An diesen Moment wird sich Leonhard Bauer, ein gläubiger Katholik, lange erinnern: seine Segnung im Münchner Liebfrauendom. Zum ersten Mal fand ein Jugendgottesdienst für queere Menschen offiziell im Rahmen des Christopher Street Days (CSD) im Münchner Dom statt.
Die Segnung gibt ihm Kraft. Bauer fühlt sich eher zu Männern hingezogen. Mit 17 Jahren hatte er sein Coming Out. Von klein auf fühlt er sich in der katholischen Kirche daheim. Viele Jahre war er Ministrant, heute ist er Diözesanvorsitzender der Katholischen Landjugend München-Freising. Der 21-Jährige freut sich sehr, dass es endlich einen CSD-Gottesdienst im Münchner Dom gibt.
„Der Mensch ist gut, so wie ihn Gott geschaffen hat“
Glaube und Gemeinschaft mit anderen Christen, das gehört für den angehenden Erzieher zusammen. Seine Überzeugung: Der Mensch ist gut, so wie ihn Gott geschaffen hat, egal ob schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell. „Love is no sin!“ – Liebe ist keine Sünde, unter diesem Motto ist Leonhard Bauer auch bei der CSD-Parade durch München mitgelaufen, mit der Gruppe des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) München und Freising.
Mit dabei bei der CSD-Parade war auch Isabella Fischer. Sie beobachtet, dass Hass und Kriminalität aktuell gegen queere Menschen wieder zunehmen. Deswegen geht auch sie für die Gleichberechtigung queerer Menschen auf die Straße. Dass die Erzdiözese München und Freising gemeinsam mit der Münchner Dompfarrei und dem BDKJ einen CSD-Gottesdienst veranstaltet, freut sie.
Kirche und CSD: Politische Parade und katholische Glaubenslehre
Es gibt auch kritische Stimmen gegen einen Gottesdienst für queere Menschen, weiß Johanna Gressung, Jugendseelsorgerin der Erzdiözese München und Freising. Die Verbindung von politischer Parade und katholischer Glaubenslehre anlässlich des Christopher Street Days fänden nicht alle gut.
Bei einer Umfrage in der Münchner Innenstadt aber äußern sich Menschen durchwegs positiv zum CSD-Gottesdienst. Queere Menschen seien Menschen wie alle anderen auch und sollten auch ihren Gottesdienst bekommen, sagt eine Frau bei einer Umfrage in der Münchner Innenstadt. Kirche müsse sich weiterentwickeln und für alle öffnen, sagt ein junger Mann.
Gressung ist überzeugt, dass Gott alle Menschen liebt. Aus dieser Liebe entstehe Verantwortung für den Nächsten und für die ganze Welt. Beim CSD-Gottesdienst spendet sie Einzel- oder Paar-Segen, gemeinsam mit anderen Seelsorgern.
Möglichkeit zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare hängt vom Ortsbischof ab
Erst kürzlich hat Kardinal Marx Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare in seinem Bistum erlaubt, auf der Grundlage einer Handreichung der Katholischen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der Katholiken.
Keine Erlaubnis dazu gibt es zum Beispiel in Passau und Regensburg. Das findet Jakob Stadler sehr schade. Der Diözesanvorsitzende vom BDKJ München und Freising kennt den Vorwurf, dass queere Menschen nicht fromm genug seien. Als gläubiger Christ freut er sich nun umso mehr, dass er sich in seinem Bistum gemeinsam mit seinem Partner segnen lassen kann. Den Rückhalt, den er in seinem Jugendverband als queerer Mensch erlebt, würde er sich von der ganzen Kirche wünschen.

