Erst ein günstiges App-Angebot für Aktien und ETFs, dann niedrige Gebühren für das geplante Altersvorsorgedepot, jetzt auch noch Bitcoin: Die Sparkassen legen derzeit ein Tempo vor, das ihnen einige Beobachter wahrscheinlich kaum zugetraut hätten. Mit dem klassischen roten Sparbuch hat das kaum mehr etwas gemeinsam.
Den Anfang hatte im Sommer „S-Neo“ gemacht, womit Kundinnen und Kunden zu niedrigen Gebühren an der Börse handeln können. Danach stiegen die Sparkassen mit ihrer Fondsgesellschaft Deka in den Preiskampf ums Altersvorsorgedepot ein. Und nun haben erste Institute den Handel mit Kryptowährungen freigeschaltet, etliche weitere sollen folgen.
Innerhalb weniger Monate sind die Traditionshäuser damit in Geschäftsfelder vorgestoßen, die in den vergangenen Jahren vor allem Neobroker und Digital-Banken besetzt hatten. Nimmt die eigene Digitalstrategie damit endlich Fahrt auf oder ist es eine hektische Aufholjagd, zu der die Sparkassen von der Konkurrenz gezwungen werden?
Sparkassen verlieren seit Jahren Marktanteil bei Wertpapierdepots
„Ich glaube, die Sparkassen haben schon lange an einer digitalen Strategie gearbeitet, aber kamen nie so richtig voran“, sagt Hans-Peter Burghof zu BR24. Der Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim schreibt das Tempo der vergangenen Monate auch den Neobrokern zu, die wie ein Katalysator gewirkt hätten.
Wer es weniger gut meint, sieht dagegen einen „überfälligen Abwehrkampf um jüngere Kundengruppen“. So schreibt es Anja Amend von der Marketingagentur Finanzerfahrungen in einem Fachbeitrag (externer Link).
Die Statistik zeigt: Zwar wächst auch bei den Sparkassen die absolute Zahl der Wertpapierdepots – doch zugleich schrumpft ihr Marktanteil seit Jahren. Waren es 2020 laut Daten der Digitalisierungsberatung Finwyz noch etwa 27 Prozent, sind es mittlerweile nur noch rund 21 Prozent. Bei den Genossenschaftsbanken fallen die Zahlen ähnlich aus. Andere konnten dagegen Marktanteile hinzugewinnen, allen voran Trade Republic.
Gebühren bei Sparkassen: Wie viel ist zu teuer?
Die Chance der Sparkassen sieht Banken-Experte Burghof in der Kombination aus den digitalen Angeboten und dem Kundenservice vor Ort mit Mitarbeitern, die regional verwurzelt sind. Dann wäre auch ein Mittelweg bei den Gebühren denkbar: „Etwas teurer zu sein als rein digitale Anbieter und zugleich mehr Service zu bieten – aber auch nicht zu teuer, damit keine Kunden abspringen“, skizziert er.
Dabei betonen die Sparkassen, dass sich S-Neo und der Handel mit Kryptowährungen gezielt an „Selbstentscheider“ richten. „S-Krypto wird ausschließlich digital ohne Beratung bereitgestellt“, schreibt der Sparkassenverband Bayern. Und weiter: „Das Ziel ist sicherer Zugang, keine Anlageempfehlung.“
Kryptowährungen bei Sparkassen kaufen – aber keine Beratung
Co-Pierre Georg hält genau das für problematisch. Er ist Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und sagt zu BR24: „Wenn Kunden darauf vertrauen, dass ihnen ihre lokale Sparkasse nur vertrauenswürdige Finanzinstrumente anbietet, könnten sie dazu verleitet werden, eben doch in Krypto zu investieren und gegebenenfalls alles verlieren.“
Für ihn gleicht die Strategie deshalb einem „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“: Anbieten, ja, weil es der Markt erfordert – aber möglichst begrenzt. Handelbar sind mit Bitcoin, Ethereum, Ripple, Solana und Polygon zunächst auch nur fünf Kryptowährungen.
Den Verband ficht das nicht an, er nennt Krypto-Werte selbst „hochspekulativ“. Sie seien kein „Ersatz für eine solide Vermögensstruktur“ – nur wer sich der Risiken bewusst ist, solle überhaupt über ein Investment nachdenken. Zugleich hätten in jüngster Zeit aber auch mehr Kunden danach gefragt.
Eigene Rechenzentren für digitale Sparkassen-Angebote
Für die Sparkassen bleibt der Spagat zwischen analoger und digitaler Welt kompliziert. Zumindest an den technischen Voraussetzungen sollte er aber nicht scheitern. Ihre Apps und Angebote laufen über die gemeinsame Tochter Finanz Informatik, die Rechenzentren und die nach eigenen Angaben größte Banken-Cloud in Europa betreibt. Die Infrastruktur ist also vorhanden – es kommt vor allem darauf an, was die Sparkassen daraus machen.

