Bei der Führungskrise im VdK Bayern drängt sich der Vergleich mit einer gescheiterten Ehe auf. Am Anfang, im Jahr 2023, machten der Vorstand des Sozialverbands und die neu gekürte Vorsitzende Verena Bentele den Eindruck eines „Dream-Teams“. Doch drei Jahre später zeigt sich das Bild einer Beziehung in Trümmern.
Dass Bentele und der VdK Bayern ein Traumpaar sein könnten, schien 2023 naheliegend. Zu diesem Zeitpunkt stand die von Geburt an blinde ehemalige Spitzensportlerin schon fünf Jahre an der Spitze des VdK auf Bundesebene. Der Sozialverband gewann stetig neue Mitglieder. Mittlerweile sind es in Bayern rund 850.000, etwa 2,3 Millionen bundesweit. Und zur Erfolgsgeschichte des Verbands gehört auch, dass er sich gerade unter Verena Bentele als vielbeachtete Stimme in sozialpolitischen Diskussionen fest etabliert hat.
„Zerstörtes Vertrauen“
Doch über die Jahre hinweg haben sich Bentele und große Teile der ehrenamtlichen Führung des Sozialverbands voneinander komplett entfremdet, ohne dass etwas Nennenswertes davon nach außen gedrungen wäre. Jetzt sprechen acht der zehn Vorstände des VdK Bayern davon, das Vertrauen sei „unwiederbringlich zerstört“.
In einem aktuell veröffentlichten Katalog von Fragen und Antworten (externer Link) wirft der VdK Bayern seiner Vorsitzenden unter anderem vor, sie habe „wiederholt Entscheidungen und Versuche von Strukturänderungen ohne die erforderlichen Mehrheitsbeschlüsse“ unternommen. Acht von zehn Vorständen fühlten sich dadurch „hintergangen“. Deswegen hätten diese Vorstandsmitglieder ein Verfahren auf den Weg gebracht, um Bentele und den VdK-Schatzmeister Konrad Gritschneder abzuberufen. Am 19. Juni soll der Landesausschuss einen entsprechenden Beschluss fassen.
Bentele wiederum spricht auf ihrer eigenen Homepage (externer Link) von einem „Machtkampf“, bei dem unterschiedliche Auffassungen zu „Führung, Veränderung und Zuständigkeiten“ aufeinander prallten. Dass der Landesausschuss das Recht habe, sie abzusetzen, stellt sie in Frage und will gegebenenfalls vor Gericht gehen.
Differenzen beim Start
Schon bei Benteles Wahl zur Vorsitzenden des VdK auf Bundesebene im Jahr 2018 hatte es Misstöne gegeben, die allerdings jahrelang vom Bild des vermeintlichen „Dream-Teams“ überdeckt wurden. Die Spitze des baden-württembergischen VdK-Landesverbands störte sich daran, dass Bentele für ihren Präsidentinnenposten eine Jahres-Vergütung von 120.000 Euro erhalten sollte und kündigte eine rechtliche Prüfung an.
Durchgesetzt hat sich der VdK Baden-Württemberg am Ende nicht. Vielmehr fand Bentele zunächst eine Mehrheit für ihre Argumentation in der Vergütungsfrage: Wer ein echtes Schwergewicht unter den deutschen Verbänden mit deutlich mehr als 2 Millionen Mitgliedern führt, der könne das nicht rein im Ehrenamt leisten, ohne Absicherung des Lebensunterhalts.
Außerdem stehe sie mitten im besten Erwerbsalter und könne sich nicht – wie andere VdK-Ehrenamtler – auf eine Rente oder Pension stützen, argumentiert Bentele auch heute noch.
Frischer Wind – zu starker Wind?
Benteles Wahl als doppelte Spitze des VdK auf Bundes- und auf bayerischer Landesebene brachte in vielerlei Hinsicht einen radikalen Wandel mit sich. Es war nicht nur ein Generationen-Wechsel, sondern eher ein Generationen-Sprung, als Bentele im Mai 2023 beim VdK Bayern den Vorsitz übernahm. Sie war zu diesem Zeitpunkt 41 Jahre alt, ihre Vorgängerin Ulrike Mascher hätte als damals 84-jährige nicht nur ihre Mutter, sondern gar ihre Großmutter sein können.
Programmierte Konflikte?
Mascher stand bei ihrem Auftreten auch für das, was der bayerische VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder in den vergangenen Jahren immer wieder so formuliert hat: Der VdK solle nicht nur Hilfe bei Rechtsfragen zu Rente oder Pflege geben. Er solle mit Ausflügen oder Adventstreffen auch ein Verband „für die kleinen Leute“ sein und eine „Familie“.
Die Homepage der Vorsitzenden zeigt allerdings andere Schwerpunkte: Sie sei „Keynote Speakerin“, Buchautorin und Weltbehindertensportlerin mit „zwölf Goldmedaillen bei Paralympics und vier Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften“, das ist groß auf der Startseite zu lesen. Um von ihrem Engagement beim VdK zu erfahren, sind jedoch einige Klicks nötig.
Dass Bentele in vielen Bereichen erfolgreich ist, steht auch für Kritiker außer Zweifel. Eine Person, die anonym bleiben will, formuliert den Konflikt zwischen dem „Kleine-Leute-Verband“ und seiner Vorsitzenden so: Bentele sei eine Spitzensportlerin, aber nicht unbedingt eine Teamsportlerin.

