Florian (23) ist Kraftwerker. Sein Arbeitsplatz, das Heizkraftwerk Berlin-Mitte, besitzt zwei Gasturbinen und eine Dampfturbine. Dort werden Strom und Wärme für das Fernwärmenetz erzeugt. Florian arbeitet 37 Stunden wöchentlich, im Schichtdienst.
Vom Kontrollraum aus steuert er gemeinsam mit seinen Kollegen die gesamte Anlage. So regeln sie die Energieproduktion exakt nach dem Bedarf der Stadt. Trotz moderner Technik geht es für Florian regelmäßig zu Fuß durch die lauten Hallen. Mit Helm und Gehörschutz prüfen Kraftwerker Turbinen, Rohre und Pumpen direkt vor Ort auf Lecks oder ungewöhnliche Geräusche. Bei Störungen muss schnellstmöglich ein Lösungsweg gefunden werden, damit die Versorgung der Stadt ununterbrochen weiterlaufen kann.
Anschlag auf Kabelbrücke zeigt Folgen eines Ausfalls
Welche Folgen ein Ausfall haben kann, zeigte sich im vergangenen Januar. Ein Anschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde hinterließ rund 30.000 Haushalte versorgungslos in der Berliner Kälte. Insgesamt traf der Schaden das Unternehmen und andere Abteilungen. Der jüngste Vorfall ereignete sich erst im Juni im baden-württembergischen Reutlingen. 30.000 Menschen waren vom Stromausfall betroffen, jetzt ermittelt das Antiterrorzentrum.
Florians Weg zum Kraftwerk
Bereits bevor Florian sein Abitur 2020 absolviert hat, bewarb er sich auf mehrere Ausbildungsstellen. Genommen wurde er bei der BEW, wo er dann zum Elektroniker für Betriebstechnik (EBT) ausgebildet wurde. Durch die Ausbildung kam er auf den Beruf des Kraftwerkers. Nach seinem Ausbildungsabschluss absolvierte Florian innerhalb von vier Monaten den IHK-Lehrgang zum Kraftwerker.
Seit November 2025 ist er staatlich geprüfter Kraftwerker. Da dies nur eine Spezialisierung ist, bleibt Florian beim Thema Energiewende entspannt. Im Falle eines Umstieges der Energieerzeugung in Deutschland kann er sich immer noch umschulen lassen. Doch vorerst beschreibt er den Beruf als zukunftssicher.
„Ich bin noch jung und muss viel lernen, aber danach, denke ich, steht dem Schichtleiter nicht mehr viel entgegen“, erzählt Florian über seine Zukunftspläne. Er würde gerne später auch Personalverantwortung übernehmen.
Was verdient ein Kraftwerker?
Florians Einkommen setzt sich aus dem Grundgehalt von 4.494 Euro, einer Leistungszulage von 34 Euro und einer Schichtzulage von 189 Euro zusammen. Diese drei Posten sind jeden Monat fix und ergeben ein Gesamt-Bruttoeinkommen von 4.717 Euro.
Auf dieser Basis beträgt sein Netto 2.956 Euro. Davon gehen Ausgaben für die Kantine weg, die im Januar 2026 bei 35 Euro lagen, und die betriebliche Altersvorsorge von 127 Euro, worin bereits der Arbeitgeberzuschuss von 15 Euro eingerechnet ist.
Gewerkschafts-Mitgliedschaft bringt mehr Urlaub
Florian zieht außerdem jeden Monat von seinem Nettogehalt einen Gewerkschaftsbeitrag in Höhe von 45 Euro ab. Gleichzeitig bringt ihm die Mitgliedschaft aber auch zwei Tage mehr Urlaub pro Jahr, so ist es in seinem Haustarifvertrag festgelegt.
Jeden Monat bekommt Florian eine „Nachverrechnung aus dem Vormonat“. Aufgrund seiner Schichtarbeit beinhaltet diese Zulagen aus dem vorigen Monat, die erst zeitversetzt vergütet werden. Für Florian ein rentables Konzept, denn diese Zulage ist für Arbeit an Feier- und Sonntagen sowie bei Nachtarbeit steuerfrei.
Steuerfreier Bonus für Kraftwerker
Monatlich kommt Florian auf eine Nachverrechnung von etwa 1.000-1.200 Euro. Im konkreten Monat Januar 2026 bekam er 925 Euro obendrauf, sodass ihm am Ende 3.674 Euro überwiesen wurden. Durch seine Zulagen und ein 13. Monatsgehalt lag Florians Jahresbrutto 2025 bei 74.381 Euro.
Dadurch, dass Florian mit 23 Jahren noch ein junger Kraftwerker ist, stehen ihm genügend Aufstiegsmöglichkeiten offen. „Bei Luft nach oben bleibt einem immer der Ehrgeiz, am Ball zu bleiben“, erklärt Florian.
Für ihn lohnt sich sein Beruf und da er noch jung ist, macht ihm die Schichtarbeit nichts aus: „Ich bin super zufrieden und würde aktuell auch nichts Anderes machen wollen.“

