Das Risiko eines in die Enge gedrängten Putin
Genau hier liegt für Mangott das Paradox: Solange der Krieg andauert, ist die militärische Stärke der Ukraine ein Eskalationsrisiko: Ein Putin, der nicht mehr auf Sieg hoffen kann, werde unberechenbarer.
Russlands jüngste Reaktionen deuten in diese Richtung: Drohungen gegen Diplomaten in Kiew, die schwersten Angriffe auf die Stadt seit Wochen, bei denen das historische Höhlenkloster Petscherska Lawra schwer beschädigt wurde, und zum dritten Mal binnen vier Jahren der Einsatz einer atomwaffenfähigen Oreschnik-Mittelstreckenrakete.
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnt, Putin könnte die Eskalation vorantreiben, um eine neue Mobilmachung zu rechtfertigen. Mangott bestätigt, dass Russland sich darauf vorbereite – ohne dass eine Entscheidung bereits gefallen sei. Für Putin sei eine neue Teilmobilisierung innenpolitisch riskant: Bislang traf der Krieg vor allem ärmere Bevölkerungsschichten, was den Unmut begrenzt hielt. Eine Ausweitung würde den Krieg unpopulärer machen und eine neue Emigrationswelle auslösen mit wirtschaftlichen und technologischen Folgen, die Mangott als mittelfristig verheerend für Russland einschätzt.
Kein schneller Sieg, aber ein langfristiger Gewinn
Verhandlungen sind nach Mangotts Einschätzung erst möglich, wenn beide Seiten erschöpft sind und keine realistische Hoffnung mehr auf weitere Geländegewinne besteht. Dort seien beide Kriegsparteien noch nicht. Die Positionen von Ukraine und Russland würden zu weit auseinander liegen, der Krieg dürfte mindestens noch bis Jahresende weitergehen.
Sobald der Krieg endet, wird laut Mangott genau diese ukrainische Stärke kein Risiko mehr sein, sondern der größte Sicherheitsgewinn, den Europa seit Jahren erhalten hat – durch Technologie, aber vor allem durch die Kampferfahrung ukrainischer Soldaten.

