Knacken wir die 42 Grad Celsius? Ein neuer Hitzerekord, vor allem in Südwestfrankreich und einigen Regionen Spaniens, ist möglich. Verantwortlich für das andauernde Backofen-Gefühl ist ein äußerst beständiges Hoch über West- und Mitteleuropa, das sich zu einem sogenannten Omega-Hoch formiert hat. Dieses Hoch stülpt eine Hitzeglocke über Mitteleuropa. Und Omega bleibt uns noch lange erhalten. Warum gibt es diese extreme Wetterlage?
Jetstream und Sommerwetter
Der Jetstream ist ein Starkwindband in etwa 8 bis 12 Kilometern Höhe, das unser Sommerwetter maßgeblich steuert. Als Wettermotor trennt und verwirbelt er Luftmassen und bestimmt, ob sich stabile Hochs (Hitze/Sonnenschein) oder Tiefs (Regen/Kühle) durchsetzen. Ist der Jetstream schwach, kann sich eine Hitzeglocke bilden.
Omega-Hoch und Hitzeglocke
Bei der derzeitigen Wetterlage hat sich ein Hochdrucksystem zwischen zwei Tiefdruckgebieten verkeilt. Meteorologen nennen diese Hitzeglocke auch Omega-Lage, weil die Form der Strömung dem griechischen Großbuchstaben Omega ähnelt.
Zwischen zwei Tiefdrucksystemen hat sich ein Hochdrucksystem verkeilt, was dazu führt, dass die warme Luft wie unter einer Glocke gefangen bleibt. Meteorologisch steckt dahinter ein sogenanntes Höhenhoch, das warme Luft nach unten drückt und kaum Bewegung in der Atmosphäre zulässt – eine Art Topfdeckel, unter dem sich die Hitze immer weiter aufstaut. Tiefdruckgebiete haben da kaum Chancen, die Wetterregie zu übernehmen.
Hitzeglocke und Klimawandel
Aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels erwärmen sich die Antarktis, vor allem aber die Arktis, schneller als die übrige Welt. Seit das Eis dort aufgrund der höheren Temperaturen schmilzt, schrumpft die Eisfläche und reflektiert weniger Sonnenlicht zurück ins All. Landflächen und Meer sind dunkler, schlucken mehr Sonnenlicht und wärmen sich stärker auf.
Durch diese Entwicklung schrumpft auch der Temperaturunterschied zwischen den Polen und den Regionen, die näher am Äquator liegen. Wissenschaftler vermuten, dass damit auch der Druckunterschied geringer wird. Das würde den Jetstream schwächen, verlangsamen und stärker nach Norden und Süden ausschlagen lassen (externer Link).
Schwacher Jetstream bringt Extremwetter
Die Wirkung der „Arktischen Verstärkung“ auf den Jetstream ist allerdings schwer nachzuweisen, denn Jetstreams sind von Natur aus sehr variabel.
Verliert der Jetstream an Geschwindigkeit, beginnt er stark zu schlingern. Dadurch bleiben Hoch- oder Tiefdruckgebiete oft tagelang über einer Region stecken, was zu Extremwetterlagen wie Hitze, Dürre oder wochenlangem Dauerregen führen kann. In Deutschland ist die Zahl der Hitzetage laut World Weather Attribution seit 2024 von 26 auf 50 gestiegen.
Anfang Juli wird der Jetstream endlich weiterwandern, so die Meteorologen. Dann ist wieder Platz für kühlere Atlantikluft. Und Sommertage mit gemäßigteren Temperaturen.

