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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Als würdest du erwürgt“: Céline Dion-Doku schockiert Zuschauer
Kultur

„Als würdest du erwürgt“: Céline Dion-Doku schockiert Zuschauer

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 27. Juni 2024 12:10
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Die Reaktionen sind aufwühlend und sorgen im Netz für eine aufgeregte Debatte, nicht nur unter den Fans: Zuschauer der Doku „I Am: Céline Dion“ (Amazon Prime) zeigten sich von der Schlussszene schockiert, beschrieben den dargestellten Krampfanfall der Sängerin wahlweise als „quälend“, „kaum auszuhalten“ oder „herzzerreißend“.

Inhaltsübersicht
„Da ist etwas im Gange“„Sie konnte es nicht mehr aushalten“„Was tun wir, wenn das passiert?“Dion: „Ich muss lernen, damit klarzukommen“

Patientinnen, die ebenfalls unter dem Stiff-Person-Syndrom (SPS) leiden, schrieben düstere Kommentare, nachdem sie den TV-Film gesehen hatten, den Dion als „Zeichen der Hoffnung“ verstanden wissen will „Es gibt keinen Moment ohne Schmerzen. Selbst mit Behandlung ist es eine elende Art zu sterben. Ich kenne ihren Schmerz in- und auswendig. Es wird nur noch schlimmer werden. Es tut mir so leid für sie.“

„Da ist etwas im Gange“

Regisseurin Irene Taylor wusste nach eigenen Angaben vor den Dreharbeiten nicht, dass die weltbekannte kanadische Sängerin seit vielen Jahren mit der unheilbaren Krankheit ringt. Sie habe allerdings den Eindruck gehabt, dass der Pop-Star „wirklich etwas loswerden“ wollte, so Taylor gegenüber dem US-Branchenblatt „Variety“ [externer Link], das wie viele andere Medien die PR-Kampagne der Produzenten mit zahlreichen Artikeln befeuerte: „Ich konnte sehen, dass da etwas in ihr vorhanden war, dass sich missverstanden fühlte. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben dieses Gefühl, dass die Leute sie nicht kennen, aber bei ihr habe ich es wirklich gespürt. Ich dachte wirklich: ‚Hm. Da ist etwas im Gange.'“

„Sie konnte es nicht mehr aushalten“

Erst der Manager von Dion habe sie darüber aufgeklärt, dass die Sängerin seit Jahren schwer krank sei, so Taylor, die zwei Vorkommnisse bei den Dreharbeiten für besonders bemerkenswert hält. Gleich am ersten Tag sei deutlich geworden, dass Dion sich „schuldig“ gefühlt habe, weil sie ihre Fans über ihren Gesundheitszustand „belogen“ habe. Beim bisher unheilbaren Stiff-Person-Syndrom versteifen sich die Muskeln unvorhersehbar krampfartig. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Nervenzellen des Rückenmarks geschädigt werden.

Dion sei gleich zu Beginn der zehnmonatigen Dreharbeiten erleichtert gewesen, ihr jahrelanges Schweigen zu brechen, behauptete die Regisseurin: „Irgendwann war sie an einem Punkt angelangt, an dem ihr Körper einfach auseinanderfiel. Sie konnte die Menge an Medikamenten, die sie einnahm, um überhaupt zu funktionieren, nicht mehr ertragen. Sie konnte es nicht mehr aushalten.“

„Was tun wir, wenn das passiert?“

Der zweite „außergewöhnliche“ Moment sei der jetzt viel diskutierte Krampfanfall von Dion während der Dreharbeiten gewesen, so Taylor: „Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, während meine Kamera läuft, außerordentlich gering. Hier haben wir eine Frau, die eine herausragende Sängerin ist, und eine Ikone, die an einer seltenen, sehr seltenen Krankheit leidet, und dann passiert diese wirklich unvorhersehbare Sache, während meine Kamera läuft. Niemand hat damit gerechnet, dass so etwas geschieht. Wir hatten vorher nie darüber gesprochen: ‚Was tun wir, wenn das passiert?‘ Wir haben dieses Gespräch nie geführt, weil wir einfach davon ausgegangen sind, dass es nicht passieren würde.“

Die aus dem kanadischen Québec stammende Céline Dion, eine der erfolgreichsten Sängerinnen der Welt („My Heart Will Go On“, „The Power of Love“) und langjährige Las-Vegas-Showikone, hatte in einem Interview mit dem US-Sender NBC gesagt, sie fühle sich bei den Krampfattacken, als ob jemand sie erwürgen wolle: „Als ob dein Kehlkopf, dein Rachen abgedrückt wird.“ Bei einem besonders schlimmen Anfall habe sie sich sogar Rippen gebrochen. Sie hoffe, dass die Medizin irgendwann noch ein „Wunder“ vollbringen werde, vorerst müsse sie jedoch mit der Krankheit leben, so Dion gegenüber „Vogue France“.

Dion: „Ich muss lernen, damit klarzukommen“

„Fünf Tage die Woche mache ich Sport-, Physio- und Stimmtherapie“, beschrieb sie ihren Alltag: „Ich arbeite an meinen Zehen, meinen Knien, meinen Waden, meinen Fingern, meinem Gesang, meiner Stimme. Ich muss jetzt lernen, damit klarzukommen und aufhören, mich ständig selbst in Frage zu stellen. Anfangs habe ich mich gefragt: Warum ich? Wie ist das passiert? Was habe ich getan? Ist das meine Schuld?“

Dion habe „nie stärker“ gewirkt, als in der jetzt gestarteten Doku, behaupteten Kritiker. Die dargestellten Szenen seien „eindeutig nicht gestellt“ gewesen. Besonders beeindruckend sei der Putz- und Ordnungsfimmel der Diva, deren „Sockenschublade“ penibel aufgeräumt sei. Das Biopic wurde in „Variety“ mit einem ähnlichen Film über den an Parkinson erkrankten Hollywoodstar Michael J. Fox verglichen: „Das heißt, beide Dokumentationen konzentrieren sich auf die Widerstandsfähigkeit ihrer Protagonisten und zeigen Momente der Verletzlichkeit und des Schmerzes, die in unserer behindertenfeindlichen Medienkultur mutig wirken.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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