Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, legt seine Stirn in Falten. Wenn er auf die Zollpolitik des US-Präsidenten zu sprechen kommt, verschwindet das Lächeln aus seinem Gesicht. Für ihn sind die US-Zwischenwahlen in Senat und Repräsentantenhaus eine „Richtungsentscheidung“. Je nach Wahlausgang könne der amerikanische Präsident gebremst oder in seiner Politik bestärkt werden. Das werde sich auch auf die Stimmung der bayerischen Wirtschaft auswirken.
Wie stark haben die US-Zölle Bayern getroffen?
Die USA sind Bayerns wichtigster Exportmarkt. Im Jahr 2024 lieferten bayerische Unternehmen Waren im Wert von 28,9 Milliarden Euro über den Atlantik. Dann wurde Donald Trump erneut zum Präsidenten gewählt und setzte schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt auf weitreichende Zölle. Im Juli einigten sich die USA und die EU auf eine Obergrenze von 15 Prozent für die meisten europäischen Waren. Dennoch gingen Bayerns Ausfuhren in die USA 2025 um 9,8 Prozent zurück, im ersten Halbjahr 2026 nochmals um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Besonders schmerzhaft ist das für die Metall- und Elektroindustrie. Sie gehört zu Bayerns wichtigsten Exportbranchen. Bertram Brossardt sieht dadurch auch Arbeitsplätze gefährdet: Wer weniger exportiere, benötige mittelbar weniger Beschäftigte. Tatsächlich hatten Bayerns Industriebetriebe mit mindestens 50 Beschäftigten Ende 2025 rund 24.500 Beschäftigte weniger als ein Jahr zuvor.
Dieser Stellenabbau begann allerdings schon vor Trumps neuen Zöllen. Auch die schwache Nachfrage aus China und der Strukturwandel belasten die Industrie. Wie viele Jobs wegen der Zölle verloren gingen, lässt sich nicht beziffern.
DGB fordert mehr europäisches Selbstbewusstsein
„Solidarität“ steht in großen Buchstaben an einer Wand im Büro des bayerischen DGB-Vorsitzenden Bernhard Stiedl. Und das fordert Stiedl jetzt auch von Europa. Ganz gleich, wie die Zwischenwahlen ausgehen: Die europäische Gemeinschaft müsse stärker zusammenhalten. Auch, wenn die Republikaner um den Präsidenten eine Schlappe einfahren sollten.
Stiedl glaubt nicht, dass Donald Trump seine protektionistische Wirtschaftspolitik grundsätzlich ändern wird. Es bringe auch nichts, „wenn Manager vor Donald Trump Männchen machen“, so Stiedl, ohne Audi-Chef Döllner namentlich zu nennen, dessen Auftritt an der Seite Donald Trumps bei einem Wahlkampftermin im Bundesstaat Georgia für Empörung gesorgt hatte.
Europa müsse sich stattdessen der eigenen wirtschaftlichen Stärke bewusst werden. Der bayerische DGB-Chef fordert mehr Investitionen und eine stärkere Nutzung des Binnenmarktes. Auch könnten Hersteller aus Drittstaaten verpflichtet werden, einen Teil ihrer Produkte in Europa zu fertigen. Dass Europas Märkte an Bedeutung gewinnen, zeigen die Außenhandelszahlen: Während Bayerns Exporte in die USA zurückgingen, stiegen die Ausfuhren in die EU im ersten Halbjahr 2026 um 9,5 Prozent.
IHK sieht Anzeichen einer Erholung
Mit Blick auf die USA gibt es aber auch Grund zur Zuversicht. Denn es mehren sich die Anzeichen einer Erholung. Im August stiegen die bayerischen US-Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um fast 40 Prozent. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, hält es deshalb für möglich, dass die Exporte bis Jahresende wieder das Niveau von 2025 erreichen. Der Einbruch gegenüber 2024 wäre damit allerdings noch nicht aufgeholt. Hoffnung macht Gößl die amerikanische Nachfrage nach Technik für künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Davon profitierten auch bayerische Unternehmen. Die Automobilindustrie bezeichnet er dagegen als großen Leidtragenden der US-Zollpolitik.
Gößl warnt zugleich vor allzu großen Erwartungen an die Wahlen. Neue Mehrheiten könnten Trump politisch stärker kontrollieren, die Zölle aber nicht automatisch abschaffen. „Wir haben gelernt, mit Unberechenbarkeiten umzugehen“, sagt er. Die Unternehmen sollten sich auch künftig auf Überraschungen einstellen.

