Der Klang des Widderhorns, des sogenannten Schofar, ist der Höhepunkt zu Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest. Eigentlich, denn in diesem Jahr erklingt es an einem Tag nicht. Warum?
Ausnahme: Widderhorn wird nur am zweiten Tag geblasen
Zwei Tage lang feiern Jüdinnen und Juden das Neujahrsfest Rosch ha-Schana. Im Judentum beginnt ein Kalendertag mit Einbruch der Nacht am Vorabend, also mit Sonnenuntergang. Darum beginnt das Fest am heutigen Freitagabend und dauert anschließend zwei Tage lang. Weil der jüdische Kalender sich am Mond orientiert, „wandert“ das Datum im gregorianischen Kalender. Dieses Jahr fällt Rosch ha-Schana auf das Wochenende vom 12. und 13. September.
Das ist auch der Grund, weshalb das Schofar zu Beginn des Fests stumm bleibt. In das Widderhorn wird traditionell im Morgengottesdienst in der Synagoge nach der Tora- und Prophetenlesung sowie an mehreren Stellen des Zusatzgebets in festgelegten Tonfolgen geblasen. Doch es gibt eine Ausnahme: wenn der Festtag auf einen Schabbat, also einen Samstag, fällt. Genau das ist in diesem Jahr der Fall. Darum wird erst Sonntag in das Schofar geblasen. Am Sonntagmittag gegen 13.15 Uhr wird das sogar öffentlich auf dem Münchner St.-Jakobs-Platz vor der Synagoge passieren.
Warum der jüdische Kalender 5787 statt 2026 zeigt
Nach dem jüdischen Kalender wird heuer das Jahr 5787 gefeiert. An Rosch ha-Schana im Jahr 3761 vor der Zeitenwende, so glauben Jüdinnen und Juden, soll Gott die Erschaffung der Welt vollendet haben.
Für Jüdinnen und Juden ist dies ein Anlass, Bilanz über ihr Verhalten im vergangenen Jahr zu ziehen und für die Zukunft zu beten. Mit dem neuen Jahr beginnen die „Zehn ehrfurchtsvollen Tage“, die mit dem höchsten jüdischen Feiertag, dem Versöhnungsfest Jom Kippur, enden. Erst dann wird ausgelassen gefeiert.
Nach Fisch gibt es Honigäpfel
Zum Essen darf bei vielen an diesem Fest „Gefilte Fisch“ nicht fehlen. Das ist eine kalte Vorspeise, typisch für die traditionelle jüdische Küche in Mittel- und Osteuropa. Gefilte Fisch kann auf verschiedene Arten zubereitet werden. Manchmal sieht das Gericht aus wie Fleischpflanzerl aus Fisch.
„Danach gibt’s Fleisch, süße Karotten mit Pflaumen und Zuckerkuchen“, erzählt Anna Zisler, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde im niederbayerischen Straubing. Außerdem wird zu Rosch ha-Schana ein in Honig getauchter Apfel verzehrt: „Alles ist sehr süß, um sicherzugehen, dass wir ein süßes, gutes Jahr erleben werden.“
Noch eine Ausnahme: Jüdische Schüler haben sowieso schulfrei
An Rosch ha-Schana sind jüdische Schülerinnen und Schüler ohne besonderen Antrag von der Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht und sonstigen schulischen Veranstaltungen befreit. Da dieses Jahr die Feiertage auf das letzte Wochenende innerhalb der Sommerferien fallen, haben sie ohnehin frei.

