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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > #looksmaxxing: So erkennt man, wenn der Trend toxisch wird
Netzwelt

#looksmaxxing: So erkennt man, wenn der Trend toxisch wird

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 7. Mai 2026 10:47
Von Benjamin Lehmann
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6 min. Lesezeit
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Etwas Hautpflege, mehr Glow oder Tipps für die eigene Fitness: Wer auf Twitch, TikTok, Instagram und Youtube unterwegs ist, kennt solche Videos. Soweit, so harmlos. Wirklich?

Inhaltsübersicht
Looksmaxxing, Manosphere, Incels: Was das ist und wie es zusammenhängtIst es wirklich so falsch, sich um den eigenen Körper zu kümmern?Was Mediziner über extremes Looksmaxxing sagenWie erkenne ich toxisches Looksmaxxing?

Einige der Videos sind der bewusst harmlos konzipierte Einstieg in ein toxisches System. Looksmaxxing heißt der Trend, also die Maximierung des eigenen Aussehens. Daran ist erstmal nichts auszusetzen – solange niemand verletzt wird. Genau da aber kippt der Trend.

Um zu verstehen, was Looksmaxxing ist, muss man wissen, wo es herkommt – und wie man toxische Videos erkennt.

Looksmaxxing, Manosphere, Incels: Was das ist und wie es zusammenhängt

Looksmaxxing ist weder eine Erfindung der Beauty- noch der Fitness-Szene, sondern einer Gruppe rechtsextremer Frauenhasser.

Erstmals verwendet haben den Begriff die sogenannten Incels. Einige von ihnen beobachtet der bayerische Verfassungsschutz (externer Link). Incel steht für „involuntary celibate“. Das sind Männer, die ungewollt keinen Sex haben. Sie sind überzeugt, dass Frauen sie aufgrund ihres unattraktiven Aussehens ablehnen. Was attraktiv ist und was nicht, messen Incels auf einer von ihnen erfundenen Punkteskala. Damit bewerten sie die Gesichtsproportionen.

Wer in den unteren Stufen bis zwei landet, ist laut Incel-Ideologie ein Untermensch. Alle, die es jetzt schüttelt: Die Nazis nannten unter anderem Juden Untermenschen. Das heutige Incel-Schönheitsideal erinnert an das arische NS-Ideal. Hohe Wangenknochen, starke Kieferpartie, tiefe Brauen, makellose Haut, trainierter Körper, weiß, nordeuropäisch. Die Incels lassen eine Bild-KI Portraitfotos auf einer Skala bewerten – die Nationalsozialisten nutzten Kraniometer, Geräte zur Schädelvermessung.

Zurück zum Looksmaxxing. Das gilt Forschern (externer Link) als Label, unter dem Incels ihre Ideologien mainstreamkompatibel verbreiten: als Einstieg in ihr toxisches Netzwerk.

Incels und damit auch viele Looksmaxxer sind Teil der sogenannten Manosphere (Link zur ARD Story). Eines der bekanntesten Gesichter ist Andrew Tate. Der frühere Kickboxer hält Frauen für das Eigentum von Männern. Meta und Youtube haben seine Profile blockiert.

Ist es wirklich so falsch, sich um den eigenen Körper zu kümmern?

Wer jetzt sagt: „Mir doch egal, wer hinter dem Trend steckt, solange ich nur was für meinen Körper tue!“ Legitim. Aber: Viele der Videos führen in eine Spirale aus immer extremeren Formen der Selbstoptimierung – bis hin zur Selbstverletzung. Ein Beispiel ist einer der weltweit bekanntesten Looksmaxxing-Influencer Braden Peters alias Clavicular (ein mutmaßlicher Kumpel von Andrew Tate, siehe oben).

Jüngst rauschte eines von Claviculars Livestream-Videos durch die Netzwerk-Timelines, in dem er sich eine Überdosis spritzte – und kollabierte. Was er konsumierte, ist nicht bekannt. Nach seinem Krankenhausaufenthalt schwor er jeglichen „Substanzen“ ab.

Der heute 20-Jährige begann als Jugendlicher, sich Testosteron zu injizieren, nachdem er sich stundenlang mit Looksmaxxing auseinandergesetzt hatte. Es folgten Livestreams, in denen er sich mit einem Hammer ins Gesicht schlug, um seine Knochen zu formen, Aussagen über seinen Methamphetamin-Konsum als Appetitzügler und Steroide zum Muskelaufbau. Dadurch könne er heute keine Kinder mehr zeugen.

Was Mediziner über extremes Looksmaxxing sagen

Mediziner warnen vor Looksmaxxing-Extremen wie Bonesmashing. Das Klopfen mit einem Hammer auf die Wangenknochen könne Deformierungen zur Folge haben. Auch das harmlos wirkende Mewing, bei dem die Kiefer aufeinandergepresst werden, um die Kieferform zu verändern, kann laut Medizinern Zähne und Zahnfleisch schädigen. Noch gravierender könnten die seelischen Folgen sein, bis hin zu Selbsthass und Suizidgedanken (externer Link), ausgelöst durch die Blackpill-Ideologie der Incels.

Wie erkenne ich toxisches Looksmaxxing?

Noch einmal ausdrücklich: Nicht jedes Profil ist automatisch das eines Incels, nur weil es dort um Selfcare, Fitness, Gesundheit, Hautpflege oder Looksmaxxing geht. Entscheidend ist der Kontext.

Wie kurz der Weg von der Selbstoptimierung etwa zum Incel-ideologischen Frauenhass allein algorithmusbedingt sein kann, hat das University College London untersucht (externer Link): Der Anteil frauenfeindlicher Inhalte auf der Für-dich-Seite von Tiktok stieg nach dem Anschauen von Selbstoptimierungs-Content rasant von 13 auf 56 Prozent.

Hellhörig sollte auch werden, wem bestimmte Hashtags in Kombination mit #looksmaxxing auffallen. Das Alan-Turing-Institut hat etwa analysiert (externer Link), wie viele Looksmaxxing-Videos auch den #blackpill-Hashtag enthielten. Blackpill ist Incel-Sprache für: Du hast verloren, weil du nicht attraktiv genug bist. Es war knapp die Hälfte.

Eine Auswahl von Hashtags, die in Kombination mit #looksmaxxing auch Incels nutzen:

  • Incel-Bewertungs-Skala: #psl, #psl scale und alle Skala-Typen wie #subhuman (unteres Ende), #sub5 (unteres Mittelfeld), #normie (Mittelfeld), #chad, #chadlite und #gigachad (oberes Mittelfeld), #mog (oberes Ende) und #stacy (schicke Frauen), #pslgod (zehn von zehn Punkten) sowie #mogging (Dominanz attraktiver Männer über alle weniger attraktiven), #ascend (auf der Skala aufsteigen), glow up (Selbstoptimierung)
  • Redpill und Blackpill: Wer den Hashtag #redpill einsetzt, bekennt sich zur Incel-Ideologie und glaubt an die Selbstoptimierung. Wer die #blackpill geschluckt hat, hat aufgegeben. TikTok blockt #blackpill, die Szene weicht aus auf #blackpil, #bxckpill, #blackpiller, #bl4ckp – und auch: #bpkids.
  • Looksmaxxing-Methoden: #boneshmashing blockt Tiktok, Alternativen sind #bone smashming, #boneshamshing. #mewing, um die #jawline zu schärfen,
  • Gesichts-Bewertungen: #canthal tilt (Neigungswinkel der Augen), #hunter eyes (Katzenaugen), #sigma und #sigmamale (einsamer Wolf als Idealtyp)
  • Sexueller Marktwert: #sexual market value, #smv

Sich schon als Jugendlicher um den eigenen Körper und die eigene Gesundheit zu kümmern, ist vollkommen in Ordnung. Nur hinterfragen sollte man, welches radikale Weltbild einem da mitunter vermittelt wird.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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