Erst am Montag hat die von der EU eingesetzte Expertenkommission vorgeschlagen, die Nutzung von Social Media erst ab 13 Jahren freizugeben. Wie es jungen Menschen geht, die Social Media schon seit Jahren nutzen, geht aus der jetzt veröffentlichten JIMplus-Studie [externer Link] hervor.
Die Studie zeigt, was Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren bei der Nutzung belastet, wo Social Media ihnen nutzt, wie sie im digitalen Zeitalter mit Problemen umgehen, was sie bei der Diskussion um ein Social Media Verbot vermissen und welche Plattformen sie besonders kritisch sehen.
Social Media ist für Jugendliche Belastung, aber auch Inspiration
76 Prozent der 800 in der Studie befragten Jugendlichen geben an, regelmäßig Social-Media-Plattformen zu nutzen. 72 Prozent sagen, dass sie dies von den Dingen ablenke, die sie eigentlich tun sollten. Mehr als die Hälfte habe das Gefühl, dadurch Zeit für Erholung und andere Freizeitaktivitäten zu verlieren. Und 40 Prozent berichten, dass ihre Konzentrationsfähigkeit darunter leide.
Aber 82 Prozent sagen auch: Über Social Media können sie viel Neues lernen und ihr Wissen erweitern. Etwa die Hälfte der Befragten fühle sich dort auch verstanden. Jugendliche sehen also Social Media nicht nur als Belastung.
Jugendliche fühlen sich mit Freunden wohler als auf Social Media
Nur knapp jeder Fünfte der Jugendlichen zählt Social Media zu den drei Aktivitäten, bei denen er sich besonders wohlfühlt. Deutlich besser schneiden Treffen mit Freundinnen und Freunden ab. Hier sagen fast zwei Drittel, dass sie sich dabei besonders wohlfühlen. Mannschaftssport (54 Prozent) und Zeit mit der Familie zu verbringen (47 Prozent) sind bei den Jugendlichen ebenfalls beliebter als die Zeit auf Social-Media-Plattformen.
Was Jugendliche bei Social Media belastet
Den größten Teil ihrer Freizeit verbringen die Jugendlichen auf Social Media. Ziemlich kritisch sehen sie jedoch die Plattform TikTok, auch wenn Mädchen diesen Dienst am meisten vermissen würden. Vor allem junge Frauen belaste der ständige Vergleich mit Gleichaltrigen auf TikTok und anderen Plattformen. Sie geben an, dass die Posts von dem Anschein nach hübscheren, schlankeren, beliebteren oder sportlicheren Altersgenossen großen Druck auf sie ausübe.
In puncto problematischer Inhalte bekommen 71 Prozent mehr oder weniger regelmäßig Fake News angezeigt. Besonders belastend finden die Heranwachsenden aber ungewollte Nacktbilder, Mobbing, drastische Gewalt oder Inhalte, die Essstörungen und selbst verletzendes Verhalten verharmlosen.
Bemerkenswert ist der Umgang mit problematischen Inhalten: Die meisten scrollen einfach weiter. Rund ein Drittel der Jugendlichen sagt, sie hätten sich an die vielen problematischen Inhalte gewöhnt. Nur etwa jede oder jeder Vierte meldet solche problematischen Beiträge überhaupt bei den Plattformen.
Familie und Freunde helfen Jugendlichen bei Problemen mit Social-Media-Inhalten
Fühlen sich Jugendliche durch Inhalte auf den Plattformen belastet oder irritiert, reagieren sie erstaunlich analog. Sie wenden sich an Vertrauenspersonen, wie etwa Geschwister oder Freunde. Jugendliche mit einer starken familiären Einbindung fühlen sich laut der Studie auch wohler.
KI-Chatbots spielen hingegen bei Gesprächen über Sorgen und Belastungen für die Heranwachsenden bisher nur eine kleine Rolle. Etwa zwölf Prozent der Kids nutzen sie, um darüber zu chatten, wenn sie etwas belastet und sie Hilfe suchen.
Was Jugendliche von einem Social-Media-Verbot halten
Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) gab in der Studie an, sie würden Generationen beneiden, die noch ohne Social Media aufgewachsen sind. Trotzdem sind die Jugendlichen in Sachen Altersgrenze für die Nutzung von Social Media eher skeptisch. Sie bezweifeln vor allem die Wirksamkeit eines Verbots. 43 Prozent sind allerdings der Meinung, dass Social Media für alle unter einem bestimmten Alter verboten sein sollte.
Besonders bezeichnend: Die Mehrheit der Jugendlichen sagt, bei der ersten Nutzung von Social Media sollten die Kinder auf jeden Fall älter sein, als sie selbst es bei der ersten Nutzung waren. In der Debatte um ein Social-Media-Verbot sehen die allermeisten Jugendlichen ihre Sichtweise nicht berücksichtigt. Nur zehn Prozent der Jugendlichen geben an, dass ihre Perspektive als Jugendliche dort ausreichend beachtet werde.

