Der Deutsche Bundestag hat grünes Licht gegeben für die weiteren Planungen zum Ausbau der geplanten Bahntrasse Ulm-Augsburg. Die Reaktionen auf den Beschluss des Bundestages sind gemischt: Während Politik und Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben von einem Meilenstein sprechen, übt die Bürgerinitiative „Schwabentrasse“ scharfe Kritik und sieht keinen Grund zum Feiern.
IHK Schwaben: Bessere Anbindung einer ganzen Region
Die IHK Schwaben wertet den Beschluss als „riesigen Schritt für die Anbindung Bayerisch-Schwabens“. Gleichzeitig mahnt IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen, dass die Politik nun „ganz dringend auch das Geld für die weiteren Planungsschritte und den Bau bereitstellen“ müsse.
Peter Stöferle, Abteilungsleiter Infrastruktur und Mobilität bei der IHK Schwaben, ergänzt: Es gehe nicht nur darum, dass Züge nun schneller von Ulm nach Augsburg fahren, sondern dass die ganze Region, wie auch das gesamte Allgäu, dadurch bundesweit und international bessere Verbindungen bekäme. Der Beschluss sei deshalb wichtig, „weil eine ICE-Anbindung die Qualität eines Standorts enorm verbessert“.
Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke soll den Plänen der Deutschen Bahn zufolge weitgehend parallel zur Autobahn 8 zwischen München und Stuttgart verlaufen. Die Fahrtzeit der ICE-Züge zwischen Augsburg und Ulm soll sich von bislang mehr als 40 auf 26 Minuten verkürzen. Die geschätzten Gesamtkosten für das Projekt liegen bei mindestens knapp 8,2 Milliarden Euro.
Bundestagsabgeordneter: „Meilenstein für Bayerisch-Schwaben“
Auch aus der Politik kommt positive Resonanz: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz nannte die Entscheidung einen „Meilenstein für Bayerisch-Schwaben“. Die nun beschlossene Trasse entlang der A8 bringe einen „echten Mehrwert für die Region“. Ein großer Erfolg sei der geplante Regionalhalt in Zusmarshausen, der für Pendler ein „Quantensprung“ sei.
Durz verweist auf eine Reihe konkreter Vorteile für die Region: Die Neubaustrecke Augsburg–Ulm werde Teil der Magistrale für Europa zum Lückenschluss von Paris nach Budapest/Bratislava und verbessere die überregionale Anbindung Augsburgs an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz.
Auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Ulrich Lange (CSU), bezeichnete das Projekt als „Vorzeigeobjekt“. Er betont die Wichtigkeit, nun tatsächlich die notwendigen Mittel für die weitere Planung bis hin zur Baureife zu bekommen.
Landrat fordert Lärmschutz
Der Augsburger Landrat Martin Sailer (CSU) nannte die Entscheidung „ein wichtiges und richtiges Signal“ für die Region. Das Vorhaben sei für die Menschen vor Ort nicht weniger als ein „Jahrhundertprojekt“. An oberster Stelle stehe der Lärmschutz für die Bevölkerung. Dieser sei für die an der Strecke liegenden Kommunen extrem wichtig.
Außerdem forderte Sailer, dass der Augsburger Hauptbahnhof zu einem „leistungsfähigen Knoten“ ausgebaut werden müsse, sodass der zusätzliche Fernverkehr auf der neuen Bahnstrecke nicht „zu Lasten des Nahverkehrs“ gehe.
Bürgerinitiative: „Kein Grund zum Feiern“
Scharfe Kritik hingegen kommt von der „Bürgerinitiative Schwabentrasse“ (BISCHT). Für sie ist der Beschluss „kein Grund zum Feiern – und zwar weder für den Steuerzahler noch für die Region“. Die Initiative bemängelt, dass die volkswirtschaftliche Wirtschaftlichkeit des Projekts nicht nachgewiesen sei. Die Kosten-Nutzen-Bewertung sei nicht für die Strecke allein, sondern in einem „Projektbündel“ mit sechs weiteren Ausbauten erfolgt. Dieses Vorgehen bezeichnet die Initiative als „skandalös, weil hier der Steuerzahler offensichtlich getäuscht werden soll“.
Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass die Trasse nicht den notwendigen Mehrwert für die Bevölkerung bringt, sondern bei alleiniger Betrachtung als „volkswirtschaftlich unsinnig und nicht finanzierbar einzustufen wäre“. Zudem warnt die BISCHT, dass in den kommenden Jahren nun keine „sinnvollen und möglichen Kapazitätsausbauten“ auf der Bestandsstrecke stattfinden – da man ja auf die geplante Neubaustrecke verweisen könne. Und es wird kritisiert, dass die überlasteten Bahnknoten in Augsburg und Ulm nicht Teil der Planung seien. Wenn für neue ICE-Verbindungen der Nahverkehr ausfallen müsse, wäre das „das ultimative Eigentor für die Region“.

