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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Schlechte KI-Synchronisation: Amazon nimmt Film offline
Kultur

Schlechte KI-Synchronisation: Amazon nimmt Film offline

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 8. Juli 2026 14:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Man hört ja nahezu jeden Tag von neuen Wunderdingen, die Künstliche Intelligenz zu vollbringen in der Lage ist. Dass KI aber auch ganz banal und einfältig sein kann, das zeigt der Film „Deadly Patient“, der bis vor kurzem noch auf Amazon Prime abgerufen werden konnte.

Inhaltsübersicht
„Deadly Patient“ bei Amazon: Emotionslose Stimmen„Synchronisation ist ein komplexer Prozess“Der Mensch wird nicht obsolet werden

Dass dies nun nicht mehr geht, hat mit der deutschen Synchronisation zu tun. Denn die wurde komplett mit einer KI erstellt. Und das Ergebnis beurteilen Nutzer auf TikTok, wo Schnipsel des Films immer noch herumschwirren, als „schlecht“, was noch zu den freundlicheren Urteilen gehört. Und in der Tat: Hört man sich die Clips an, dann kann man die Kritik nachvollziehen.

„Deadly Patient“ bei Amazon: Emotionslose Stimmen

Denn die Stimmen klingen so emotionslos, wie Siri zu ihren besten Zeiten. Und auch inhaltlich und grammatikalisch liegt da doch einiges im Argen. Ein Patient „sollte da gestorben haben“. Und ein Liebespaar geht mit einem Dialog auseinander, der im Original möglicherweise etwas herzlicher geklungen haben mag: „Ich fahre da.“ – „Liebe dich.“ – „Ich weiß.“ – „Geh weg.“

Normalerweise kenne man so etwas nur von günstigen Reality-Produktionen, wo meist eine Stimme alles synchronisiert, sagt Björn Stockleben, Professor für neue Medien an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, im Gespräch mit dem BR. „In fiktionalen Produktionen kann ich mich nicht erinnern, dass ich sowas schon erlebt habe.“

„Synchronisation ist ein komplexer Prozess“

Dass ein Film mit einer solchen Synchronisation auf einem Streaming-Portal landet, ist nach Einschätzung von Stockleben der schieren Masse an Filmen geschuldet, die auf der Plattform landen. „Dann macht man anscheinend auch mal Kompromisse bei der Synchronisation.“ Und dann komme es eben darauf an, „ob wir das nutzen und ob wir das akzeptieren. Und die Akzeptanz wird natürlich geringer, je höherwertiger der Inhalt ist, je mehr ich von diesem Inhalt erwarte, ob ich ihn im Abo habe oder vielleicht auch dafür bezahle.“

Dass eine KI bei der Synchronisation so daneben liegt, überrascht Stockleben indes nicht, denn „Synchronisation als solche und damit auch KI-Synchronisation ist ein komplexer Prozess“. Das fange bei der richtigen und passgenauen Übersetzung des Dialogbuchs an. „Ich muss eine Übersetzung hinkriegen, die einigermaßen lippensynchron sprechbar ist und sich gleichzeitig auch vom Sinn kulturell an den Kontext anpasst.

Dass Witze verständlich sind, dass Begriffe verständlich sind.“ Und das sei eine Leistung, die „KI-unterstützt zwar stattfinden kann, wo aber menschlicher Input momentan essentiell ist“.

Der Mensch wird nicht obsolet werden

Wenn man einen besonderen Ausdruck haben will, braucht man einen Menschen, sagt der Professor für neue Medien. „Entweder einen Menschen, der wirklich spricht und dann wird der Rhythmus übertragen auf die KI-Stimme oder aber ich habe eine künstliche Stimme, die dann den Anweisungen einer Regie folgt, so ähnlich wie eine animierte Figur den Anweisungen der Animatorin folgt.“

Insofern glaubt Björn Stockleben nicht, dass Synchronsprecher obsolet werden, weil hinter synchron mehr stecke als, „ich übersetze schnell einen Text und lass ihn automatisch sprechen“. Aber es komme eben auf die Anwendungsfälle an. Es werde billige Produktionen geben, wo man eine schlechte Synchronisation akzeptiert. Aber eben auch Produktionen, wo man einen solchen Standard nicht akzeptiert, „wo man mehr künstlerischen, individuellen Ausdruck will, wo das Schauspiel durch die Synchronstimme ergänzt und erweitert wird“.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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