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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Nach dem Aus der „Säntis“-Bergung: Wie es jetzt weitergeht
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Nach dem Aus der „Säntis“-Bergung: Wie es jetzt weitergeht

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 29. Mai 2024 14:05
Von Michael Farber
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6 min. Lesezeit
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Silvan Paganini steht auf dem Deck des Bergeschiffs „Mary“ im Hafen von Romanshorn in der Schweiz. Vor ihm steht eine Spule aus Metall. Fast zwei Meter hoch. Rostrot. Paganini zeigt mit dem Finger auf ein Metallteil und sagt: „Da ist es gerissen.“ Eine Schwachstelle. Der Stahl hat nicht gehalten. Das Holz an der Bremse riecht verbrannt.

Inhaltsübersicht
Bodensee muss wieder aufgeräumt werdenBremssystem hat wohl versagtMit mehr Geld könnte Bergung noch möglich seinProjekt mit Freiwilligen und SpendenDie „Säntis“ wurde absichtlich im See versenktSo sollte die Bergung funktionieren

Auf der Spule – eine sogenannte Bobine – waren vier gut zwei Zentimeter dicke Stahlseile aufgerollt. Sie sollten eine Stahlplattform stabilisieren. Doch jetzt liegen sie auf dem Grund des Bodensees. Statt die „Säntis“ zu heben, muss das Team vom Schiffsbergeverein in Romanshorn jetzt Stahlseile, Lufttanks, einen Tauchroboter und anderes Material erst wieder an die Oberfläche holen. Denn die „Säntis“ liegt noch immer in 210 Meter Tiefe, die Bergung ist am Sonntag endgültig gescheitert.

Bodensee muss wieder aufgeräumt werden

Jetzt geht es erst einmal darum, all das Material wieder vom Grund nach oben zu holen. Und auch der Kanton Thurgau teilt dazu auf Anfrage mit: „Der Schiffsbergeverein ist gemäß der Bewilligung verpflichtet, alles Material – einschließlich aller Hilfsmittel sowie aller Anlagen – wieder aus dem See zu entfernen.“ Dazu seien bereits Teile bestellt worden – es dauere allerdings, bis sie geliefert sind, so Paganini. Bis dahin will das Team des Schiffsbergevereins sich ein genaues Bild vom Seegrund machen. Dabei soll eine 3-D-Vermessung helfen.

Bremssystem hat wohl versagt

Noch ist nicht abschließend geklärt, wie es dazu kam, dass die Plattform plötzlich in die Tiefe geschossen ist. Projektleiter Paganini sprach von einer großen Dynamik. Es reiche, dass sich irgendwo eine Leine eingehakt habe, um alles in Schieflage zu bringen. Er sagte: „Dieser Absenkvorgang war so schnell, dass man es nicht mehr kontrollieren kann.“ Für Silvan Paganini ist inzwischen eines klar: Das Bremssystem hat versagt, weil die Bobine leicht oval ist, also eine Unwucht hat. Die Mechanik bekomme bei jeder Umdrehung einen Schlag, worauf die Bremse nicht ausgelegt gewesen sei, so Paganini.

Mit mehr Geld könnte Bergung noch möglich sein

Einige Tage nach dem Aus für die Bergung sagt Silvan Paganini, er sei überzeugt, dass die Bergung an sich trotz allem machbar sei: „Das ist immer gefährlich, wenn ein Ingenieur anfängt zu rechnen und merkt plötzlich, es könnte ja gehen.“ Er sagt, er habe zumindest zwei Dinge bisher für sich gelernt: So ein Projekt nicht nur mit Freiwilligen, sondern festen Mitarbeitern zu stemmen, und: „Mache es nicht mit einem Minimum an finanziellen Mitteln. Wir mussten mit einem Minimum das Maximum erreichen.“ Das Geld, das eigentlich dafür gedacht war, die „Säntis“ nach der Bergung zu konservieren, soll jetzt dafür aufgewendet werden, das versunkene Material wieder an die Oberfläche zu holen.

Projekt mit Freiwilligen und Spenden

Rund zwei Jahre Arbeit hatten die Mitglieder des Schiffsbergevereins in das Projekt gesteckt. Alles ehrenamtlich. Sie hatten den Verein extra gegründet, Spenden per Crowdfunding gesammelt. Schlussendlich sind laut Silvan Paganini umgerechnet etwa 260.000 Euro zusammengekommen. Das klingt viel, doch er betont: „Das ist noch immer Low Budget.“ Deshalb haben sie monatelang geplant, getüftelt, vieles selbst gebaut und geschweißt.

Neben der finanziellen Unterstützung halfen Firmen aus der ganzen Welt mit Fachwissen, Arbeitskraft und Material. Die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt AG (SBS), bei der Paganini als technischer Betriebsleiter angestellt ist, hat etwa die Werft über Monate zur Verfügung gestellt. Gönner von der Arabischen Halbinsel hätten Hebesäcke per Luftfracht geschickt, Firmen aus Deutschland beteiligten sich mit Know-how und speziellen Metallteilen aus dem Offshore-Bereich an der Aktion.

Die „Säntis“ wurde absichtlich im See versenkt

Das alles, um die „Säntis“ zu bergen, zu konservieren und danach der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, als technisches Monument, wie Silvan Paganini sagt. Das Schiff war am 2. Mai 1933 mit Schweizerfahne am Heck und Rauchpatrone im Kamin kurzerhand im See versenkt worden, um die Kosten der Verschrottung zu sparen. Davon zeugen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Vergangenes Jahr hatte der Schiffsbergeverein das Wrack für einen symbolischen Franken von der SBS gekauft, der es ab Mitte der 1990er-Jahre gehörte. Im Februar hatte der Verein grünes Licht von allen Behörden der Anrainer-Staaten für die Bergung bekommen – ein Novum am Bodensee.

So sollte die Bergung funktionieren

Der Plan war folgender: Die Stahlplattform mit den Tanks und den Hebesäcken sollte zum Wrack abgelassen und dort mit Seilen verbunden werden, die bereits unter dem Schiffsrumpf hindurchgezogen worden waren. Per Kompressor sollten dann die Säcke mit Luft befüllt werden, wie riesige gelbe Ballone. Die sollten das 126 Tonnen schwere Schiff zunächst vom Boden lösen. Danach sollten die Stahltanks ebenfalls erneut mit Luft befüllt werden, um so die „Säntis“ an die Oberfläche steigen zu lassen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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