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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > 30 Jahre Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater
Kultur

30 Jahre Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 10. Juli 2024 15:56
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Wenn mit „geschmackvoll“ gemeint ist, dass alles sauber und gesittet vonstatten gehen muss, dann haben sich die Handpuppenspieler Richard Oehmann und Josef Parzefal in ihrer Namenswahl „Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“ gründlich vertan. Wenn Geschmack aber vielmehr – in Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Oscar Wilde – bedeutet, sich nur mit dem Besten zufrieden zu geben, dann ist kein passenderes Etikett denkbar.

Inhaltsübersicht
Weder brav noch moralischNeues Hörspiel: „Kasperl und der Purzelprinz“Sebastian Bezzel – eine von vielen prominenten Gast-Stimmen

Aufgetreten wird in ganz Bayern, in Schulen und Kindergärten, zu Kulturveranstaltungen, Firmenfesten, Geburtstagen und Hochzeiten. Der Sitz ist nicht in Hinterwieselharing, sondern im niederbayerischen Aiterhofen bei Straubing.

Weder brav noch moralisch

Auf der anderthalb Meter breiten Puppenbühne respektive in den Döblinger-Hörspielabenteuern geht es definitiv nicht brav oder hoch moralisch zu. Seit 30 Jahren machen Oehmann und Parzefall nun schon große Kinderkunst auf kleinstem Raum.

„Was holt man sich bei Purzelbaum? – Darmverschlingung.“ Belehrungen aus Erwachsenenmund, wie sie hier König Kurt seinem Sohn Prinz Jochen angedeihen lässt? Ein erhobener Zeigfinger gar? Richard Oehmann und Josef Parzefall ist derlei gänzlich fremd. „Bei uns ist es eher so, dass wir keine Lust darauf haben, dass irgendjemand am Schluss von der Folge sagt: O, da hab ich jetzt was gelernt!“, meint Richard Oehmann, und Josef Parzefall ergänzt: „Eins gibt es schon: einen roten Faden. Und zwar, dass Verhaltensweisen und Phrasen, die uns unsympathisch erscheinen, auch als unsympathisch rüberkommen in den Stücken.“

Neues Hörspiel: „Kasperl und der Purzelprinz“

Keine Moral von der Geschicht‘ also. Durchaus aber subtil-satirische Seitenhiebe auf gesellschaftlich weit verbreitete Unsitten und -arten – das ist sicherlich wesentlicher Bestandteil des Erfolgsrezepts von Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater.

Davon zeugt einmal mehr das saukomische neue Hörspielabenteuer „Kasperl und der Purzelprinz“. Während Prinz Jochen am liebsten den lieben langen Tag im Schloss herumkugeln würde, möchte sich sein Papa König Kurt nahbar geben und einen uralten Brauch – Obacht Widerspruch! – neu erfinden. „Guatln“, also Bonbons, dienen ihm dabei sozusagen als Opium fürs Volk. Kasperl und sein treuherziger Sidekick Seppl verfolgen derweil ihre eigene Agenda. Sie sind auf der Suche nach einem geeigneten Hausdach, gegen das sie ungestört einen Ball ballern können, ohne fortwährend von den Erwachsenen ermahnt zu werden.

Wie immer spricht Richard Oehmann nicht nur den Kasperl und Josef Parzefall nicht nur den Seppl. Mit virtuoser Stimmbandakrobatik verleihen die beiden einer Vielzahl von Figuren unverwechselbaren Charakter, etwa Alois Klingshirn, dem behäbigen Bürgermeister der Kasperl-Kleinstadt Hinterwieselharing oder der Gretel, die bei Doctor Döblinger nicht das Gspusi vom Kasperl ist, sondern eine betriebsnudelige Lokalreporterin.

Sebastian Bezzel – eine von vielen prominenten Gast-Stimmen

Die Gretel ist es auch, die – um noch mehr PR für König Kurt zu machen – TV-Starmoderator Sören Pfaffinger engagiert. Die Figur des prominenten Fernsehmanns ist prominent besetzt – mit Sebastian Bezzel, bekannt vor allem als Hauptdarsteller der Rita-Falk-Krimiverfilmungen um den Provinzpolizisten Franz Eberhofer. Auch Bezzel outet sich als Fan der Döblingers: „Ja, es ist herrlich, es ist wunderbar. Es ist weg vom Mainstream. Es ist weg von so einer amerikanischen Disney-Pseudo-Kinderkultur. Und deswegen bin ich davon so begeistert.“

Gastauftritte wie der von Sebastian Bezzel haben Tradition in den Hörspielen von Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater. Auch der jüngst verstorbene Fredl Fesl hat schon in einer Folge mitgespielt, die Kabarettisten Josef Hader und Gerhard Polt, oder die Kabarettistinnen Veronika von Quast und Luise Kinseher. Letztere bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: „Für mich ist das wirklich das Destillat des geballten bayerischen Irrsinns. Und dieser Irrsinn bildet mit ganz viel Liebe und Weisheit die heilige Dreifaltigkeit, die über allen Geschichten von Doctor Döblingers Kasperltheater steht.“

Luise Kinseher war die Glücksfee Endorphine im Hörspiel „Kasperl und das Löffelkraut“, und beinah hat es den Anschein, als begleite diese gute Fee das Schaffen von Josef Parzefall und Richard Oehmann – unsicht- und hör-, aber sehr wohl spürbar – bis heute, so zuverlässig wie deren Puppenbühnenstücke und Hörabenteuer für Glückshormonausschüttungen sorgen, und zwar auch bei Erwachsenen, die – statt ihre Kinder zu belehren – gemeinsam mit ihnen beglückt zuhören und -schauen. Das wiederum beglückt den Handpuppenspieler Parzefall: „Es ist schon eine rechte Freude, wenn man hinten die Väterfraktion im Bass lachen hört. Und dann gleich drauf wieder die Zweijährigen. Das ist eine schöne Abwechslung.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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