Die einen zieht es in den Süden ans Meer, andere bevorzugen die Berge oder den weniger heißen Norden für ihren Sommerurlaub. Doch so unterschiedlich die Geschmäcker auch sind: Die Deutschen reisen weiterhin. Trotz internationaler Krisen, erklärt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) Albin Loidl im BR24-Interview. Viele Menschen hätten ihre Pauschalreise bereits gebucht. Wer es noch nicht getan hat, buche infolge des Nahost-Konflikts kurzfristiger. „Die Menschen entscheiden bewusster und suchen Verlässlichkeit und Sicherheit.“
DRV: Pauschalreisen besser abgesichert als individuelle Reisen
Loidl betont, dass Pauschal- gegenüber Individualreisen besser abgesichert seien. Die Stornierungsmöglichkeiten bei „unvermeidbar außergewöhnlichen Umständen“, wie einem Krieg oder einer anderen Krise, seien meist leichter. Urlauber können entweder umbuchen oder sie erhalten ihr Geld zurück.
Wer individuell und nicht pauschal bucht, der kann im schlimmsten Fall leer ausgehen, wenn er die Reise nicht antritt. Reiserücktrittsversicherungen greifen in solchen Fällen in der Regel nicht. Äußere Krisen wie Pandemien, Krieg oder Terror sind meist ausgeschlossen. Ein Blick in die AGB lohnt sich, empfehlen Verbraucherschützer.
Sommerurlaub 2026: Diese Ziele sind beliebt
Das Vergleichsportal Holidaycheck hat die Daten von 68 Veranstaltern ausgewertet, welche Reiseziele im Mai am häufigsten für die Sommerferien gesucht wurden und wie teuer eine Pauschalreise dorthin war. Urlaub in der Türkischen Riviera wurde am häufigsten gesucht. Eine einwöchige Pauschalreise eines Paares dorthin, inklusive Flug, Transfer und Verpflegung, kostete im Mai rund 2.440 Euro. Auch Mallorca wurde häufig angefragt. Eine vergleichbare Pauschalreise dorthin kostete laut Vergleichsportal etwa 2.300 Euro.
Reiseziele im Sommer: Azoren am teuersten, Sizilien am günstigsten
Im Mai gab es laut Holidaycheck die günstigsten Angebote für eine Woche Sizilien, ab 980 Euro für zwei Personen. Mit 3.800 Euro für ein Paar und eine Woche waren die Azoren das teuerste Reiseziel. Die Inselgruppe liegt im Atlantik und ist eine autonome Region Portugals.
Es sind vor allem westliche Mittelmeerländer, in die Menschen reisen wollen, zum Beispiel Spanien mit den Kanarischen Inseln im Atlantik. Auch Griechenland, die Türkei und Italien sind beliebt, meldet der DRV. Zu Beginn des Nahost-Konflikts wurden Reisen in die Türkei und nach Ägypten weniger häufig gebucht. Seit Mitte April haben sich die Buchungszahlen laut Verband wieder stabilisiert. Auch Kreuzfahrten werden, wie im vergangenen Jahr, gerne gebucht. „Eine generelle Trendumkehr vom Auslandsurlaub hin zum Urlaub nur in Deutschland sehen wir derzeit nicht“, erklärt Loidl vom DRV.
Bayern: Deutsches Reiseziel Nummer eins
Wenn Menschen innerhalb Deutschlands verreisen, wollen sie am häufigsten nach Bayern. Der Freistaat ist nach wie vor das beliebteste deutsche Reiseland. Bereits 2025 war ein Rekordjahr für den bayerischen Tourismus, mit knapp 41 Millionen Gästen und rund 102,9 Millionen Übernachtungen, meldet der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf BR24-Anfrage. Auch dieses Jahr sei Bayern als Sommerreiseziel insgesamt „sehr stark nachgefragt“.
Beliebt sind hier eher „die klassischen Natur- und Erholungsregionen“. Dazu zählen unter anderem das Alpen- und Voralpenland, das Allgäu, der Bayerische Wald, die fränkischen Wein- und Kulturlandschaften sowie die bayerischen Städte. Bayern punktet nach Dehoga-Angaben „in diesen unruhigen Zeiten globaler Krisen vor allem in Sachen Sicherheit“.
Reisetrends: Exklusivität, Fernreisen und Sportevents
Naturerlebnisse sind beliebt im Sommerurlaub. Viele suchen darüber hinaus immer häufiger nach individuellen Reiseerlebnissen. Das bestätigt die Dertour Gruppe, zu der mehrere Reiseveranstalter gehören. Es gebe eine „neue Lust auf Luxus“, auf eine exklusive Beratung und maßgeschneiderte Angebote. Urlauber suchten nicht mehr nur Erholung, sondern authentische Erlebnisse „als Ausgleich zum Alltag“. Vom Nischensegment habe sich das erlebnisorientierte Reisen in ferne Länder zu „einem festen Bestandteil der Nachfrage entwickelt“. Auch in Zukunft geht der Reiseveranstalter davon aus, dass der Markt mit Fernreisen weiter wächst. Außerdem gefragt sind Sportevents.
Camping in Europa: Übernachtungen 2025 gestiegen
Es muss nicht immer der Städtetrip oder das Strand-Hotel sein. Auch die Übernachtungen auf Campingplätzen haben weiter zugenommen. Im vergangenen Jahr erfasste die Statistikbehörde Eurostat 413 Millionen Übernachtungen auf europäischen Campingplätzen. Das häufigste Reiseziel für den Urlaub in Zelt oder Wohnwagen war Frankreich. Für dieses Jahr wird Ähnliches erwartet.

