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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Gefährliche Selbstoptimierung: Testosteron als Lifestyle-Booster
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Gefährliche Selbstoptimierung: Testosteron als Lifestyle-Booster

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 25. Mai 2026 11:49
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Extreme Müdigkeit, wenig Lust auf Sex oder schwindende Muskelkraft? Diverse Plattformen und Accounts, die sich im Internet und auf Social Media im weitesten Sinne mit Männergesundheit beschäftigen, legen nahe, Grund für diese Beschwerden könnte ein Testosteronmangel sein. Um das abzuklären, solle man einen Selbsttest für zuhause bestellen oder eine Online-Sprechstunde buchen und sich zum Thema Testosteron-Ersatztherapie – kurz TRT – beraten lassen.

Inhaltsübersicht
Was Testosteron bewirkt und wann man Testosteron ersetzen sollteWie sich Testosteronmangel äußern kannTestosteron-Ersatztherapie: Gefährliche Selbstoptimierung?Gefährliche Nebenwirkungen: Unfruchtbarkeit, Thrombosen, HerzinfarktTestosteron: Verordnungen in Deutschland deutlich gestiegenTestosteron für Frauen zur Behandlung von Libidoverlust in den Wechseljahren?Experten empfehlen dringend ärztliche Beratung

Wie seriös sind diese Angebote? Was bewirkt Testosteron, gibt es einen Testosteronmangel bei Männern überhaupt – und wie sinnvoll oder riskant ist es, Testosteron zu steigern?

Was Testosteron bewirkt und wann man Testosteron ersetzen sollte

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Es beeinflusst Libido, Knochenstoffwechsel, Muskelaufbau, Blutbildung und Herz-Kreislauf-System. Ein echter Mangel kann deshalb ernste Folgen haben, etwa Osteoporose, Blutarmut, reduzierte Muskelkraft oder Libidoverlust.

Haiko Schlögl vom Universitätsklinikum Leipzig betont aber: „Ersatz heißt ja, dass etwas fehlt. Wir ersetzen Testosteron nur dann, wenn wir einen Mangel haben, den wir laborchemisch nachweisen, und wenn wir auch klinisch Symptome eines Mangels sehen.“

Wie sich Testosteronmangel äußern kann

Zwar sind das durchaus die Symptome, mit denen auch online Angst gemacht wird: Müdigkeit, Libidoverlust, schlechter Schlaf oder weniger Muskelkraft. Allerdings sind diese Anzeichen möglicherweise ein Hinweis auf die Ursache des Testosteronmangels, nicht die Folge davon, betont der Münchner Endokrinologe Günter Stalla: So sei der Wert stark von Schlafqualität, Stress oder Gewichtsmanagement abhängig. „Der Haupttreiber ist das Übergewicht: Je größer meine Fettmasse ist, desto geringer ist der Testosteronwert“, erklärt der Professor. Da müsse man als erstes ansetzen. „Wir behandeln ja Lebensqualität und nicht einen Laborwert.“

Testosteron-Ersatztherapie: Gefährliche Selbstoptimierung?

In den sozialen Medien wird die Ersatztherapie häufig aber nicht als Behandlung einer Erkrankung präsentiert, sondern als Werkzeug für mehr Leistungsfähigkeit. Auch wenn man innerhalb der Referenzwerte liege, könne es sein, dass man nicht „das eigene Optimum“ erreicht habe. Damit sei die Zielgruppe dieser Botschaften durchaus gesunde Menschen ohne Mangel, kritisiert Schlögl. „Die wollen eine noch stärkere Testosteronwirkung, ähnlich wie im Bodybuilding.“ Dabei würden Werte erreicht, die über das Normale weit hinausgehen. „Absolut unverantwortlich“, warnt Stalla.

Gefährliche Nebenwirkungen: Unfruchtbarkeit, Thrombosen, Herzinfarkt

So kann Testosteron den Blutdruck erhöhen und die Bildung roter Blutkörperchen ankurbeln. „Zu viele Blutkörperchen im Blut – das heißt, das Blut kann verklumpen. Das kann Herzinfarkte, Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfälle auslösen“, warnt Schlögl. Dazu „besteht die Gefahr, dass man unfruchtbar wird“, weil bei einer externen Testosterongabe die körpereigene Produktion gedrosselt werde. Außerdem könne Testosteron bei bereits vorhandenen Prostatakarzinomzellen wie ein Wachstumsbeschleuniger wirken.

Testosteron: Verordnungen in Deutschland deutlich gestiegen

Daten aus Arzneiverordnungen lassen vermuten, dass der Missbrauch mit dem Männer-Hormon Testosteron im Kommen ist: Einem aktuellen Bericht [externer Link] des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen zufolge ist das Verordnungsvolumen von Testosteron zwischen 2005 und 2023 um 415 Prozent gestiegen. Und auffällig ist: Den höchsten relativen Zuwachs bei Testosteron-Verordnungen gab es bei den 20- bis 29-Jährigen.

Die Autoren des Berichts schreiben, ein solcher Anstieg sei medizinisch „nicht plausibel“, es liege der Verdacht nahe, „dass der starke Anstieg in Teilen auf einen nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch zurückzuführen sein könnte“. Auch Schlögl weist darauf hin, dass Erkrankungen, die eine Testosteron-Ersatztherapie erfordern, „sehr selten“ sind.

Testosteron für Frauen zur Behandlung von Libidoverlust in den Wechseljahren?

Auch für Frauen wird Testosteron inzwischen beworben. Medizinisch kann eine Testosteron-Ersatztherapie bei Frauen in bestimmten Fällen diskutiert werden, beispielsweise bei stark belastendem Libidoverlust, nachdem andere Ursachen dafür ausgeschlossen wurden, so Prof. Nina Rogenhofer, Leiterin (komm.) des Hormon und Kinderwunschzentrums der LMU Frauenklinik. Aber „das sind keine Gummibärchen, da irreversible Nebenwirkungen auftreten können, wie beispielsweise eine tiefere Stimme“, warnt sie. Deswegen seien auch die Experten sehr vorsichtig. Dazu kommt, dass es in Deutschland kein zugelassenes Präparat speziell für Frauen gebe, „nur Präparate in der Dosierung der Männer. Das heißt: zehnfach höhere Dosis. Man muss die Therapie genau überwachen, wenn man sich dazu entscheidet.“

Experten empfehlen dringend ärztliche Beratung

Expertinnen und Experten raten deshalb dringend: kein Geld für nichtssagende Testosteron-Tests oder gefährliche Pseudo-Therapien ausgeben, sondern sich unbedingt beim Arzt oder der Ärztin ausführlich zum Testosteronspiegel beraten lassen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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