Eine junge Frau steht verloren im Gang des Hospizes. Lore ist die Einzige, die die krebskranke Mutter vor ihrem Tod begleitet hat. Und die Mittzwanzigerin ist jetzt auch auf sich allein gestellt, wenn es darum geht, die anstehenden Formalitäten zu erledigen: die Wohnung der Mutter auszuräumen und die Beerdigung zu organisieren.
Besonders Letzteres erweist sich als schwierig. Denn die Mutter hat verfügt, dass ihre Asche im Meer verstreut werden soll, obwohl das in Deutschland verboten ist. Lore will ihr diesen letzten Wunsch dennoch erfüllen. Ihre Familie in der niederrheinischen Provinz erweist sich dabei als wenig hilfreich.
Persönlich inspirierte Trauerarbeit
Ihre Großmutter pocht auf Konventionen. Und auch Lores Onkel ist genervt, dass seine schon zu Lebzeiten unangepasste Schwester sogar noch nach ihrem Tod durch Extravaganzen auffällt. Von Lores eigener Schwester Sophie ist sowieso keine Hilfe zu erwarten.
„Sechswochenamt“ ist ein dokumentarisch anmutender Film, in dem Regisseurin Jacqueline Jansen die Zeit nach dem Tod ihrer eigenen Mutter verarbeitet hat. Ihr Alter Ego im Film ist die großartige Magdalena Laubisch, die für ihre Schauspielleistung gleich nach der Weltpremiere beim Filmfest München im vergangenen Jahr mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet wurde.
Kampf gegen Windmühlen
Innerlich aufgewühlt, aber äußerlich meist unbewegt, bringt Laubisch Lores Emotionen mit Blicken und kleinen Gesten zum Ausdruck: wie sie sich in ihrer Trauer alleingelassen fühlt, überfordert von all den Entscheidungen, die sie treffen muss in einem Moment, in dem sie sich eigentlich nur zurückziehen und weinen will.
Für einen würdigen Abschied von ihrer Mutter kämpft Lore gleich an mehreren Fronten: gegen die Bestattungsbürokratie, die Bedürfnisse der Familie und auch gegen gesellschaftliche Erwartungen über den vermeintlich richtigen Umgang mit dem Tod.
Bitterkomische Begegnungen
Jansen siedelt den Tod von Lores Mutter wenige Tage vor Beginn des ersten Corona-Lockdowns im März 2020 an. So werden die Pandemiemaßnahmen – von geschlossenen Geschäften über Abstandsregeln bis zu Plastiktrennwänden – zum Sinnbild für Lores zunehmende Isolierung.
Trotz seiner Traurigkeit hat der Film durchaus auch bitterkomische Momente, zum Beispiel wenn der Pfarrer sich weniger dafür interessiert, Lore Trost zu spenden, als dafür, welche Möbel sie für die Gemeinde spenden könnte, und bei nächster Gelegenheit auch gleich mit dem Transporter vorfährt.
Realisierung nur durch Spenden möglich
„Sechswochenamt“ ist ein kleiner, leiser Film, der in seiner rohen Authentizität anrührt. Realisiert hat ihn Jacqueline Jansen mit dem Mini-Budget von 96.000 Euro aus Spenden. Alle Filmförderungsstellen hatten ihren Antrag zuvor abgelehnt. Umso schöner, dass der Film mittlerweile mehrere Preise auf Festivals gewonnen hat und jetzt auch endlich ins Kino kommt.

