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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > BayWa: Hat Wirtschaftsprüfer PwC die prekäre Lage verschleiert?
Wirtschaft

BayWa: Hat Wirtschaftsprüfer PwC die prekäre Lage verschleiert?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 6. September 2024 15:06
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Die BayWa ist in Schieflage: Gläubigerbanken und die Großaktionäre, wie die Bayerische Raiffeisen Beteiligungs-AG und die Raiffeisen Agrar Invest, haben im August mit einer 550 Millionen Euro hohen Überbrückungshilfe die Zahlungsunfähigkeit des bayerischen Agrarkonzerns abgewendet.

Inhaltsübersicht
Kein Hinweis in der Bilanzprüfung 2023BayWa streicht Dividende – Bilanzprüfung geht trotzdem durchWarum die BayWa-Prüfung gegen das Handelsgesetz verstoßen könnteBayWa-Sanierungsgutachten soll bis Ende September kommen

Kein Hinweis in der Bilanzprüfung 2023

Dabei wären die existenziellen Schwierigkeiten schon im vergangenen Herbst absehbar gewesen. Die Öffentlichkeit erfuhr davon aber nichts. Wie die Börsen-Zeitung berichtet, könnte das die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) nun in Bedrängnis bringen. PwC hatte als Bilanzprüfer nämlich nicht – wie gesetzlich vorgeschrieben – auf die prekäre Lage hingewiesen.

Wie aus dem Konzernfinanzbericht für das Vorjahr hervorgeht, hat sich der BayWa-Aufsichtsrat im Beisein des PwC-Abschlussprüfers Anfang November 2023 umfassend mit der zurückliegenden und künftigen Geschäftsentwicklung beschäftigt. Zwei Tage später meldete die BayWa einen Nettoverlust von 17 Millionen Euro. Im März gab der Konzern dann für das Gesamtjahr 2023 einen Fehlbetrag von 93 Millionen Euro bekannt. Es war der erste Jahresverlust in der über 100-jährigen Firmengeschichte.

BayWa streicht Dividende – Bilanzprüfung geht trotzdem durch

Die Probleme waren also wohl schon im vergangenen Herbst absehbar. Dennoch hat PwC im März der BayWa für die Bilanz 2023 ein uneingeschränktes Testat gegeben. Das bedeutet, dass der Jahresabschluss keine wesentlichen Mängel aufweist und den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Im Prüfungsbericht fehlt jeder Hinweis, in welch prekärer Lage sich das Unternehmen aus München schon da befand. Dabei hatte die BayWa bereits zwei Wochen vorher mitgeteilt, die Dividende für 2023 zu streichen, mit Verweis auf „die Zinsbelastung und die Steuerquote“.

Wie Max Gutbrod, Jurist an der Universität Potsdam, der Börsen-Zeitung sagt, hätten die Wirtschaftsprüfer auch untersuchen müssen, ob die Fortführung des Betriebs gesichert sei. „Das wäre zweifelhaft, wenn Darlehen aller Art abliefen und ihre Verlängerung unwahrscheinlich ist“, so Gutbrod.

Tatsächlich war es der BayWa dann nicht gelungen, am Kapitalmarkt Anleihen über 250 Millionen Euro einzusammeln. Die Investoren schreckten davor zurück, dem Agrarkonzern mit Milliardenschulden und einem verlustreichen Geschäft neues Geld zu geben.

Warum die BayWa-Prüfung gegen das Handelsgesetz verstoßen könnte

PwC könnte deshalb jetzt in Erklärungsnot kommen. Es sei merkwürdig, dass die Wirtschaftsprüfer in ihrem Testat auf Hinweise und Warnungen zur finanziellen Lage der BayWa verzichteten – trotz der schon im März extrem schwierigen Situation, schreibt die Börsen-Zeitung. PwC könnte damit gegen geltendes Recht verstoßen haben.

Im Handelsgesetzbuch (HGB) heißt es, dass im Testat „auf Risiken, die den Fortbestand der Kapitalgesellschaft oder eines Konzernunternehmens gefährden“, gesondert „einzugehen“ sei. Ein Testat von Wirtschaftsprüfern ist dabei nicht nur wichtig für das Unternehmen selbst, sondern auch für die Aktionäre.

Wird die HGB-Vorschrift nicht eingehalten, ergibt sich daraus ein Haftungsrisiko gegenüber dem Mandanten. Das wäre im Falle von PWC die BayWa. Erst Mitte Juli hatte der Agrarkonzern dann offiziell mitgeteilt, ein Sanierungsfall zu sein.

BayWa-Sanierungsgutachten soll bis Ende September kommen

PricewaterhouseCoopers wollte sich gegenüber BR24 zu all dem nicht äußern und verweist auf gesetzliche Vorschriften, wonach man grundsätzlich über Mandanten keine Auskunft geben dürfe. Auch die BayWa mochte im Moment keinen Kommentar abgeben.

Noch ist die BayWa nicht über den Berg. Die Beratungsgesellschaft Roland Berger erarbeitet derzeit ein Sanierungsgutachten inklusive einer Fortbestandsprognose. Voraussichtlich Ende September soll es vorgestellt werden. Sicher scheint, dass dem bayerischen Agrarhandelskonzern noch schwere Zeiten bevorstehen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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