An bayerischen Ausstellern kommt man auf der diesjährigen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) kaum vorbei. Gleich hinter dem Eingang Ost passieren die Besucher einen Pavillon des Freistaats. Und wer das Gelände von Westen her betritt, kann ein dort platziertes Regionalflugzeug aus Oberpfaffenhofen ebenso wenig übersehen wie das Modell eines unbemannten Kampfjets des Münchener Start-ups Helsing.
Mehr als 120 der insgesamt 750 Aussteller auf der Messe stammen aus dem Freistaat, sagt Andreas Gundel, Geschäftsführer bei der Branchenplattform Bavairia, mit etwas Stolz in der Stimme. Seine ILA-Bilanz fällt positiv aus. Egal welchen Stand er besucht habe, die Aussteller seien durch die Bank sehr zufrieden.
Interesse an Luft- und Raumfahrt hat deutlich zugenommen
Es sei heuer sehr leicht gewesen, bestehende Geschäftsbeziehungen zu vertiefen oder neue Kontakte zu knüpfen, so Gundel: „Es sind sehr viele internationale und nationale Mitspieler hier auf dem Gelände, die Partnerschaften suchen und die Kooperationen eingehen wollen.“
Angesichts des Booms der Branche sei es aus seiner Sicht schön, dass die Aussteller bei Veranstaltungen wie der ILA ihre Projekte nach zum Teil jahrelanger Vorarbeit nun in verwertbares und erfolgreiches Geschäft ummünzen können.
Pläne für bayerischen Kampfjet
Zum Auftakt der ILA sorgte vor allem die Rüstungsindustrie für Schlagzeilen: Die Regierungen in Berlin und Paris hatten das Ende des deutsch-französischen Kampfflugzeug-Projektes FCAS bekanntgegeben. Auf der ILA starteten dann acht deutsche und vorwiegend bayerische Firmen rund um die Manchinger Militärsparte von Airbus eine Initiative für ein europäisches Kampfflugzeug unter deutscher industrieller Führung.
Mit an Bord sind Traditions-Zulieferer wie Hensoldt, MTU oder Liebherr. Applaus kam dafür auch von Betriebsräten und der Gewerkschaft. Kritischer sehen Experten wie Kevin Thiele von der Unternehmensberatung Accenture die Pläne. So brauche man neben den altbekannten Unternehmen zunehmend auch junge Firmen, die mit neuen Technologien rund um Drohnen und KI für Bewegung in der Branche sorgen.
Außerdem müsse man aus Sicht von Bundeswehr und Steuerzahlern auch fragen, ob man in 15 oder 20 Jahren tatsächlich noch teure bemannte Kampfjets brauche und nicht lieber auf Drohnen setzen sollte, sagte Thiele dem BR.
Verbesserte Flugabwehr und neue Ukraine-Kooperation
Doch bei den bayerischen Rüstungsspezialisten auf der ILA geht es nicht nur um Kampfjets. Die Militärsparte der Nürnberger Diehl-Gruppe präsentiert die neueste Variante ihres Flugabwehrsystems Iris-T, das nach erfolgreichen Einsätzen in der Ukraine zu einem globalen Verkaufsschlager wurde.
Harald Buschek, Mitglied der Geschäftsführung, sagte, man habe alle Teilsysteme – also Radar, Kontrollzentrum und Flugabwehrraketen – erstmals auf einem einzigen Lastwagen untergebracht. So sei das System mobil geworden und könne zum Beispiel in einem Konvoi mitfahren, um diesen zu schützen.
Auf Flugabwehr und Raketen setzt auch MBDA Deutschland aus Schrobenhausen. Das Unternehmen gab auf der Messe eine Kooperation mit einer ukrainischen Firma bekannt, unter anderem bei Technologien zur Drohnenabwehr.
Daneben zeigen bayerische Start-ups wie Helsing oder Quantum Systems Konzepte für Kampfflugzeuge, die entweder völlig ohne menschliche Piloten auskommen oder darauf ausgelegt sind, entweder pilotiert oder unbemannt zu fliegen.
Trägerraketen aus dem Freistaat auf dem Weg in den Orbit
Viel los war auch an den Ständen in der Raumfahrt-Halle auf dem Messegelände. Dort wurde natürlich viel über den Börsenstart und die hohe Bewertung von Elon Musks Firma Space X diskutiert. Dieses Potential wollen sich langfristig auch zwei bayerische Raketenbauer erschließen.
Die Start-ups Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg kündigten für die nahe Zukunft Startversuche ihrer Trägerraketen an. Bei Isar Aerospace könnte es – nach mehreren zuletzt verschobenen Anläufen – bereits in wenigen Tagen so weit sein. Der Konkurrent Rocket Factory Augsburg spricht von „noch in diesem Jahr“.

