Wenn Sie rausfinden würden, dass wir nicht alleine sind, wenn es Ihnen jemand zeigen, beweisen würde, würde Ihnen das Angst machen? Das ist die zentrale Frage, die Regie-Legende Steven Spielberg in seinem 36. Spielfilm stellt. Wie würden die Menschen reagieren, wenn sie plötzlich erfahren, dass sie nicht allein im Universum sind? Je länger „Disclosure Day“ dauert, desto deutlicher wird: Die Antwort darauf interessiert ihn mehr als die Außerirdischen selbst.
Emily Blunt spielt Margaret Fairchild, Wettermoderatorin eines Lokalsenders in Kansas City. Als sie auf Hinweise zu einer jahrzehntelang geheim gehaltenen Wahrheit stößt, gerät ihr Leben aus den Fugen. Gemeinsam mit dem Cybersicherheitsexperten Daniel Kellner, gespielt von Josh O’Connor, macht sie sich auf die Suche nach Antworten. Antworten, die mächtige Kreise um jeden Preis verborgen halten wollen. Doch wie es im Film heißt: „Die Menschen haben ein Recht auf die Wahrheit. Sie gehört allen sieben Milliarden Menschen.“
Die Bedrohung kommt nicht aus dem All, sondern von den Behörden
Was nach klassischer Science-Fiction klingt, entwickelt sich schnell zu etwas anderem. Spielberg erzählt keinen Film über die Faszination des ersten Kontakts. Er erzählt einen Verschwörungsthriller. Einen Film über Geheimhaltung, Desinformation und die Frage, wem wir überhaupt noch glauben können. Immer wieder erinnert „Disclosure Day“ an die großen paranoiden Politthriller der 1970er-Jahre. Die eigentliche Bedrohung kommt nicht aus dem All, sondern aus den Institutionen, die Informationen kontrollieren und Wahrheiten verwalten.
Das ist zunächst ausgesprochen spannend. Spielberg erzeugt eine permanente Atmosphäre der Unsicherheit. Visuell bleibt der inzwischen 79-jährige Regisseur dabei beeindruckend souverän. Kameramann Janusz Kaminski taucht den Film in kalte, unheimliche Bilder. John Williams liefert einen melancholischen Score. Und vor allem Emily Blunt und Josh O’Connor sorgen dafür, dass die Geschichte trotz aller Verschwörungsmythen geerdet bleibt.
Kein klassischer Alien-Film
Spielberg interessiert sich letztlich weniger für die Frage, ob es außerirdisches Leben gibt. Ihn interessiert, was passiert, wenn Menschen feststellen müssen, dass ihre Gewissheiten nicht mehr tragen. Der Film kreist um Wahrheit und Desinformation, um Macht und Kontrolle über Wissen. Wer entscheidet, was die Öffentlichkeit erfahren darf, wie verändert sich eine Gesellschaft, wenn sie das Vertrauen in ihre Institutionen verliert? Das sind Fragen, die „Disclosure Day“ deutlich stärker beschäftigen als die klassischen Motive des Science-Fiction-Kinos. Über mehr als zwei Stunden wächst das Gefühl, dass die große Enthüllung unmittelbar bevorsteht.
Doch anstatt diesen Spannungsbogen einzulösen, lässt Spielberg seinen Film bewusst in der Schwebe. „Disclosure Day“ ist ein ungewöhnlicher Spielberg-Film. Kein Film des Staunens wie „E.T.“ oder „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, sondern ein aufgeblasener Film des Zweifels. Düster, ernst und von einer fast durchgehenden Paranoia geprägt. Ein Science-Fiction-Thriller, der weniger Antworten liefert als Fragen stellt – und genau darin seine Faszination, aber auch seine Schwäche findet.

