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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Maxton Hall“ und Co: Warum New-Adult-Romanzen trenden
Kultur

„Maxton Hall“ und Co: Warum New-Adult-Romanzen trenden

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 9. Juni 2024 13:09
Von Uta Schröder
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6 min. Lesezeit
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Eine Erfolgsserie nach Schema F – das gibt’s und Sarah Grund hat das Rezept. Denn New Adult, wie das Genre heißt, geht nach Lehrbuch wie folgt: „Eine junge Frau kommt ans College und versucht sich selbst und ihre Zukunft zu finden“, erläutert Sarah Grund, die zusammen mit Josi Wismar in ihrem Podcast „#Ausgelesen“ neuen Lesestoff, meistens New Adult, bespricht. „Sie stößt auf Herausforderungen und sonstige Lebenskrisen. Und meistens kommt da noch die große Liebe dazu und am Ende haben sich alle lieb.“

Inhaltsübersicht
Ein Genre, indem sich junge Menschen gesehen fühlenMärchengeschichten abseits von Krisen und KriegenEine Deutsche importiert den US-BoomFanfiction über Harry Styles als VorlageDie Demokratisierung des Schreibens

Unspektakulär auf der einen, Stoff für den Streaming-Hit des Jahres auf der anderen Seite: „Maxton Hall“ erzählt genau so eine konventionelle Liebesgeschichte nach Lehrbuch – und ist die erfolgreichste nicht-amerikanische Produktion des Streamingsanbieters Amazon.

Seit Jahren landen Netflix, Amazon und Co ihre Erfolgsproduktionen mit Teen-Serien: „Ich und die Walter Boys“, „To All the Boys I’ve Loved Before“, „Young Royals“ oder eben zuletzt „Maxton Hall“ – und alle haben sie dazugehörige Romanreihen. New Adult boomt.

Ein Genre, indem sich junge Menschen gesehen fühlen

Aber dass der Erfolg von Maxton Hall gleich so groß wird, hat wohl niemand erwartet. „Das ist so krass, ich war damals auf der Release-Party beim allerersten Buch“, sagt Josi Wismar, Sarah Grunds Podcast-Kollegin. Deshalb bezeichnen sie sich auch als Maxton Hall „OGs“, Original Gangster, also besonders frühe Fans der Buchreihe.

Denn: Maxton Hall beruht auf der Romanreihe „Save Me“ von Mona Kasten – eine deutsche Autorin. Viel mehr Deutsch steckt jedoch nicht in der Serie: Die beiden Hauptcharaktere heißen Ruby und James und gehen auf ein englisches Elite-College. „Es gab früher kaum Literatur, in der man sich so gesehen fühlt“, findet Josi Wismar auch ohne Elite-College-Hintergrund und ihre Kollegin Sarah Grund stimmt ihr zu: „Was ich an dem Genre so toll finde, ist, dass ich das Gefühl habe, man muss niemand Bestimmtes sein, um das zu lesen. Bei gehobener Literatur habe ich immer das Gefühl, du musst Abitur, Bachelor, Master haben und dann noch 30 Jahre Lebenserfahrung und dann kannst du das, was du da liest, auch wirklich verstehen.“

Märchengeschichten abseits von Krisen und Kriegen

Denn zu verstehen, gibt es bei New Adult schließlich nicht viel: „Auch wenn es Wendungen gibt, hat man immer das Gefühl, man ist in Sicherheit, weil man eigentlich immer weiß, was ist der nächste Plotpunkt“, sagt Moritz Stock. Er ist Medienwissenschaftler und hat an der Universität Siegen zu Teen TV geforscht. Stock vergleicht die Erzählmethoden von New Adult mit Märchen – denn das Abtauchen in die Geschichten hat etwas mit Realitätsflucht zu tun. Über die Gründe, warum diese Art der Realitätsflucht so beliebt ist, könne er auch nur mutmaßen: „Wenn man sich Jugendstudien anguckt, sind Jugendliche heute eher in der Krise (Externer Link), haben Einsamkeitserfahrungen, aber auch Zukunftsängste“, sagt Stock. Und tatsächlich: Eine Studie aus dem Jahr 2024, bei der 2.000 junge Menschen befragt wurden, zeigt: Die Jugend ist so pessimistisch wie noch nie.

Eine Deutsche importiert den US-Boom

„Für mich war und ist es einfach eine vergessene Altersgruppe“, sagt Josi Wismar und erzählt, wie sie sich vor allem in der Corona-Pandemie mehr Aufmerksamkeit für Studierende gewünscht hätte. Dabei geht es nicht nur um aktuelle Lebensrealitäten: „Ich glaub‘, dass das schon immer gut funktioniert hätte“. Und meint damit College-Romane über die kleinen Herausforderungen beim Erwachsenwerden. Mona Kasten hätte diese Art von Roman im Jahr 2018 nach Deutschland gebracht. „Ich glaube, die Verlage waren da skeptisch, wobei man schon gesehen hat, dass es in Amerika super geboomt ist“, erzählt Sarah Grund. Mittlerweile hat sich das Genre behauptet. Und kann sogar mal aufgebrochen werden: „Es gibt auch diversere Storys“, sagt Josi, die selbst Romane schreibt, „der einzige Anspruch ist, dass es sich echt anfühlt.“

Fanfiction über Harry Styles als Vorlage

Einfach mal wegträumen bei Sorgen und Ängsten – das geht auch in Filmform, wie mit Anne Hathaway in der Hauptrolle von „Als du mich sahst“. Da spielt sie die alleinerziehende Mutter Solène, die sich einen jungen Boyband-Sänger verliebt. Klingt wie aus dem Groupie-Fantasie-Bilderbuch – ist es auch: „Als du mich sahst“ entstand aus einer Fanfiction über Harry Styles. Ein Beispiel, das zeigt: Welche Geschichten erzählt werden, hängt nicht mehr von Verlagen ab. Digitale Plattformen und Selfpublishing befeuern die Erfolge der Liebesgeschichten nach Schema F, erklärt Moritz Stock. „Da hat eine Demokratisierung stattgefunden und das führt halt auch dazu, dass solche Sachen so populär werden.“

Die Demokratisierung des Schreibens

Nach Fanfiction und Eigenverlag fehlt nur noch ein Faktor, der zum globalen Erfolg der New Adult Geschichten verhilft: Social Media. Booktok nennt sich die TikTok-Community, bei der sich alles um Bücher dreht – und da veröffentlichen auch Josi Wismar und Sarah Grund. Grund beobachtet, „dass durch Booktok so viele Leute lesen für sich entdeckt haben, das ist eine tolle Entwicklung“. Es ist eben nicht nur eine Demokratisierung des Buchmarkts, sondern auch der Inhalte: Liebesgeschichten nach Schema F – für mehr Bücher für alle.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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