelt sie in Echtzeit in einen Text um und schickt diesen an ein KI-Sprachmodell. Wenn das KI- Modell dann einen Betrug erkennt, kann der Minicomputer sofort reagieren. Er kann das Gespräch selbstständig beenden, Angehörige über SMS informieren oder auch einen Warnton über einen Lautsprecher abgeben.
Das System arbeitet mit zwei KI-Schichten: Ein kleines, von Vincent selbst trainiertes Modell filtert zunächst vor, was verdächtig wirkt. Dahinter schaltet sich ein großes Sprachmodell ein, das die eigentliche Analyse übernimmt. Die Trainingsdaten hat Nack größtenteils künstlich erzeugt – mithilfe anderer KI-Systeme, die auf Basis echter Polizeiinformationen und abgewandelter realer Dialoge Betrugsgespräche generiert haben. Verifiziert hat er das System unter anderem mit echten Gesprächsmitschnitten, die er von der Polizei erhalten hat.
Polizei will mit Vincent zusammenarbeiten
Für die Zukunft ist eine Kooperation zwischen Vincent Nack und der Polizei München angedacht, bei der das neue KI-System mithilfe von Polizeidaten und -Expertise weiterentwickelt werden soll. Dass Nack für eine Erfindung bei „Jugend forscht“ ausgezeichnet wird, ist nicht das erste Mal: 2022 hat er bereits mit einem Notbremsassistenzsystem für Fahrräder am Bundeswettbewerb teilgenommen und – wie dieses Jahr – im Fachgebiet Arbeitswelt gewonnen.
Für seine aktuellen Minicomputer hat er noch einen weiteren Preis gewonnen, den Startup Teens Award. Das Preisgeld von insgesamt 9.000 Euro hat er für eine mögliche Unternehmensgründung gespart. Denn seine aktuelle Erfindung funktioniert derzeit nur auf dem Festnetz, langfristig soll das System aber auch als App auf dem Handy laufen. Und wenn alles gut geht, soll der Mini Computer in einem Jahr auf dem Markt sein.

