Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Muhammad bin Zayid Al Nahyan, ist zum ersten Mal auf Staatsbesuch in Deutschland – und macht dabei nicht nur einen Stopp in Berlin, sondern auch in München. Das hat einen Grund: Beim Deutsch-Emiratischen Wirtschaftsforum im Bayerischen Hof kündigten die VAE an, ein Viertel der 40 Milliarden Euro, die nach Deutschland gehen sollen, in Bayern zu investieren. Was erhoffen sich Bayern und die VAE? Und wohin soll das Geld fließen?
Absichtserklärung über zehn Milliarden unterschrieben
Der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Wolfram Hatz, hat gerade eine Absichtserklärung über zehn Milliarden Euro mit einem Vertreter der VAE unterschrieben, als er am Mittag aus dem Bayerischen Hof kommt. Die Presse durfte beim Unterschreiben nicht dabei sein. Im Saal des Hotels trafen sich Wirtschaftsvertreter deutscher Unternehmen und Investoren aus den VAE. Grau-blaue Anzüge und lange weiße Gewänder vermischen sich beim Lunch. Die Absichtserklärung für Bayern bedeute, „dass die VAE vorhaben, sich an Unternehmen, kleinen Unternehmen, KI, Mittelstand, Start-ups zu beteiligen“, sagt Hatz.
Wirtschaftsministerin Reiche: KI-Rechenzentren für Bayern
30 solcher Absichtserklärungen gebe es insgesamt. Das sagt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bei einem Statement mit Thani bin Ahmed Al Zeyoudi, dem Außenhandelsminister der VAE. Auch konkrete Projekte seien im Gespräch: In Bayern sollen KI-Rechenzentren entstehen. Bayerns Industrie verfüge über enorme Datenbestände. Diese besser für Künstliche Intelligenz und moderne Produktionsverfahren nutzbar zu machen, könne Unternehmen wettbewerbsfähiger machen und ihre Exportstärke erhöhen: „Hier liegt eine große Chance“, so Reiche.
Investitionen in KI, aber auch in Luft- und Raumfahrt, Energie, Chemie und Verteidigung seien geplant: Doch warum mit den VAE? Die Gleichung scheint für Reiche zu sein: Deutsches Potenzial trifft emiratisches Kapital. Reiche betont, Deutschland bringe industrielle Stärke, Forschungskompetenz und innovative Start-ups in die Partnerschaft ein. Die Emirate wiederum könnten mit Kapital, schnellen Entscheidungen und ihrem Zugang zu Märkten in Asien, dem Nahen Osten und Afrika zum Wachstum deutscher Unternehmen beitragen.
Exporte in VAE zuletzt gestiegen
Für Bayern sind die Emirate bereits der wichtigste Handelspartner im Nahen und Mittleren Osten. Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik zeigen: Das Handelsvolumen lag 2025 bei rund 1,65 Milliarden Euro. Besonders gefragt sind Fahrzeuge, Elektrotechnik und Maschinen aus dem Freistaat. Vor diesem Hintergrund bewertet Ministerpräsident Markus Söder die angekündigten Investitionen als wichtigen Impuls. „Das bringt Cash, das bringt Aufträge und das bringt natürlich auch wirtschaftliches Wachstum“, sagte er. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könne zusätzliches Kapital helfen, Zukunftsprojekte schneller umzusetzen.
Deutschlandweit lag das Handelsvolumen bei 13,5 Milliarden Euro im Jahr 2025. Deutsche Exporte in die VAE seien seit 2020 sogar um 66 Prozent gestiegen, heißt es aus Ministeriumskreisen. Die Bundesregierung betrachtet die Emirate zudem als wichtigen Partner in einer geopolitisch angespannten Region. Reiche erinnerte beim Wirtschaftsforum im Bayerischen Hof daran, dass die VAE Deutschland während der Energiekrise 2022 mit zusätzlichen Lieferungen unterstützt hätten. Der Präsident selbst, Muhammad bin Zayid Al Nahyan, äußerte sich heute in München nicht.
Kritik an Wirtschaftsforum: Kapital vor Menschenrechte?
Der Staatsbesuch von Staatschef Muhammad bin Zayid Al Nahyan verlief nicht ohne Kritik: Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch kritisieren, dass wirtschaftliche Interessen stärker im Vordergrund stünden als die Menschenrechtslage im Golfstaat. Bereits gestern kam es während des Besuchs in Berlin zu Protesten. Die Gesellschaft für bedrohte Völker forderte die Bundesregierung auf, neben Wirtschaftsfragen auch die Menschenrechtslage in den Emiraten sowie deren mutmaßliche Rolle im Sudan-Konflikt offen anzusprechen. Den Emiraten wird vorgeworfen, die im Sudan kämpfende RSF-Miliz zu unterstützen. Die VAE weisen das zurück.

