Das Elterngeld soll reformiert werden: Der Bund will sparen, gleichzeitig sollen die Väter längere Erziehungsphasen einlegen. Der Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Prien ist aktuell noch in der Ressortabstimmung – die anderen Ministerien gehen ihn also durch. Trotzdem sind schon einige Details bekannt geworden. Ein Überblick.
Wie lange können Eltern künftig Elterngeld beziehen?
Bisher können Eltern insgesamt 14 Monate Elterngeld bekommen, innerhalb der ersten Lebensmonate des Kindes. Nach den Plänen des Bundesfamilienministeriums könnten es künftig nur noch 12 Monate sein. So will das Ministerium rund 500 Millionen Euro im Jahr sparen.
Das Elterngeld kann bisher länger bezogen werden, wenn Eltern schon im ersten Lebensjahr ihres Kindes wieder in Teilzeit arbeiten. Statt eines Monats „BasisElterngeld“ können Eltern zwei Monate „ElterngeldPlus“ beziehen, wenn sie in Teilzeit arbeiten. An dieser Regelung soll sich nichts ändern.
Was ändert sich für Väter?
Väter sollen sich künftig stärker an der Betreuung ihrer Babys beteiligen. Bisher müssen sie mindestens zwei Monate der Elternzeit übernehmen, damit die Leistung vollständig ausgezahlt wird. Künftig sollen es mindestens drei sein.
Väter nehmen aktuell deutlich kürzer Elternzeit als Mütter. In ganz Deutschland haben Mütter zuletzt im Schnitt 14 Monate Elternzeit genommen, Väter lediglich 3,4 Monate. Diese Zahlen beziehen sich auf Kinder, die 2023 geboren wurden.
In Bayern beziehen Väter im Schnitt kürzer Elterngeld als im Bundesdurchschnitt, zuletzt drei Monate. Trotzdem ist der Anteil der Väter an allen Elterngeldbeziehern in Bayern leicht höher als im Bundesschnitt.
Wie viel Geld bekommen Eltern künftig in der Elternzeit?
Elterngeldbezieher bekommen in der Regel rund 65 Prozent ihres vorherigen Nettogehalts. Der Mindestbetrag liegt aktuell bei 300 Euro und soll auf 330 Euro steigen. Der Höchstbeitrag soll von aktuell 1.800 auf 1.900 Euro steigen. Elterngeld bekommen bisher nur Paare, deren gemeinsames zu versteuerndes Jahreseinkommen unter 175.000 Euro liegt. An dieser Grenze soll sich nichts ändern.
Was soll sich noch ändern?
Eltern können wieder unbeschränkt gleichzeitig Elterngeld beziehen. Eltern, deren Kind nach dem ersten April 2024 geboren worden war, konnten bisher nur noch einen Monat lang parallel Elterngeld erhalten.
Darüber hinaus soll der Geschwisterbonus länger als bisher ausgezahlt werden. Eltern, die noch ein weiteres Kind unter drei Jahren oder mehrere Kinder unter sechs Jahren versorgen, bekommen mehr Elterngeld. Hatten die Geschwisterkinder bisher die Altersgrenze von drei oder sechs Jahren erreicht, wurde der Bonus nicht mehr ausgezahlt. Künftig soll er so lange ausgezahlt werden, wie Elterngeld bezogen wird.
Wie sind die Reaktionen?
Grüne und Linke im Bundestag kritisieren die Pläne scharf. Grünen-Familienpolitikerin Misbah Khan spricht von einem fatalen Signal an die Familien im Land. Die familienpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Mandy Eising, wirft der Bundesregierung vor, Kinder nur noch als Luxusgut zu begreifen. Die AfD-Fraktion hatte die Pläne zu Einsparungen beim Elterngeld bereits im Vorfeld kritisiert. Familien müssten angesichts der sinkenden Geburtenrate aktiv gefördert werden.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund bemängelt, dass die Erhöhung des Elterngelds nicht ausreiche. Außerdem setzten die Pläne nicht genügend Anreize, die Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern gleichberechtigt zu verteilen. Der Deutsche Frauenrat kritisiert, dass im Etat des Familienministeriums allgemein zu viel gespart werden müsse.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Entwurf geht jetzt in die Ressortabstimmung. Andere Ministerien können also Vorschläge für Änderungen machen. Wann der Entwurf dann von der Bundesregierung beschlossen wird, bevor er in den Bundestag kommt, steht noch nicht fest.

