3,3 Prozent und damit viel zu hoch war die Inflationsrate im August für den Euroraum. Sie sollte bei etwa 2 Prozent liegen. Ein wesentlicher Treiber sind die hohen Energiepreise infolge des Irankriegs, die zuletzt weiter gestiegen sind. Bei einem Ölpreis von über 100 Dollar pro Barrel und einer drohenden Gasmangellage ist hier auch für den September nichts Gutes zu erwarten. Nun hat die Europäische Zentralbank reagiert und den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent erhöht.
Stark steigende Inflation zwingt EZB zum Handeln
An der Tankstelle spüren die Konsumenten jeden Tag, was los ist. Einen solchen Preisanstieg auf der Angebotsseite durch eine Verknappung von Lieferungen von Energie und Rohstoffen rund um die Straße von Hormus kann die Notenbank nicht wegzaubern – aber ignorieren kann sie es auch nicht. Schließlich werden sich die hohen Kosten für Energie und Rohstoffe bald schon in vielen anderen Bereichen wie bei der Produktion oder im Transportwesen auswirken.
Am Ende kommt das bei fast allen Verbraucherpreisen an, nicht nur beim Tanken. Das bedroht die Stabilität des Geldwerts, für den die Notenbank verantwortlich ist und den sie mit höheren Zinsen verteidigen will.
Steigende Zinsen: Wer profitiert?
Für privat Sparende könnten nun höhere Zinsen auf dem Tagesgeldkonto drin sein. Viele Banken werben Neukunden jetzt schon mit Angeboten, die zumindest befristet in den Bereich von vier Prozent gehen. Außerdem steigen die Zinsen für Festgeld derzeit ebenfalls, wenn man sich für einen längeren Zeitraum binden will.
Anleger können bei Anleihen von den steigenden Renditen profitieren, an denen sich die Marktzinsen ablesen lassen. Zum Beispiel eine Bundesanleihe, die man heute kauft, ist zu dem entsprechenden Einstiegspreis höher verzinst als noch vor wenigen Wochen.
Steigende Zinsen: Wer verliert?
Zugleich fallen die Kurse der Anleihen, was für alle schlecht ist, die solche Wertpapiere bereits haben. Auch bei Aktien gehen in Zeiten mit steigenden Zinsen die Notierungen an der Börse häufig nach unten. Denn steigende Zinsen bremsen das Wirtschaftswachstum, was nicht nur für börsennotierte Unternehmen schlecht ist, sondern eigentlich für alle.
Für den Staat und Kreditnehmer bedeuten höhere Zinsen, dass Schulden machen teurer wird. Die Zinsen etwa für Häuslebauer steigen also. Wichtig hierbei: Die Immobilienpreise geben bei steigenden Finanzierungskosten für Baukredite nach – und haben das auch schon getan.
Wie geht es weiter?
Die höheren Zinsen verteuern Kredite für Investitionen und Konsum. Es wird dann weniger investiert und weniger gekauft. Mit dieser geringeren Nachfrage sollten anschließend auch die Preise wieder fallen. Wenn es nun aber nicht an der Nachfrage liegt, sondern an einem verknappten Angebot, kann die Notenbank nicht wirklich viel ausrichten gegen den Preisanstieg. Ihre Geldpolitik läuft dann ein wenig ins Leere, bremst aber trotzdem die Konjunktur aus.
Für die Finanzmärkte zählt auch die teilweise ausufernde Verschuldung wie in den USA oder im Euroland Frankreich, die immer mehr Anleihen-Kredite erfordert. Das gilt derzeit auch für Deutschland, das neue Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur finanzieren muss. Mehr Nachfrage an den Kreditmärkten lässt zunächst dort und später überall die Zinsen steigen.
Die Notenbanken sind derzeit also getrieben von der höheren Energiepreis-Inflation und von zunehmenden Staatsschulden. Das dürfte nach Einschätzung fast aller Analysten und Marktteilnehmer noch eine ganze Weile in diese Richtung weitergehen. So lange ist mit entsprechenden Schritten der EZB zu rechnen, für die heute schon entsprechende Zinsaufschläge bei den Kreditkosten zu zahlen sind.

