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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Selbstständig als Lerntherapeutin – Lohnt sich das?
Wirtschaft

Selbstständig als Lerntherapeutin – Lohnt sich das?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 6. Juli 2026 08:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Tommy ist 14 Jahre alt und hat Schwierigkeiten, sich in der Schule zu konzentrieren. Auch beim Lesen hakt es, vor allem in Englisch. Doch statt stur über dem Vokabelheft zu sitzen, übersetzt er an diesem Nachmittag Sätze auf Englisch, während vor ihm eine Fliegenklatsche bunte Plastikfische über den Tisch schiebt. Seine Lerntherapeutin Anna-Lena (26) versucht, ihn mit diesen Reizen abzulenken, doch Tommy bleibt fokussiert. Genau das möchte Anna-Lena trainieren.

Inhaltsübersicht
Statt Jura in die LerntherapieSo wichtig ist Bildung für die GesellschaftWas verdient eine selbstständige Lerntherapeutin?Gewinnprognose 2026: 75.000 EuroYoutube-Video: Was verdient eine Lerntherapeutin?

Als Lerntherapeutin unterstützt sie Kinder und Jugendliche, die im klassischen Schulsystem den Anschluss zu verlieren drohen. Im Unterschied zur Nachhilfe steht dabei nicht die nächste Schulaufgabe im Mittelpunkt. Die jungen Patienten, die zu ihr kommen, haben Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS oder Autismus. Mit spielerischen Methoden baut sie Wissenslücken ab und trainiert zusammen mit den Kindern spielerisch Lernstrategien. „Der Großteil der Kinder erlebt mich eher als große Schwester“, erzählt Anna-Lena.

Statt Jura in die Lerntherapie

Eigentlich wollte Anna-Lena mit einem Jura- oder Medizinstudium Karriere machen. Ein Praktikum an einer Grundschule änderte alles. Die Schulleiterin sagte damals zu ihr: „Anna-Lena, das ist dein Job!“ Nach ihrem Abitur studierte Anna-Lena deshalb Grundschullehramt.

In ihrer eigenen Familie hat sie erlebt, wie belastend Legasthenie oder ADHS im Schulsystem sein können und wie schnell Kinder daran scheitern. Während ihres Studiums wurde ihr klar: Im vollen Klassenzimmer bleibt für viele Kinder zu wenig Zeit. Sie wollte individueller arbeiten und entschied sich für eine Weiterbildung zur Dyslexietherapeutin. 2022 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit mit ihrer eigenen Lerntherapiepraxis, zeitgleich arbeitete sie als Lehrkraft an einer Förderschule. Der Lehrerjob sicherte zunächst das Einkommen und brachte ihr Erfahrung mit Kindern, die besondere Unterstützung brauchen. Währenddessen bildete Anna-Lena sich zur Integrativen Lern- und Dykalkulietherapeutin fort.

2025 stieg sie komplett in die Selbstständigkeit ein. Mittlerweile bietet sie zusätzlich Coachings für Fachpersonen und zur Selbstständigkeit an, die sie über Social Media bewirbt.

So wichtig ist Bildung für die Gesellschaft

Mit ihren Therapiestunden will Anna-Lena den Kindern den Bildungsweg ebnen – denn Bildung ist eine der wertvollsten Ressourcen in Deutschland. Wie entscheidend sie ist, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Während die Erwerbslosenquote bei Menschen mit hohem Bildungsgrad bei nur rund 2,9 Prozent liegt, ist sie bei Personen mit niedrigen Abschlüssen mit 8,7 Prozent dreimal so hoch.

Bildung ist jedoch nicht nur für die Einzelnen entscheidend, sondern auch für die volkswirtschaftliche Entwicklung. Eine Modellrechnung des ifo-Instituts (externer Link) von 2025 kommt zu dem Ergebnis: Das Erreichen konkreter Bildungsziele könnte Deutschland langfristig eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von bis zu 20,9 Billionen Euro einbringen – das Fünffache des aktuellen Bruttoinlandsprodukts. Lerntherapie kann ein Baustein sein, um Kindern mit Schwierigkeiten beim Lernen den Zugang zu besseren Abschlüssen zu ermöglichen.

Was verdient eine selbstständige Lerntherapeutin?

2025 erzielte Anna-Lena mit Lerntherapie, Coachings und weiteren Angeboten Betriebseinnahmen von rund 71.500 Euro. Denen stehen Betriebsausgaben von 35.100 Euro gegenüber.

Ihr Gewinn vor Steuer lag damit bei rund 36.400 Euro. Zusätzlich arbeitete sie bis Juli 2025 noch zwölf Stunden pro Woche als Förderschullehrerin und verdiente dabei rund 15.000 Euro. Insgesamt blieben ihr in diesem Modell nach Steuern etwa 3.400 Euro pro Monat. Nach Abzug der privaten Krankenversicherung hat sie monatlich im Schnitt 2.960 Euro verdient.

Gewinnprognose 2026: 75.000 Euro

„2026 läuft bei mir wesentlich besser“, erzählt Anna-Lena. Sie erwartet dieses Jahr mit 75.000 Euro mehr als doppelt so viel Gewinn wie im Vorjahr. Ob sich das lohnt? Für Anna-Lena ist die Antwort klar: „Mein Beruf lohnt sich definitiv. Ich darf Kinder auf ihrem individuellen Lernweg begleiten und dabei auch noch ein gutes Einkommen erwirtschaften.“ In Zukunft kann sie sich vorstellen, ihr Team auszuweiten und andere Lerntherapeuten bei sich anzustellen.

Youtube-Video: Was verdient eine Lerntherapeutin?

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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