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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Heiße Nächte, hohes Risiko: Mehr Schlaganfälle durch Klimawandel
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Heiße Nächte, hohes Risiko: Mehr Schlaganfälle durch Klimawandel

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 17. Juni 2024 08:00
Von Michael Farber
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7 min. Lesezeit
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Das Forscherteam des Uniklinikums Augsburg und des Helmholtz-Forschungszentrum München untersuchten in der Studie (externer Link) mehr als 11.000 Schlaganfälle, die zwischen 2006 und 2020 in den wärmeren Monaten von Mai bis Oktober im Raum Augsburg auftraten.

Inhaltsübersicht
Nächtliche Temperaturen: Was sind „heiße Nächte“?Erhöhtes Risiko: Welche Anzeichen warnen vor Schlaganfall?Kann ein Schlaganfall durch Hitze ausgelöst werden?Anpassungen im Gesundheitswesen dringend notwendigStadtplanung der Zukunft: Was machen Städte gegen Hitze?

Die Analyse ergab, dass das Schlaganfallrisiko in sehr heißen Nächten um sieben Prozent erhöht war. Zudem zeigte sich, dass mit der Zunahme heißer Nächte auch die Häufigkeit der Schlaganfälle stieg. Während in den Jahren 2006 bis 2012 heiße Nächte zwei zusätzliche Schlaganfälle pro Jahr verursachten, waren es in den Jahren 2013 bis 2020 bereits 33 zusätzliche Fälle jährlich.

„Das klingt erst mal nicht viel, 33 Fälle mehr pro Jahr“, meint Prof. Markus Naumann, Direktor der Klinik für Neurologie am Augsburger Uniklinikum (externer Link). „Aber rechnen Sie die Ergebnisse aus dem Raum Augsburg mal auf Millionenstädte um“.

Nächtliche Temperaturen: Was sind „heiße Nächte“?

Als „heiß“ wurden in der Studie Nächte gewertet, in denen es heißer als bisher im Durchschnitt wird – beispielsweise 20 statt bisher 15 Grad. Dr. Alexandra Schneider von der Arbeitsgruppe Environmental Risks (externer Link) bei Helmholtz Munich gibt zu bedenken, dass sich „der Klimawandel besonders in den nächtlichen Temperaturen bei uns niederschlägt. Der Anstieg der nächtlichen Temperaturen in Deutschland schreitet momentan schneller voran als der Anstieg der Tagestemperaturen“.

Das ist ein Effekt des Klimawandels. Tagsüber speichert die Erde Wärme, die sie normalerweise nachts wieder abgibt. Doch durch den Anstieg der Treibhausgase in den letzten Jahrzehnten bleibt die Wärme in der Atmosphäre gefangen. Diese Gase halten die Wärme in der bodennahen Luftschicht, sodass die Erde nachts nicht mehr richtig abkühlt. „Wir lernen derzeit, dass eben diese Umwelt- und Klimafaktoren auch einen ganz deutlichen Einfluss auf das Patientenaufkommen hat. Das hatten wir schon immer vermutet, früher, jetzt wissen wir es“, meint Prof. Markus Naumann.

Erhöhtes Risiko: Welche Anzeichen warnen vor Schlaganfall?

Die Steigerungen der Schlaganfall-Einlieferungen zeigten sich vor allem bei Menschen über 60 und Frauen. Laut Studie nahm vor allem das Risiko für leichte Schlaganfälle zu, auf bairisch meist verniedlichend „Schlagerl“ genannt. Das hält Neurologe Markus Naumann aber für eine gefährliche Verharmlosung. Jedes Symptom ist ein Alarmzeichen, jeder Schlaganfall ist lebensbedrohlich. Als Warnzeichen nennt er „Lähmungen im Bereich der Arme, Halbseitenlähmung, auch nur für Minuten oder wenige Stunden, plötzliche Sprachstörungen oder Gefühlsstörungen, Doppelbilder, plötzlich einsetzender Schwindel“. Dann sollte sofort der Notruf gewählt werden.

Je schneller Patienten behandelt werden, desto geringer sind die Folgeschäden. „Time is brain“ nennen das Neurologen: Mehr als einer von 100 Menschen in Deutschland hat in seinem Leben schon mindestens einen Schlaganfall oder damit verbundene Komplikationen erlitten (1,55%). Bayern steht nach Angaben des Morbiditäts- und Sozialatlas (externer Link) des „Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung“ (BIFG) im Vergleich gut da: Der Wert liegt hier bei 1,16% und damit 25% unter dem deutschen Durchschnitt. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie der unterfränkische Landkreis Haßberge (1,9%), oder die Stadt Weiden in der Oberpfalz (2,12%)

Kann ein Schlaganfall durch Hitze ausgelöst werden?

Heiße Nächte erhöhen das Schlaganfallrisiko signifikant, so das Ergebnis der Studie. Mehrere heiße Nächte hintereinander haben gemäß der Studie aber keinen „kumulativen Effekt“, erklärt Neurologe Naumann. Das heißt, dass man durch mehrere heiße Nächte nicht gesundheitliche Schäden und damit ein erhöhtes Risiko „anhäuft“. „Es ist in der Tat ein akutes Ereignis“, erklärt er. „Dieser Effekt kann vielleicht für ein, zwei Tage anhalten. Aber es ist kein kumulativer Effekt über mehrere Nächte“. Dennoch rät er, im Sommer die Schlaftemperaturen dauerhaft im Blick zu halten. Für Luftzug sorgen oder auch den Schlafplatz von der Südseite oder dem Dachgeschoss in die kühlere Küche verlegen, selbst wenn der Umzug erst mal unbequem ist. Eine gute Maßnahme gegen Hitze sei auch, nachts mehrfach zu trinken. Das biete dem Körper zusätzlich Möglichkeiten zur Abkühlung.

Anpassungen im Gesundheitswesen dringend notwendig

Für das Gesundheitswesen empfehlen die Forscher angesichts der neuen Erkenntnisse, Notaufnahmen und Stroke-Units (Spezialabteilungen für Schlaganfall-Patienten) besser auf die heiße Zukunft und das höhere Patientenaufkommen im Sommer vorzubereiten. „Wenn die wissen, dass sie dann am Folgetag nach warmen Nächten mit besonders vielen Schlaganfällen rechnen müssen, können sie natürlich auch mehr Personal an diesen Tagen zur Verfügung stellen“, meint Dr. Alexandra Schneider. Das Sterberisiko einer Datenanalyse (externer Link) zufolge wird um etwa 20% gesenkt, wenn ein akuter Schlaganfallpatient auf einer Stroke Unit behandelt wird. Prof. Markus Naumann empfiehlt darüber hinaus die Entwicklung von Warn-Apps, „um unsere gefährdeten Patienten frühzeitig zu informieren, damit sie vielleicht auch gar nicht erst zu uns kommen müssen“.

Stadtplanung der Zukunft: Was machen Städte gegen Hitze?

Auch die Stadtplanung ist gefragt, fordern die Wissenschaftler. Denn vor allem in Städten häufen sich diese „heißen Nächte“, da wegen der Bebauung durch Häuser und Straßen die sommerliche Hitze nachts gut gespeichert wird. Das Forscherteam versteht die Erkenntnisse der Studie deshalb auch als Auftrag an die Stadtplanung: Mehr Grünflächen, mehr Bäume, mehr Abstand zwischen den Gebäuden, begrünte Fassaden, Wasserflächen gegen urbane Hitzeinseln. „Vielleicht der Rückbau von versiegelten Flächen, Straßen und dergleichen. Hier gibt es ganz, ganz viele Ansatzmöglichkeiten, die wir unbedingt ergreifen müssen“, mahnt Naumann, denn bereits jetzt lebt fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Die Zeit drängt: In rund 730 Städten weltweit ist in den vergangenen Jahren die Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad Celsius auf 23 Grad Celsius gestiegen. Das Umweltbundesamt schlug bereits 2012 ein umfassendes Maßnahmenpaket vor, um den Effekten des Klimawandels in diesen Hitzeinseln – unseren Städten – zu begegnen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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