Im April war von der saisonüblichen Frühjahrsbelebung am bayerischen Arbeitsmarkt noch nicht viel zu spüren. Im Mai sei das nun anders gewesen, sagt Markus Schmitz. Er ist oberster Chef der bayerischen Arbeitsagenturen und erläutert, die Arbeitslosenzahl sei in diesem Mai sogar deutlicher zurückgegangen als in den Jahren zuvor. Konkret sank sie gegenüber dem Vormonat um 9.190 auf 313.557. In den beiden Vorjahren sanken die Arbeitslosenzahlen im Mai nur um rund 3.900 (2024) und 3.300 (2025). Das heißt, diesmal hat sich der Rückgang fast verdreifacht. Das sei „eigentlich eine schöne Entwicklung“, sagt Schmitz.
Arbeitgeber weiterhin zurückhaltend bei Neueinstellungen
Schmitz stellt aber auch fest: „Von einer Erholung am Arbeitsmarkt können wir jedoch noch nicht sprechen.“ Das zeige schon der Blick auf die Arbeitslosenquote. Sie beträgt 4,0 Prozent. Das sind zwar 0,1 Prozentpunkte weniger als im April, aber 0,1 Punkte mehr als vor einem Jahr.
Als wichtigste Begründung nennt Schmitz die weiterhin sinkende Nachfrage der Betriebe nach Arbeitskräften. So ist der Bestand an offenen Arbeitsstellen mit 102.341 im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Zehntel gesunken. In den vergangenen zehn Jahren sei der Stellenbestand in einem Mai nur während der Corona-Pandemie 2020 noch niedriger gewesen.
„Ohne Zuwanderung ginge Beschäftigung deutlich zurück“
In dieses Bild passt auch, wie sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung entwickelt. Die neueste Hochrechnung dafür liegt den Arbeitsagenturen für März 2026 vor. Demnach ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Vormonatsvergleich um 17.800 auf 5.945.000 gestiegen. Im Vorjahresvergleich aber hat die Zahl um 16.100 abgenommen. Das ist ein Minus von 0,3 Prozentpunkten.
Hintergrund ist die demografische Entwicklung in Bayern. Die Babyboomer-Jahrgänge gehen in den Ruhestand. Doch wird der Verlust an Beschäftigten momentan weitgehend durch die Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften aufgefangen. Schmitz stellt fest: „Wenn wir die Zuwanderung nicht hätten in Bayern, dann würde die Beschäftigung signifikant zurückgehen.“
Arbeitslosenquote: Von 2,3 bis 7,6 Prozent
Die Spreizung der Arbeitslosenquoten ist groß. So liegt ein Fünftel der bayerischen Städte und Landkreise unter 3,0 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit spricht bei Werten unterhalb dieses Schwellenwerts von Vollbeschäftigung. Dazu zählen unter anderem der Landkreis Roth, der mit 2,3 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote in Bayern aufweist, aber auch die Kreise Unterallgäu und Bad Tölz-Wolfratshausen mit je 2,4 Prozent, Eichstätt (2,7 Prozent), Neumarkt in der Oberpfalz (2,6 Prozent) und der Main-Spessart-Kreis (2,8 Prozent).
Am höchsten sind die Arbeitslosenquoten nach wie vor in Aschaffenburg und Hof mit je 7,6 Prozent. Strukturell hoch sind die Quoten in Großstädten wie München (5,4 Prozent), Nürnberg (7,1 Prozent) und Augsburg (6,7 Prozent). Besser stehen etwa Erlangen und Bamberg da mit je 4,7 Prozent. In den Landkreisen gehören Quoten ab 4,0 Prozent zu den Schlusslichtern, so etwa im nordöstlichen Oberfranken. Unter allen bayerischen Landkreisen verzeichnet der Kreis Wunsiedel mit 5,4 Prozent die höchste Arbeitslosenquote.
Arbeitsagentur-Chef: Gute Strukturpolitik in Bayern
Schmitz kann die Unterschiede innerhalb Bayerns erklären. In den Landkreisen gebe es oft eine stabilere Beschäftigungssituation als in großen Städten, sagt er. Landkreise, die sich in Randlagen oder anderen Abhängigkeiten befinden, hätten hingen häufiger eine schwierige Arbeitsmarktlage. Im Gesamtüberblick sieht Schmitz aber auch eine gute Nachricht. „Zwischen den Regierungsbezirken ist der Unterschied lediglich ein Prozentpunkt in der Arbeitslosenquote. Das zeigt, dass Bayern eine gute Strukturpolitik gemacht hat über die letzten Jahrzehnte, und dass wir nicht so eine große Streuung haben wie in anderen Bundesländern.“

