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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Studie zu Hitzetoten: Wie wirksam sind Klimaanpassungen?
Wissen

Studie zu Hitzetoten: Wie wirksam sind Klimaanpassungen?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 12. August 2024 15:54
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Eine neue Studie des „Barcelona Institute for Global Health“ hat den Zusammenhang von Hitzetoten in Europa und Klimaanpassungen untersucht. Demnach gab es im Jahr 2023 47.690 hitzebedingte Todesfälle in Europa. Seit 2015 war dies die zweithöchste Sterblichkeitsrate aufgrund von Hitze.

Inhaltsübersicht
Die „minimale Sterblichkeitstemperatur“Klimamaßnahmen können Hitzetote verhindernHitzetote in Europa: Auch Deutschland betroffenRKI: Andere Zahlen zu HitzetotenHitze in Europa: „Mehr Hitzeschutz nötig“Hitzeschutz: „Deutschland war zu zögerlich“

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Ohne Klimaschutzmaßnahmen hätte es noch deutlich mehr Hitzetote gegeben. In der Allgemeinbevölkerung wäre die hitzebedingte Sterblichkeit um 80 Prozent und bei den über 80-Jährigen um 100 Prozent höher gewesen.

Die „minimale Sterblichkeitstemperatur“

Auch die „minimale Sterblichkeitstemperatur“, also die Temperatur, bei der wir das geringste Sterberisiko haben, habe sich durch Klimaschutzmaßnahmen allmählich erhöht. Lag dieser Wert im Zeitraum 2000 bis 2004 bei 15 Grad Celsius, ist er zwischen 2015 und 2019 auf 17,7 Grad Celsius gestiegen. Dies deute darauf hin, dass wir weniger hitzeanfällig als zu Beginn des Jahrhunderts sind.

Klimamaßnahmen können Hitzetote verhindern

Der Studie zufolge hätten Klimaanpassungen seit 2003, also etwa Präventionspläne, Reaktionsstrategien, Interventionsmaßnahmen, eine angepasste Infrastruktur sowie Frühwarnsysteme, aber auch individuelle Verhaltensweisen und öffentliche Gesundheitsmaßnahmen noch mehr Hitzetote verhindert. Dennoch erreicht die Zahl an Hitzetoten in Europa weiter Höchstwerte.

Grundlage der Studie sind Temperaturaufzeichnungen und Sterbedaten von 823 Regionen aus 35 europäischen Ländern. Demnach hatten Griechenland (393 Todesfälle pro eine Million Einwohner), Bulgarien (229), Italien (209) und Spanien (175) unter Berücksichtigung der Bevölkerungszahl die höchste Sterberate.

Hitzetote in Europa: Auch Deutschland betroffen

Der Studie zufolge lag die hitzebedingte Sterberate 2023 bei 76 Todesfällen pro eine Million Einwohner. In absoluten Zahlen belegt Deutschland mit 6.376 Hitzetoten nach Spanien (8.352) und Italien (12.750) den dritten Platz.

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) (externer Link) „führt die Hitzeeinwirkung selten unmittelbar zum Tod“ und werde daher selten als Todesursache angegeben. In den meisten Fällen sei es die Kombination aus Hitzeexposition und Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zum Tod führt. Aus diesem Grund berechnet das RKI auf der Grundlage von Sterbestatistiken und des Temperaturverlaufes hitzebedingte Sterbefälle.

RKI: Andere Zahlen zu Hitzetoten

Die Zahlen des RKI (externer Link) unterscheiden sich teilweise deutlich von den Angaben zu Hitzetoten in Deutschland in der Studie. Statt 6.376 Hitzetoten gab das RKI etwa 3.200 hitzebedingte Sterbefälle für den Sommer 2023 in Deutschland an. Der Grund: Das RKI verwendet eigenen Angaben zufolge einen höheren Schwellenwert für Hitze. Eine europaweite Definition von Hitze gibt es bisher nicht.

Hitze in Europa: „Mehr Hitzeschutz nötig“

Zwar standen den Forschern nur aus 23 europäischen Ländern Daten zu Klimaanpassungen zur Verfügung, dennoch unterstreichen die Wissenschaftler die Dringlichkeit weiterer Strategien und Konzepte gegen Hitze. Hitze führt nicht nur zu mehr Todesfällen, sondern führt auch zu Krankheiten und schränkt Menschen in ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Wohlbefinden ein.

Hitzeschutz: „Deutschland war zu zögerlich“

„Deutschland war im Vergleich zu beispielsweise Frankreich, das schon 2003 mit Hitzeschutzmaßnahmen begann, zu zögerlich“, sagt Dr. Julia Schoierer, Medizinpädagogin an der LMU München. Der Hitzeschutzplan (externer Link) des Bundesgesundheitsministeriums sei jetzt ein wichtiger Schritt zum Schutz sensibler Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Weitere Fragen seien, wie vulnerable Gruppen, zum Beispiel wohnungslose Menschen, besser erreicht werden können, aber auch, wie Menschen ihre Hitzekompetenz stärken und wie Lebenswelten, etwa Arbeitsplätze, Kita oder Freizeit, so gestaltet werden können, dass sie protektiv sind. Das passiere nach und nach, so die Wissenschaftlerin.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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