Es klingt verlockend: Beim Online-Shopping erscheint an der Kasse die Möglichkeit „Jetzt kaufen, später bezahlen.“ Millionen Menschen nutzen solche Angebote. Verbraucherschützer warnen jedoch seit Langem vor den Risiken. Denn wer Einkäufe erst später oder in Raten bezahlt, nimmt faktisch einen Kredit auf. Um Verbraucher besser zu schützen, gelten dafür künftig strengere Regeln. Grundlage ist die EU-Verbraucherkreditrichtlinie „CCD II“.
Was ändert sich für Verbraucher, die „später bezahlen“ nutzen?
Ab dem 20. November werden Verbraucher in Deutschland beim Online-Shopping besser geschützt. Ab dann gelten strengere Regeln für Zahlungsmodelle wie „Buy now, pay later“, Kleinkredite unter 200 Euro und zinslose Kredite. Sie gelten dann als Verbraucherkredit, bei dem die Anbieter prüfen müssen: Kann sich der Kunde das wirklich leisten? Bislang war eine solche Kreditwürdigkeitsprüfung bei vielen Angeboten nicht erforderlich, weil es häufig um vergleichsweise geringe Beträge geht. Wichtig ist: Besonders sensible Daten wie Gesundheits- oder Social-Media-Daten sind im Scoring tabu. Bei automatisierten Entscheidungen können Kundinnen und Kunden zudem eine menschliche Überprüfung ihrer Kreditwürdigkeit verlangen.
Außerdem müssen Anbieter künftig transparenter informieren. Verbraucher sollen leichter erkennen können, welche Kosten entstehen, wie lange die Laufzeit ist, welche Raten fällig werden und welche Folgen Zahlungsverzug haben kann. Deshalb müssen Nutzerinnen und Nutzer bei vielen Anbietern voraussichtlich neue Vertragsbedingungen akzeptieren.
Was bedeutet „später bezahlen“ überhaupt?
„Später bezahlen“ ist ein Sammelbegriff für verschiedene Zahlungsmodelle, bei denen Kundinnen und Kunden eine Ware kaufen, ohne den Preis sofort begleichen zu müssen. Die Bezahlung erfolgt entweder zu einem späteren Zeitpunkt in einer Summe oder in mehreren Raten. Dabei handelt es sich um Darlehen, Teilzahlungen oder andere Finanzierungen, wie etwa Null-Prozent-Finanzierungen. Neu ist dabei vor allem, dass auch kleinere Einkaufsbeträge in Raten bezahlt werden können.
In den meisten Fällen stammen diese Angebote nicht direkt vom Online-Händler, sondern von Zahlungsdienstleistern wie Klarna oder PayPal. Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (externer Link) werden über solche Modelle besonders häufig Kleidung (34 Prozent) und Elektrogeräte (25 Prozent) gekauft. In 74 Prozent der Fälle liegt der Kaufpreis bei höchstens 200 Euro.
Warum kann „später bezahlen“ problematisch sein?
Für klassische Kredite gelten umfangreiche Verbraucherschutzvorschriften. Viele „Buy now, pay later“-Angebote waren davon bislang jedoch ausgenommen. Das betraf insbesondere Finanzierungen unter 200 Euro sowie Kredite, die innerhalb von drei Monaten vollständig zurückgezahlt werden müssen. In diesen Fällen entfällt bisher häufig die sonst vorgeschriebene Kreditwürdigkeitsprüfung.
Kundinnen und Kunden müssen daher selbst einschätzen, ob sie sich einen Kauf tatsächlich leisten können. Problematisch wird das vor allem dann, wenn die Bezahloption genutzt wird, weil das Geld aktuell knapp ist. Ohne vorherige Bonitätsprüfung steigt das Risiko, dass Verbraucher sich zu stark verschulden.
Wie kann man den Überblick bei „später bezahlen“ behalten?
Viele „Buy now, pay later“-Angebote sind zunächst kostenlos. Wer fristgerecht bezahlt, zahlt oft keine zusätzlichen Gebühren. Kommt es jedoch zu Verspätungen, können hohe Zinsen anfallen. Verbraucherschützer warnen außerdem davor, mehrere Einkäufe gleichzeitig über solche Modelle zu finanzieren.
Eine repräsentative Umfrage (externer Link) im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zeigt: Jeder fünfte Befragte zwischen 18 und 60 Jahren nutzt „Buy now, pay later“. 14 Prozent der Befragten gaben an, bereits einmal die Übersicht über ihre offenen Zahlungen verloren zu haben. Bei den unter 30-Jährigen traf dies sogar auf nahezu jede vierte Person zu.
Was raten Verbraucherschützer?
Verbraucherschützer empfehlen, sich vor der Nutzung bewusst zu machen, dass es sich bei der Zahloption um einen Kredit handelt. Verbraucher sollten die Vertragsbedingungen genau lesen und insbesondere auf mögliche Gebühren, Mahnkosten oder Zinsen achten.
„Buy now, pay later“ sollte nach Ansicht von Experten die Ausnahme bleiben. Sinnvoll kann die Zahlungsart dann sein, wenn eine notwendige Anschaffung nicht aufgeschoben werden kann und die spätere Rückzahlung gesichert ist.

