Sie wollen ein deutliches Zeichen an die Arbeitgeber senden: Rund 3.800 Beschäftigte aus 34 bayerischen Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie haben sich am Montag am Warnstreik der IG Metall beteiligt. Die größten Streiks mit Kundgebungen gab es in Schwaben und Unterfranken. Bei Rohde & Schwarz und Otto Christ in Memmingen etwa beteiligten sich rund 600 Angestellte. Etwa 500 Streikende von AGCO und Fendt-Caravan demonstrierten in Asbach-Bäumenheim für ihre Forderungen. Betroffen sind auch große Player wie Audi in Ingolstadt, wo die IG Metall eine Kundgebung während der Nachtschicht um kurz vor Mitternacht plant.
Auch in anderen Bundesländern wurden Warnstreiks angekündigt, insgesamt in mehr als 2.000 Betrieben. In der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag hatte die Friedenspflicht für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie geendet. Im Laufe der Woche will die IG Metall ihre Aktivitäten steigern.
Demonstrierende: Nullrunde ist „Schlag ins Gesicht“
Im unterfränkischen Königsberg demonstrierten bereits am Vormittag rund 300 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Thomas Höhn, Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt, betonte im Gespräch mit BR24, dass das bisher vorliegende Angebot der Arbeitgeber einen Reallohnverlust bedeute: „Wir brauchen Stabilität. Stabilität in dem Land, aber Stabilität auch bei den Einkommen. Und das momentane Angebot der Arbeitgeber bedeutet, dass die Menschen aufgrund der hohen Inflationsraten einfach weniger Geld im Geldbeutel haben bzw. das Geld weniger wert ist.“
Das bestätigten auch einige Demonstrierende auf Nachfrage von BR24: „Wenn ich zum Einkaufen gehe, dann zahle ich 20 Prozent mehr“, schilderte ein Angestellter. „Diese Nullrunde, die von den Arbeitgebern angeboten wurde, fand ich einen Schlag ins Gesicht“, klagte ein anderer. Es gehe auch darum, die Kaufkraft in der Mittelschicht wieder zu stärken, betonte ein Dritter.
Was die IG Metall fordert
Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld für Beschäftigte und Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, eine soziale Komponente für niedrigere Entgeltgruppen sowie eine Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Zudem will die Gewerkschaft über die Sicherung von Arbeitsplätzen sprechen.
Dem gegenüber steht das Tarifangebot der Arbeitgeber aus der zweiten Tarifrunde in der vergangenen Woche: im Kern eine Einmalzahlung von einem Prozent des jeweiligen Bruttolohns zum Juli 2027 und eine dauerhafte Entgelterhöhung um 1,3 Prozent ab Juli 2028.
IG Metall: Lage in Unternehmen ist nicht so düster
Nach Ansicht der IG Metall stellen viele Arbeitgeber die Lage der Branche düster dar, tatsächlich aber hätten die Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen zuletzt deutlich nach oben korrigiert. Umfragen der IG Metall unter Betriebsräten zeigten einen Aufwärtstrend, 62 Prozent der Betriebe hätten wieder eine gute bis sehr gute Auslastung.
Allerdings sei die Lage sehr unterschiedlich, so die IG Metall weiter: „Während die Auto- und Zulieferindustrie schwächelt, boomen andere Branchen wie die Luft- und Raumfahrt, die Medizintechnik, die Elektrotechnik und die Wehrtechnik.“
Arbeitgeber bieten Einmalzahlung und Entgelterhöhung an
Bertram Brossardt vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm) hält dem entgegen: „Es arbeiten 70 Prozent der Beschäftigten in der Metallindustrie in Unternehmen, denen es richtig schlecht geht. Und angesichts, dass wir Jahr für Jahr in Bayern 10.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie verlieren, ist das ein Angebot, auf dem sich gut verhandeln lässt.“
Von der Forderung der IG Metall Bayern nach einer tariflichen Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer in wirtschaftlich gut aufgestellten Betrieben wollen die Arbeitgeber nichts wissen, so Brossardt: „Eine solche Gewinnbeteiligung lehnen wir im Tarif vollkommen ab, weil der Tarifvertrag die Mindestbedingungen und nicht die Höchstbedingungen festzulegen hat.“
Termin für nächste Verhandlungen noch unklar
Am Sonntag hatte es bereits erste kleinere Aktionen gegeben, etwa beim Mobilfunkzulieferer RF360 Europe/Qualcomm in München. Wann die Tarifparteien weiter verhandeln werden, steht noch nicht fest.

