Initiativen, Vereine und berühmte Vorbilder wie der Paralympics-Goldmedaillengewinner Josia Topf setzen sich seit Langem dafür ein, dass Menschen mit Behinderung den Weg in Sportvereine finden. Ihr Ziel: Sportangebote, die wirklich für alle offen sind – und Vereine, die sich trauen, neue Wege zu gehen. Der TSV Hohenbrunn-Riemerling in Oberbayern hat einen solchen Weg gefunden.
Inklusive Fußballmannschaft: Ehemaliger Jugendwart hatte die Idee
Hier trainieren montags rund 30 Fußballspielerinnen und -spieler mit und ohne Behinderung. Frederick ist schon seit 13 Jahren in der inklusiven Fußballmannschaft, die immer mehr zu einem richtigen Team heranwächst. „Am Anfang waren die Jungs und Mädchen noch sehr egoistisch, sie haben viele Alleingänge gemacht. Mittlerweile ist es mehr eine Gruppe“, sagt Frederick.
Vor 21 Jahren hatte der 87-jährige Alfred Rietzler die Idee, eine inklusive Fußballmannschaft zu gründen. Anfangs war es nicht leicht, wie der ehemalige Jugendwart erzählt: „Es gab viel Skepsis bei den Vereinsoberen der Abteilung Fußball, dass es nicht funktionieren kann.“
Doch es funktioniert, weil Rietzler und das Trainerteam gezielt Spieler mit sozialer Kompetenz auswählen. „Manchmal habe ich manche wieder wegschicken müssen, die sind durch die Mannschaft durchmarschiert, die haben die Idee nicht verstanden“, erinnert sich Rietzler. Die stärkeren Spieler müssen Rücksicht nehmen – sie sollen Bälle vorbereiten, aber keine Tore schießen.
Örtliche Initiativen fördern die Inklusion
Laut UN-Behindertenrechtskonvention soll Sport allen Menschen offenstehen. Doch nur ein Bruchteil der Sportvereine bietet Menschen mit Behinderungen Angebote.
Deshalb hat Manuela Brehmer mit anderen Eltern selbst ein Angebot geschaffen: mit ihrem Verein „Kreis Eltern behinderter Kinder“ in Olching – ursprünglich auch für ihren Bruder, der Sport liebt und das Down-Syndrom hat. „Vor 40 Jahren gab es kein Angebot“, sagt Brehmer. „Dass da einer von unseren Sportlerinnen und Sportlern in einen normalen Sportverein geht, war undenkbar.“ Inzwischen trainieren bei ihr rund 55 Menschen mit geistiger Behinderung aus fünf Landkreisen – von Leichtathletik über Boccia bis zur rhythmischen Sportgymnastik.
Laut Special Olympics Deutschland treiben nur acht Prozent der Menschen mit geistiger Beeinträchtigung regelmäßig Sport – auch deshalb, weil sie eine Assistenz brauchen oder Angst haben, ausgegrenzt zu werden.
Erfolgsgeschichte: Paralympics-Gewinner Josia Topf
Josia Topf aus Bayern hat es bis ganz nach oben geschafft im Parasport, holte eine Goldmedaille bei den Paralympics in Paris. Das TAR-Syndrom verursacht seine körperliche Behinderung, mit unterschiedlich langen Beinen und sehr kurzen Armen.
In Erlangen trainiert er regelmäßig in seinem Verein, der SSG 81. „Es macht Megaspaß hier zu sein, die Starts gemeinsam zu machen und in der Gemeinschaft geht einfach alles besser!“, erklärt Topf. Seine Trainingspartner stellten sich auf ihn ein. Die Trainer entwickelten mit Josia neue Techniken fürs Schwimmen ohne Arme.
Behindertensportverband rät: „Mit den Leuten vor Ort sprechen“
Gelebte Inklusion im Sport sei längst noch nicht überall angekommen, kritisiert der Behinderten- und Rehabilitationssportverband Bayern (BVS), dessen Vizepräsident Topf ist. „Der beste Tipp ist, mit den Leuten vor Ort zu sprechen. Zu versuchen, ihnen die Angst zu nehmen“, rät Topf. Das sei wichtig. „Offene und ehrliche Kommunikation ist das Beste, was man machen kann. Es wird Vereine geben, die sich das nicht zutrauen, das ist aber okay“, ergänzt Topf.
Auch beim TSV Hohenbrunn-Riemerling muss sich der Verein anstrengen, das inklusive Angebot zu erhalten. Im vergangenen Jahr sind zwei Trainer abgesprungen. „Aber ich habe nicht aufgeben. Das kann nicht sein, dass das Projekt den Bach runter geht“, findet Rietzler. „Da müssen schon Leute gefunden werden und die habe ich auch gefunden!“ So geht Dank des Einsatzes von Ehrenamtlichen das inklusive Fußballspielen in Hohenbrunn weiter.

