„Die Zeit der Illusionen ist vorbei. Das Land steht am Rande einer sozialen Explosion, und die gesamte Verantwortung dafür wird die Regierung tragen“, schimpfte der kommunistische russische Parlamentsabgeordnete Wjatscheslaw Markajew kürzlich auf seinem Telegram-Kanal [externer Link].
Seine pessimistische Bestandsaufnahme der militärischen Lage: „Die Angriffe auf unsere Städte dauern an, das Kampfgebiet weitet sich aus, der Westen verstärkt die Drohnenlieferungen, und wir müssen das alles hinnehmen.“ Von Putin forderte er einen „klaren, nachvollziehbaren Plan zur Beendigung der Spezialoperation, der auf Russlands nationalen Interessen“ basieren müsse.
Putin: „Wir erholen uns schnell“
Putin persönlich hatte sich im Gespräch mit Soldaten neulich gezwungen gesehen, zu massiven Schäden an der russischen Infrastruktur durch ukrainische Drohnenangriffe, vor allem bei Raffinerien und auf Nachschubwegen zur Front, Stellung zu nehmen [externer Link].
„Ja, sie fügen uns zweifellos Schaden zu. Wir erholen uns jedoch schnell, und sie werden uns hier keine ernsthaften Probleme bereiten können“, versuchte Putin seine Landsleute zu beruhigen: „Es wird ihnen nicht gelingen, die Gesellschaft zu spalten oder uns wirtschaftlichen Schaden zuzufügen, zumindest nicht in dem von ihnen angestrebten Ausmaß.“
Einer der anonymen russischen Kommentatoren verblüffte mit einer originellen These [externer Link]: „Es ist durchaus möglich, dass die gemäßigte Kritik an der Spezialoperation und die Berichterstattung über Probleme im inländischen Fernsehen nichts anderes darstellen als eine Meinungsumfrage zur Fortsetzung des Krieges. Im Grunde steht das System nun vor folgender Weggabelung: sich mit dem Status quo zufriedengeben oder alles riskieren.“
„Alte Fehler nicht wiederholen“
Blogger Oleg Sarow (400.000 Fans) warnte [externer Link], der Westen wolle Russland „untergraben“: „Wir müssen daraus lernen. Wir dürfen alte Fehler nicht wiederholen.“ Das bezieht sich in erster Linie auf das für Russland schmähliche Ende des Ersten Weltkriegs, als das Zarenregime in der Februar- und Oktoberrevolution von 1917 zusammenbrach.
Auch Zar Nikolaus II. (1868 – 1918) habe zunehmend kritische Fragen aus dem eigenen Umfeld beantworten müssen, argumentiert Exil-Politologe Abbas Galljamow [externer Link]: „Die Beschwerden richteten sich zwar formell nicht gegen den Kaiser, sondern seine Minister, doch jeder verstand, worum es ging. Drei Monate später wurde Nikolaus gestürzt.“

