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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Bildungsbericht: Ungleiche Chancen entstehen vor der Einschulung
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Bildungsbericht: Ungleiche Chancen entstehen vor der Einschulung

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 16. Juni 2026 08:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Wenn ein Kind in Deutschland eingeschult wird, ist über seine Bildungschancen meist schon entschieden – so die unbequeme Botschaft des Nationalen Bildungsberichts, den eine unabhängige Wissenschaftlergruppe alle zwei Jahre im Auftrag von Bund und Ländern vorlegt. Schon mit zwei Jahren unterscheidet sich der Wortschatz von Kindern – je nach Bildung der Mutter. Und diese frühen Unterschiede bleiben stabil.

Inhaltsübersicht
Ungleichheit entsteht vor der EinschulungBildung hängt von der sozialen Herkunft ab„Jede Diagnose macht nur Sinn, wenn daraus etwas folgt.“Föderalismus und knappe Kassen

Ungleichheit entsteht vor der Einschulung

Für Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) ist klar: „Die Bildungsschere tut sich ab der Geburt auf. Das entsteht nicht erst in der Schule – in Wahrheit ist es genau andersrum: Die Schere ist zu, wenn ein Kind auf die Welt kommt, und sie öffnet sich dann bis zur Einschulung. Und danach wird sie nur noch unwesentlich geschlossen.“

Wie früh die Schere aufgeht, erleben auch bayerische Schulen. Frank Fiebrich, Fachbereichsleiter Deutsch am Sigena-Gymnasium in Nürnberg, sagt im BR24-Interview: „Das zeigt sich, und zwar immer mehr. Mit immer größeren Scheren, die sich öffnen. Vom Essen, Trinken, Frühstücken bis eigentlich hin zum Lesen.“

Bildung hängt von der sozialen Herkunft ab

Der Nationale Bildungsbericht hält fest: Haben Eltern einen hohen Abschluss, gehen rund 40 Prozent der unter Dreijährigen in die Kita. Bei Eltern mit niedrigem Abschluss nur 20 Prozent. Im internationalen Vergleich hängt der Bildungserfolg in Deutschland besonders stark von der sozialen Herkunft ab.

Neu ist das nicht. Bemerkenswert ist der Widerspruch zwischen Diagnose und Handeln: Bund und Länder haben für 2024 bis 2026 mehrere hundert Programme gegen Bildungsungleichheit gemeldet – die meisten zielen auf die Schule, weniger auf die frühe Bildung. Dabei entsteht ein Großteil der Ungleichheit vor der Einschulung. Es wird also viel getan, aber oft zu spät.

„Jede Diagnose macht nur Sinn, wenn daraus etwas folgt.“

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist eine verpflichtende Sprachdiagnostik für alle Vierjährigen festgehalten. Bundesweit setzen das laut Bericht acht der sechzehn Länder bereits um. In Bayern werden Vierjährige mit Deutschdefiziten seit über einem Jahr getestet, Kinder mit Förderbedarf bekommen im Jahr vor der Einschulung Unterstützung. Im Schuljahr 2025/26 besuchten knapp 43.000 Kinder solche Vorkurse.

Bundesbildungsministerin Prien meint: „Für die Kinder, die besondere Bedarfe haben, ist es sicherlich richtig, zumindest die Sprachförderung verpflichtend zu machen. Einzelne Länder wie Baden-Württemberg machen sich ja jetzt auf den Weg mit einer Kita-Pflicht für das letzte Jahr vor der Einschulung. Das muss man sich anschauen, wie sich das entwickelt. Aber dass Kitas hier größere Verantwortung übernehmen müssen, das ist für mich klar.“

Einheitliche bundesweite Standards bei Tests in der Kita sind bislang Fehlanzeige. Ändern könnte das ein neues Gesetz, das Qualitätsentwicklungsgesetz, das Prien noch vor dem Sommer durchs Kabinett bringen will. Ein Sprachtest aber nütze nur, wenn Förderung folgt, betont Studienautor Kai Maaz vom Leibniz-Institut: „Jede Diagnose macht nur Sinn, wenn daraus etwas folgt.“

Föderalismus und knappe Kassen

Die Umsetzung trifft auf zwei Grenzen: Bildung ist Ländersache, der Bund kann Standards nur anregen. Und das Geld ist knapp – auf mehr davon lässt Prien nicht hoffen.

Der Opposition reicht das nicht. Grünen-Chefin Franziska Brantner fordert mehr Geld vom Bund, sonst werde es später nur teurer. Die bayerische Abgeordnete Nicole Gohlke von der Linken spricht von einem „Bildungs-Roulette, bei dem die Herkunft über die Zukunft entscheidet“ – jedes Kind habe ein Recht auf gute Bildung, „egal, ob in der Villengegend oder im Plattenbau“. Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern müsse fallen.

Mut macht ein Befund im Bericht: Nach dem PISA-Schock 2000 stiegen die Kompetenzen, die sozialen Unterschiede sanken – Ungleichheit ist also veränderbar. Für Studienautor Kai Maaz folgt daraus vor allem eine andere Sicht: „Bildung gehört ins Zentrum staatlicher Zukunftspolitik – nicht als Randthema, sondern als zentrale Zukunftsinvestition.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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