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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Wie Schwabachs digitaler Zwilling vor Katastrophen schützt
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Wie Schwabachs digitaler Zwilling vor Katastrophen schützt

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 29. Mai 2024 18:33
Von Michael Farber
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3 min. Lesezeit
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Im Schwabacher Rathaus sitzt Digital-Lotse Jan Müller-Kaderschafka vor dem Computer und blickt auf Schwabach in klein. Rathaus, Kirche, Häuser, Bäume und der Fluss – alles da auf seinem Bildschirm. „Digitaler Zwilling“ nennen sie das Modell, in dem man sich per Mausklick fortbewegen kann, ähnlich wie in einem Computerspiel. Die topografischen Merkmale und Gebäudemaße sind so genau wie möglich. Nur die Fassaden sehen nicht ganz so aus wie in Wirklichkeit, sie sind einfach nur grau.

Inhaltsübersicht
Wissensvorteil kann Leben rettenBundespreis in Aussicht

Mithilfe dieses Modells können sie in der Goldschlägerstadt Schwabach jetzt zum Beispiel Hochwasser des gleichnamigen Flusses simulieren. „Wir können sehen, wo tendenziell Keller oder Straßen unter Wasser stehen werden, wo können wir Bauherren schon mal drauf vorbereiten, wo die Schwabach ihr Flussbett erweitern wird, um dementsprechend auch baulich vorsorgen zu können“, erklärt Müller-Kaderschafka. Die überfluteten Gebiete werden blau eingefärbt. Mittendrin steht ein städtischer Kindergarten. Die Leiterin sei durchaus überrascht gewesen, als ihre Kollegen ihr das Überflutungsszenario gezeigt hätten, berichtet der Digital-Lotse.

Wissensvorteil kann Leben retten

Christopher Popp vom städtischen Katastrophenschutz schätzt den Wissensvorteil, den der digitale Zwilling bringt. Nun wüssten sie genau, welche Orte zuerst betroffen seien, wo Feuerwehren und THW Sandsäcke schnell ausbringen und Gebäude evakuieren müssten. Im Notfall könne ein Zeitvorsprung Leben retten, so Popp. Aber auch die Bürger können das Programm nutzen, zum Beispiel, um bei Hitze zu wissen, welche Bereiche der Stadt sie eher meiden sollten und wo es hingegen kühl bleibt.

Der Marktplatz vor dem Rathaus etwa gehört zur ersteren Kategorie. Müller-Kaderschafka erklärt: „Die roten Flächen, die man sieht, sind Flächen, die sich bei starker Sonneneinstrahlung besonders stark erhitzen.“ Der gepflasterte Marktplatz, umrandet von vielen Gebäuden und mit nur wenigen Bäumen, ist dunkelrot. Der Stadtpark hingegen ist grün. Stadtplaner könnten ab sofort bei künftigen Bauvorhaben an Frischluftschneisen denken oder Grünflächen und Dachbegrünungen forcieren. Und auch Stadträten sollen künftige Entscheidungen zu Klima- und Bevölkerungsschutz leichter fallen. Denn ein Bild oder gar eine Animation seien aussagekräftiger als reine Zahlentabellen, weiß der Digital-Lotse.

Bundespreis in Aussicht

Für den digitalen Zwilling haben sie in Schwabach vor allem die Daten genutzt, die sie sowieso schon erhoben hatten, Vermessungspläne zum Beispiel. Auch das Computerprogramm, ein Geo-Informationssystem, wird schon seit Jahren genutzt. „Nun haben wir nur noch die dreidimensionale Welt obendrauf gesetzt“, berichtet der Digital-Lotse. Im Wettbewerb „Blauer Kompass“ des Bundesumweltministeriums haben sie es damit in die Endrunde geschafft. Müller-Kaderschafka könnte sich vorstellen, mit dem Preisgeld neue Messstellen einzurichten. Denn aktuell arbeitet das System nur mit Daten aus der Vergangenheit. Künftig aber soll es mit Temperaturen und Wasserständen in Echtzeit funktionieren.

 

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Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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